Bundesliga | Einzig Leverkusens Chancenverwertung bewahrt fahrige Bayern vor dem Debakel – Das Spitzenspiel in der Einzelkritik

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Spotlight | 1:1-Unentschieden trennten sich der FC Bayern und Bayer Leverkusen im Spitzenspiel des 25. Bundesliga-Spieltags. Ein Ergebnis, das eher den Gastgebern schmeichelt. Die Einzelkritik zum Spiel.

Bayern bricht schon wieder ein, Leverkusen kann aber kein Kapital daraus schlagen

1:1 endete das Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Bayer Leverkusen. Ein Ergebnis, mit dem die Gastgeber besser leben können. Nach dominanten 36 Minuten ließ das erste Eigentor in Thomas Müllers Profikarriere die Partie spielerisch kippen.

 



 

Leverkusen wurde mutiger und kam nicht nur zu Chancen, sondern Großchancen. Einzig einer mangelhaften Verwertung dieser ist es geschuldet, dass der FC Bayern gegen die Werkself nicht ähnlich unterging, wie Borussia Dortmund Anfang Februar. Ihre größte Stärke, das Mia San Mia, das Zurückkommen nach Rückschlägen gegen jeden Gegner, ist im Moment eine ihrer größten Schwächen.

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FC Bayern: Müllers Performance rundet Bayerns faden Auftritt ab

Sven Ulreich: Starke Parade kurz vor der Pause. Jedoch hätte er Thomas Müller vor dem Ausgleich zwingend zurufen müssen, wegzubleiben. Kam zudem beim Pfostentreffer Amine Adlis zu zögerlich aus seinem Tor. Note: 5,0.

Benjamin Pavard: Fing stark an, mit vielen guten Aktionen über die rechte Seite. Nachdem Leverkusen wieder zu sich fand, war der französische Nationalspieler ausschließlich defensiv gebunden. Dort allerdings auch mit einigen guten wie intelligenten Tacklings Note: 3,5.

Dayot Upamecano: Noch immer viel zu fehlerbehaftet. In der dominanten Phase des FC Bayern oft extrem mutig im Vorwärtsspiel. Danach aber immer wieder mit Aussetzern. Den größten in Minute 42, als er einen viel zu kurzen Rückpass genau in die Bahn von Amine Adli spielte. Note: 4,0.

Niklas Süle: Ein Abgang, der den FC Bayern noch schmerzen wird. Starke Direktabnahme zum 1:0, dazu durchgängig der Fels in der Brandung. Lediglich einmal mit einer groben Unachtsamkeit. Hätte den Weg in Minute 56 mit Adli mitgehen müssen, anstatt zum Tackling anzusetzen. Note: 2,5.

Omar Richards (bis 61′): Wie alle Mann in rot 36 Minuten lang auf Krawall gebürstet, danach aber eher unauffällig – defensiv wie offensiv. Machte nach einer Stunde Platz für Leroy Sané. Note: 4,5.

Joshua Kimmich: Offensiv mit vielen guten Ideen, defensiv mit einem latenten Hang zur Leichtsinnigkeit. Musste neben Jamal Musiala für die Stabilität im Mittelfeld sorgen, was ihm mal mehr, mal weniger gut gelang. Note: 4,0.

Jamal Musiala: In der Abwesenheit von Leon Goretzka und Corentin Tolisso einmal mehr als defensiver Mittelfeldspieler aufgeboten. Kurz und gut: Marc Roca wäre die bessere Wahl gewesen. Konnte dem Leverkusener Mittelfeld körperlich kaum etwas entgegensetzen. Verzettelte sich zudem immer wieder in Schnörkeln und hätte mit einem einfachen Ballverlust gegen Amine Adli um ein Haar ein Gegentor verschuldet. Die Maßnahme der Vereinsführung, ihn dauerhaft auf die Sechs zu beordern, ist mehr als fragwürdig und beraubt ihn gänzlich seiner Stärke sowie Kreativität in der Vorwärtsbewegung. Note: 5,0.

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Photo by Alex Grimm/Getty Images

Serge Gnabry (bis 74′): Bemüht über seine linke Seite, ließ vor allem beim finalen Pass die Präzision vermissen. Hätte einer seiner Großchancen kurz vor der Pause nutzen können, wenn nicht müssen. Note: 3,5.

Thomas Müller (bis 61′): Vor dem Eigentor schon weit unter seinem Niveau. In der zweiten Halbzeit wollte dem Raumdeuter gegen giftige Leverkusener gar nichts mehr gelingen. Nach seiner COVID-19-Infektion noch lange nicht auf der Höhe. Sein erstes Eigentor der Profikarriere rundete einen Arbeitstag ab, den er schnellstmöglich vergessen wollen wird – und besser auch sollte. Note: 5,0

Kingsley Coman (bis 86′): Vor allem in der ersten Halbzeit kaum zu halten, drehte die Leverkusener Verteidigung ein ums andere Mal ein. Dieser Spielweise musste er in der zweiten 45 Minuten jedoch Tribut zollen. Machte in der 86. Minute Platz für Bouna Sarr. Note: 3,5.

