Bundesliga | Erste Erkenntnisse der neuen Saison

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Spotlight | Die 59. Saison der Bundesliga ist zwar erst zwei Spieltage jung. Dennoch konnte man bei einigen Teams erste Muster erkennen. Der BVB tut sich – noch immer – gegen Underdogs schwer. In München hat man – noch immer – Probleme mit der Defensive. Und beim 1. FC Köln herrscht dank Steffen Baumgart Aufbruchstimmung.

BVB: Und täglich grüßt der Underdog

Es ist schon wieder passiert. Wieder einmal trat Borussia Dortmund in einem vermeintlich kleinen Spiel an – und wieder einmal ließen sie sich den Schneid abkaufen. Erneut vom SC Freiburg. Diese Auftritte ziehen sich schon seit Jahren wie ein roter Faden durch jede BVB-Saison. Egal, ob 2016/17 unter Thomas Tuchel, 2017/18 mit Peter Bosz und Peter Stöger, 2018-2020 unter Lucien Favre, letzte Saison mit Edin Terzic oder jetzt unter Marco Rose.

 

 

Die Partien an sich spielen sich nach Schema F ab. Der Gegner verteidigt tief, leidenschaftlich und kompakt, lässt die Dortmunder um den eigenen Strafraum kombinieren, was in den meisten Fällen ins Leere läuft und schlägt dann selbst in Form eines Standards oder Konters zu.

Dortmund muss lernen, die Treffer zu erzwingen

Es ist auffällig wie sehr der BVB Probleme hat, sich gegen tiefstehende Gegner zu behaupten. Dass sie spielerische Lösungen bevorzugen, ist lobenswert. Doch fehlt ihnen in Partien wie am Samstag gegen den SC Freiburg zu oft das entscheidende Etwas, um die Tore zu erzwingen. Wenn sie es durchspielen, hat der Gegner zumeist wenig Probleme, die Situationen wegzuverteidigen. Und für hohe Bälle fehlen ihnen schlicht die Abnehmer. Trotz einer Größe von 1,94 Meter hat Erling Haaland (21) noch eklatante Schwächen in der Luft. Bälle annehmen, gegen mehrere Gegenspieler auf engstem Raum behaupten und weiterleiten, auch das Spiel aufziehen, so wie es Robert Lewandowski (33) für den FC Bayern tut, muss Haaland auf dem Niveau noch lernen. Er weiß in Kontersituationen zu glänzen. Selbige zu kreieren, fällt ihm aber (noch) schwer.

Dazu könnten gerade die Achter etwas aggressiver in die Box schieben. Im Supercup banden Thomas Müller und Leon Goretzka ihre Gegenspieler, sodass Robert Lewandowski völlig frei aus dem Rückraum anrauschen und zum 0:1 einköpfen konnte.

Die nächsten Spiele dürften der Borussia eher liegen. Am Freitag geht es zuhause gegen die TSG Hoffenheim, bevor mit Bayer Leverkusen (A), Union Berlin (H) und Borussia Mönchengladbach (A) wieder drei Gegner größeren Kalibers warten.

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FC Bayern: Aufwärtstrend, aber noch viel Arbeit für Nagelsmann

Das ging gerade nochmal gut aus Bayern-Sicht. 3:2 gewann der Rekordmeister am Sonntagabend gegen den 1. FC Köln, bot dabei vor allem in der ersten Hälfte spielerische Magerkost, garniert mit einfachen Fehlpässen und Ballverlusten. Bezeichnend, dass ausgerechnet Niklas Süle (25) die beste Torgelegenheit vor der Pause hatte, als er sich artistisch durch die Effzeh-Abwehr dribbelte und wuchtig abschloss.

In den zweiten 45 Minuten war es ein komplett anderes Spiel. Die Münchener wirkten aufgrund der Einwechslung Jamal Musialas (18) wesentlich kreativer und durchschlagskräftiger, gingen noch vor der Stundenmarke 2:0 in Führung.

Dann wurde jedoch einmal mehr ein Phänomen ersichtlich, dass den FC Bayern schon seit vielen Monaten begleitet: Gegentore direkt nach dem Anstoß – oder kurz nach eigenen Treffern. Hertha BSC (4:3), Leipzig (3:3), Bielefeld (3:3), Hoffenheim (4:1), Freiburg (2:2), Lazio (4:1), PSG (2:3) – und wenn man ganz streng sein will, kann man den Münchener Akteuren auch ankreiden, dass zwischen dem Anstoß nach dem Tor von Kai Havertz (22) gegen Ungarn bei der EM und dem erneuten Rückstand durch András Schäfer (22) gerade einmal 15 Sekunden lagen.

FC Bayern konnte Thiago noch immer nicht adäquat ersetzen

Am Sonntagabend brauchte der Rekordmeister neun Minuten, um sich eine 2:0-Führung zu erspielen, aber weniger als drei, um sie wieder herzugeben. Die Gegentore fielen dabei nach genau demselben Schema: Flanke Jonas Hector (31), Kopfball Anthony Modeste (33), 2:1. Flanke Kingsley Ehizibue (26), Mark Uth (30) kam eingeflogen und traf zum 2:2.

Bildquelle: imago

In Dortmund wirkte die Abwehr der Münchener größtenteils sicher. Gegen den Effzeh wurde allerdings einmal mehr deutlich, dass sie – auch gut ein Jahr nach dessen Abgang zum FC Liverpool – Thiago (30) noch nicht ersetzen konnten. Einen Spieler, der dank seiner enormen fußballerischen Fähigkeiten auch in Drucksituationen immer die richtigen Entscheidungen trifft. Der in der Defensive viele Gefahrensituationen antizipierte, bevor sie enstanden und so entweder mit einem Tackling rechtzeitig zur Stelle war oder die Abwehr sortieren konnte. Ein kompletter Mittelfeldspieler, der wusste, wann er das Spiel schnell machen sollte – und wann beruhigen. Gerade letzteres fehlte dem FC Bayern enorm, als die Kölner die Schlussminuten dominierten und auf das 3:3 drückten.