Robert Lewandowski: Es war nicht der Tag von Bayerns Toptorjäger. Arbeitete zwar gewohnt viel fürs Team, konnte sich jedoch kaum Torchancen erarbeiten und wenn, dann war immer ein Leverkusener Verteidiger in nächster Nähe. Note: 4,0.

Auswechslungen des FC Bayern

Marcel Sabitzer (ab 61′): Kam für Thomas Müller ins Spiel – und schloss sich dem Arbeitstag seines Vorgängers nahtlos an. Vergab frei vor Lukáš Hrádecký leichtfertig den Siegtreffer. Ansonsten nicht mit sovielen defensiven Unsicherheiten, wie in der Vergangenheit. Aber der Weg zurück zur Topform ist noch ein sehr langer. Note: 5,0.

Leroy Sané (ab 61′): Man sah ihm an, dass er alles versuchte, um seinen goldenen Tag der Vorwoche zu wiederholen. Man sah allerdings auch der Leverkusener Defensive an, dass sie auf ihn gut eingestellt war. Das in Tateinheit mit Teamkollegen, die teilweise eine Autostunde von sich entfernt standen, macht die Aufgabe nicht zwingend einfacher. Note: 3,0.

Eric Maxim Choupo-Moting (ab 74′): Kam für die letzte Viertelstunde, um den Siegtreffer noch zu erzwingen. Doch weder konnte er den Prellbock spielen, um Lewandowski in Szene zu bringen, noch selbst zu Torgelegenheiten kommen. Ein Wechsel, der mehr oder minder wirkungslos verpuffte. Note: 4,0.

Bouna Sarr (ab 86′): Rudi Garcia machte ihn einst in Marseille zum Rechtsverteidiger. Julian Nagelsmann erkannte sein offensives Potential und stellte ihn zurück auf seine natürliche, offensive Position. Bot einige gute Laufwege in der Offensive an. Dann jedoch mangelte es in der Präzision der Zuspiele. Note: 4,0.

Julian Nagelsmann: Der Sieg in Frankfurt war ein Schritt nach vorne, die ersten 35 Minuten ein weiterer. Der Rest der Partie waren vier bis fünf Schritte zurück. Noch immer zeigt sich seine Mannschaft massiv anfällig in der Defensive, noch immer tun sie sich schwer, gegen giftige und aggressive Gegner zu Chancen zu kommen, weil es zu oft in den Kleinigkeiten, am letzten Pass, mangelt. In Bayerns Phase der drückenden Überlegenheit muss zwingend das 2:0 oder auch 3:0 fallen. So ließen sie Leverkusen im Spiel und wurden konsequenterweise bestraft. Mit Ausnahme von Leroy Sané hat zudem keiner seiner Wechsel das Spiel maßgeblich beeinflusst. Muss sich vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Salzburg einiges einfallen lassen, soll die Champions-League-Saison nicht zu einem jähen Ende kommen. Note: 5,0.

Victor Catalina

Bayer Leverkusen: Adlis fehlende Effizienz tut Bayer weh

Lukas Hradecky: Irrte beim Eckball vor dem 0:1 durch den Strafraum und hatte einen großen Anteil am Rückstand. Seine langen Bälle fanden auch nur selten einen richtigen Empfänger. Parierte toll einen Schuss von Musiala (47.). Blieb im direkten Duell mit Sabitzer lange stehen und verhinderte den erneuten Rückstand (62.). Note: 3,0

Piero Hincapie: War zeitweise vogelwild unterwegs. Vor dem 0:1 behinderten sich er und Tah derart, dass Süle freistehend zur Führung traf. Der 20-Jährige war zu wild unterwegs, konnte sich allerdings steigern und war im Gegenpressing in der zweiten Halbzeit sehr griffig. Note: 2,5

Jonathan Tah: Schlug beim 0:1 erst ein Luftloch und lief dann in einem Anflug von Panik Hincapie über den Haufen, der sich ebenfalls zu wild verhielt. Insgesamt viel zu unsauber im Aufbauspiel. Fing sich nach dem Wiederanpfiff und hielt zusammen mit seinen Partnern die Defensive dicht. Note: 3,0

Edmond Tapsoba: Wirkte nach dem Gegentreffer nervös und leistete sich ein paar Patzer im Passspiel. Im weiteren Verlauf des Spiels agierte er mit der Zeit immer souveräner. War dann zu einem späteren Zeitpunkt kaum noch zu überwinden. Bis auf eine kurze, wackelige Phase war das ein sehr reifer Auftritt. Note: 1,5

Mitchel Bakker (bis zur 82. Minute): War ständig im Zweikampf mit Coman gefordert, der kaum aufzuhalten war. Nach einer halben Stunde holte er sich folgerichtig eime Gelbe Karte ab, nachdem dieser erneut zu enteilen drohte. Danach nahm sich der Niederländer stark zurück. Am auffälligsten waren noch seine etlichen ungenauen Zuspiele in der Offensive. In der Defensive hatte Bakker weitestgehend alles unter Kontrolle. Hatte großes Glück, dass er nach einem weitern Foul an Coman nicht vom Platz flog (80.). Note: 3,0

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Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images

Kerem Demirbay: War deutlich zu langsam im Kopf und hatte große Probleme, sich im Mittelfeld zu behaupten. Sein Freistoß, der eigentlich sicher in den Armen von Ulreich gelandet wäre, führte aufgrund des unglücklichen Eigentors von Müller zum 1:1. Lief viele Löcher zu und strahlte in der zweiten Halbzeit deutlich mehr Sicherheit am Ball aus. Note: 2,5

Charles Aranguiz: Spielte teils unerklärliche Fehlpässe und gab dem Team kaum Halt. Anstatt Bälle zu erobern und die Bayern im Mittelfeld zu nerven, wurde er regelmäßig zum Destabilisator des eigenen Teams. Hätte zwingend zur Führung kurz vor der Halbzeit treffen müssen. Hatte in der zweiten Halbzeit deutlich mehr Zugriff im Mittelfeld. Note: 3,5

Jeremie Frimpong: Schlug aufgrund des starken Pressings der Bayern zunächst zu viele hohe Bälle, die zu Ballverlusten führten. Zum Ende des Durchgangs brach er dann einige Male offensiv durch und hätte beinahe die Führung vorbereitet. In der zweiten Halbzeit dann in der Offensive der aktivste Leverkusener. In der 87. Minute hatte er die Chance zum 2:1, aber der Winkel war zu ungünstig. Ein ordentlicher Auftritt. Defensiv dazu fast immer auf der Höhe. Note: 2,0

Florian Wirtz (bis zur 89. Minute): Hatte zunächst zu wenig Präzision in seinem Spiel. Steigerte sich kurz vor der Halbzeit und spielte einige tolle Pässe und arbeitete daran, die Partie zu drehen. War stehts gut bewacht und entwischte den Bayern dennoch immer wieder. Dann fehlte allerdings weiter das letzte Quäntchen Genauigkeit, um richtig gefährlich zu werden. Note: 3,5

Moussa Diaby (bis zur 89. Minute): In der ersten Halbzeit zwar bemüht, aber wurde von seinen Mitspielern kaum in Szene gesetzt. Defensiv dafür sehr fleißig, was in München ohnehin notwendig ist, wenn man Punkte entführen will. Nach der Pause ein wenig besser im Spiel eingebunden, aber dennoch sehr unauffällig für seine Verhältnisse. Note: 4,0

Amine Adli (bis zur 70. Minute): Agierte teilweise viel zu kompliziert. Kurz vor der Halbzeit hatte er mehrere Chancen: Erst traf er nur den Pfosten, nachdem er Ulreich bereits umkurvte und war eine Minute später im direkten Duell mit Ulreich nervös und schob am Tor vorbei. Wieder nur einen Augenblick später konnte er erneut das Chaos in der Bayern-Defensive nicht ausnutzen. Hier hätte es zwingend mehrfach klingeln müssen, aber immerhin erarbeitete er sich die Gelegenheiten. Blieb auch im zweiten Durchgang ein Aktivposten bis zu seiner Auswechslung, aber seine fehlende Effektivität tat der Werkself in diesem Spiel sehr weh. Note: 4,0

Einwechslungen von Bayer 04 Leverkusen

Exequiel Palacios (ab 70. Minute): Erledigte seinen Job und fügte sich gut in das Kollektiv ein. Großartig auffallen konnte er nicht mehr. Note: 2,5

Odilon Kossounou (ab 82. Minute): Ohne Bewertung.

Sardar Azmoun (ab 89. Minute): Ohne Bewertung.

Lucas Alario (ab 89. Minute): Ohne Bewertung.

Damian Ozako

Daniel Siebert: Souveräne Spielleitung, eines Spitzenspiels angemessen. Vertretbare Linie in den Zweikämpfen. Man kann dafür verargumentieren, dass er Mitchel Bakker bei seinem zweiten Foul gegen Kingsley Coman mit Gelb-Rot vom Platz hätte stellen können. Andererseits gehört das auch zum Repertoire eines Top-Schiedsrichters dazu, in solchen Situationen – und vor allem, da Bakker ansonsten weitestgehend unauffällig blieb, was grobe Fouls angeht – es bei einem sehr strengen Blick zu belassen und die Tonalität des Spiels nicht grob zu verändern, wenn es nicht zwingend vonnöten ist. Note: 2,0.

Spielnote: Ein äußerst interessantes Spitzenspiel, eines mit zwei unterschiedlichen Gesichtern. Zuerst hyperdominanten Bayern, die in dieser Phase zwingend mehr Tore hätten nachlegen müssen. Nach Müllers Eigentor kippte die Partie komplett. Leverkusen hatte mehr und die besseren Torgelegenheiten. Unterm Strich wäre ein Sieg für die Werkself verdienter gewesen. Taktisch vor allem wegen dem Duell von Bayerns Dominanz gegen Leverkusens Pace interessant, wenngleich zwei so offensivfreudige Mannschaften mehr als nur zwei Tore hätten produzieren müssen. Note: 2,5.

Photo by Alex Grimm/Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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