Joshua Kimmich – dessen Vertragsverlängerung bis 2025 am Montag bekanntgegeben wurde – muss dahingehend noch dazulernen. Selbst meinte er auch, dass er sich trotz seiner 26 Jahre noch nicht am Ende seiner Entwicklung sieht. Dazu befindet sich Leon Goretzka (26) momentan im Formtief. So seine Verpflichtung zustandekommt, könnte Marcel Sabitzer (27) für die Partien nach der Länderspielpause eine wertvolle Alternative für Julian Nagelsmann (34) sein.

Zudem gibt es offensiv noch die ein oder andere Baustelle: Leroy Sané (25) konnte abermals nicht überzeugen, wenngleich die Reaktion der eigenen Fans unangemessen war, besonders bei dessen Auswechslung. Mit Jamal Musiala kam wesentlich mehr Kreativität und Tempo ins Münchener Spiel. Es bleibt abzuwarten, ob das für einen Platz in der Startelf reicht. So oder so: Trotz vielversprechenden Ansätzen liegt noch viel Arbeit vor Julian Nagelsmann.

1. FC Köln: Baumgart macht dem Geißbock Hörner

Es wäre allerdings ungerecht, den Spielverlauf des Sonntagabends einzig an einem schwächelnden FC Bayern festzumachen. Der 1. FC Köln legte einen Auftritt hin, der gegen rund 15 oder 16 der 18 Bundesligisten zum Sieg reicht. Wie von Steffen Baumgart (49) vor der Partie angekündigt, versteckte sich der Effzeh zu keinem Zeitpunkt, spielte im 4-1-3-2 ein äußerst mutiges Offensivpressing mit schnellem Umschalten, das den FC Bayern in Schwierigkeiten brachte, ohne dabei die eigene Defensive zu entblößen. Es gelang ihnen, das Spiel ins Mittelfeld zu verlagern, sodass Torchancen vor der Pause Mangelware blieben.

Nach den beiden Gegentreffern zeigten die Kölner genau dieselbe Einstellung, die schon gegen Hertha BSC (3:1) noch zum Ausgleich vor der Pause führte. Der FC Bayern, der sich seit jeher über die eigene Gewinnermentalität definiert, wurde mit genau dieser überrumpelt.

Letztendlich gaben individuelle Patzer den Ausschlag. Jorge Meré (24) ließ sich von Jamal Musiala an der Grundlinie auswackeln, bekam von Kingsley Ehizibue aber auch nicht wirklich Unterstützung und fälschte vor dem 2:0 die Kugel zu Serge Gnabry (26) ab. Beim Siegtreffer faustete Timo Horn (28) die Kugel nicht weit genug weg, sodass Kimmich für Gnabry auflegen konnte.

Genau das ist es jedoch, was Hoffnung macht: Die ersten beiden Spiele haben gezeigt, dass das System Baumgart funktioniert – auch auf höchstem Niveau. Schon in der vergangenen Saison hat die Mannschaft ihr Potential mehrfach angedeutet: Unentschieden (2:2) und Sieg gegen Dortmund (2:1), Sieg in Gladbach (2:1), Unentschieden (0:0) und Sieg (2:1) gegen RB Leipzig. Wenn die Kölner an die ersten Auftritte anknüpfen können, sollten sie eigentlich mit dem Abstiegskampf nicht viel zu tun bekommen.

Endlich wieder wichtig – Modeste wird unter Baumgart wieder zum Schlüsselspieler

Nicht zuletzt auch, weil sie jede Menge Qualität im Angriff haben. Mit Ondrej Duda (26), dessen Tore und Vorlagen maßgeblich zum Klassenerhalt beigetragen haben, Sebastian Andersson (30), dem Doppeltorschützen aus dem Relegations-Rückspiel in Kiel (5:1). Natürlich auch Mark Uth, der in Topform eine extreme Unberechenbarkeit ausstrahlt und über einen satten Linksschuss verfügt. Aber nicht zuletzt dank eines Spielers, der wieder Gegner alt aussehen lässt.

Bildquelle: imago

Anthony Modeste. 2016/17 erwischte der Franzose eine Bundesligasaison zum Ausschneiden. 34 Spiele, 34 Mal Startelf, 25 Tore. Als Belohnung gab es Platz 5 und damit die erste Qualifikation für den Europapokal seit 25 Jahren. Allerdings entschloss sich Modeste genau dann zu einem Wechsel nach China, zu Tianjin Tianhai. Bei seiner Rückkehr 2018 stockte der Motor. Auch eine Leihe zur AS Saint-Étienne in der vergangenen Rückrunde hatte nicht den gewünschten Effekt.

Nun aber scheint der Knoten wieder geplatzt zu sein. Modeste stand in beiden Spielen, sowohl gegen die Hertha, als auch in München in der Startelf und erzielte den jeweils ersten Kölner Treffer. Baumgart schenkt ihm das Vertrauen als Schlüsselspieler, was Modeste sichtlich guttut. Bei Sky erklärte er: „Erst hab‘ ich viel investiert in dieser Sommerpause, habe eine OP (an der Leiste, Anm. d. Red.) gehabt und viel gearbeitet. Und dann der Trainer – wenn der Trainer auf dich steht, ist es einfacher für einen Stürmer. Das hat er gut gemacht.“

Genau wie die gesamte Mannschaft, die in dieser Form noch für die ein oder andere Überraschung gut sein dürfte.

FOTO: Mladen Lackovic/LakoPress/imago

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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