Bundesliga | Kimmich makellos, Schwolow bester Herthaner – Die Einzelkritik zu Bayerns Sieg in Berlin

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Am späten Sonntagnachmittag empfing Hertha BSC den FC Bayern. Die Partie geriet vom ersten Moment an zur Einbahnstraße. 4:1 gewann der Rekordmeister am Ende. Die Akteure in der Einzelkritik.

Sané und Gnabry gestalten Bayern-Sieg standesgemäß

Es war eigentlich über die gesamte Spieldauer hinweg ein Spiel auf ein Tor. Nach 25 Minuten eröffnete Corentin Tolisso, Thomas Müller legte mit dem Pausenpfiff nach.

 



 

In der zweiten Hälfte nutzte Leroy Sané einen Aussetzer von Alexander Schwolow. Kurz darauf legte Serge Gnabry zum 0:4 nach. Aber auch Bayerns Hintermannschaft erlaubte sich einen lichten Moment, sodass der eingewechselte Jurgen Ekkelenkamp den 1:4-Endstand herstellen konnte. Die Einzelkritik zum Spiel.

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Hertha BSC: Schwolow als Fels in der Brandung, Offensive bemüht

Alexander Schwolow: Herthas Bester – und zwar mit großem Abstand. Hielt die Berliner lange Zeit teilweise herausragend im Spiel – bis er höchstselbst mit seinem Lapsus für die Entscheidung sorgte. 3,0.

Marton Dardai: Man sah ihm die fehlende Erfahrung auf höchstem Niveau an. Ließ Corentin Tolisso nach 25 Minuten entspannt zum 0:1 abtauchen. Ansonsten konnte er dem Dauerdruck des Rekordmeisters wenig entegensetzen. 4,0.

Dedryck Boyata: Hatte Robert Lewandowski weitestgehend im Griff, was für einen Fußballer allerdings nur ein schwacher Trost sein dürfte, wenn dafür alle um ihn herum treffen. Mit einer starken Szene, als er einen Steckpass von Kimmich auf Sané antizipierte und sich von Bayerns Flügelspieler foulen ließ. 4,0.

Linus Gechter: Feierte gegen den FC Bayern sein Startelfdebüt und war einer der wenigen Lichtblicke in der Berliner Abwehr. Als Serge Gnabry Schwolow eigentlich schon überchippt hatte, kam der 17-Jährige und verhinderte artistisch den Treffer. Bewirbt sich für weitere Einsätze. 4,0.

Peter Pekarik: Sah gegen Kingsley Coman ein ums andere Mal nur die Rücklichter und ließ den Franzosen vor dem 0:1 in aller Ruhe flanken. Auch sonst hatte er dem Rekordmeister nicht viel entgegenzusetzen. 4,0.

Lucas Tousart: Im Mittelfeld größtenteils unauffällig. Beging unter dem großen Bayern-Druck allerdings auch keine größeren Fehler. 4,0.

Vladimir Darida: Hatte kurz nach der Pause die Großchance, Hertha zurück ins Spiel zu holen, die er allerdings liegen ließ. Kurz darauf verhinderte er mit einem gekonnten Tackling den sicheren Gegentreffer gegen den durchgebrochenen Kingsley Coman. 4,5.

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Photo by Maja Hitij/Getty Images

Maximilian Mittelstädt: Aktivposten auf der linken Seite. Bekam für ein gelungenes Dribbling gegen mehrere Bayern-Spieler Szenenapplaus. In Halbzeit eins mit ordentlichem Eckball. Leitete zudem die Großchance von Darida ein. 4,0.

Suat Serdar: 20 Minuten vor Schluss am auffälligsten, als er für ein Foul an Joshua Kimmich die einzige gelbe Karte des Spiels bekam. Ansonsten lief die Partie größtenteils am Doppeltorschützen aus dem Pokalderby vorbei. 4,0.

Ishak Belfodil: Arbeitete viel für das Team und hatte in Minute 21 die erste Chance der Herthaner, als er frei aufs Tor köpfen durfte. Sein gewonnener Zweikampf im Mittelfeld leitete Daridas Großchance auf den Anschlusstreffer ein. Bereits vor dem 0:0 in Wolfsburg schwärmte Tayfun Korkut vom Sturmduo mit ihm und Stevan Jovetić. Dürfte auch in den kommenden Wochen gesetzt sein. 3,0.

Myziane Maolida: Herthas ursprüngliche Idee war, gegen einen extrem hochstehenden FC Bayern seine Geschwindigkeit auszunutzen. Das funktionierte zweimal gut. Erst, als er per Chip Belfodil bediente. Kurz darauf kam Maolida aus spitzem Winkel selbst zum Abschluss. Danach allerdings war vom Sommerneuzugang aus Nizza nicht mehr viel zu sehen. 4,0.

Hertha-Wechsel

Santiago Ascacibar (ab 58.): Kam für Vladimir Darida und erzwang mit seinem Einsatz das Handspiel von Leroy Sané, weswegen der Treffer zum 1:5 nicht zählte. 3,0.

Marvin Plattenhardt (ab 58.): Ersetzte Maximilian Mittelstädt auf der linken Seite und blieb bis auf eine Flanke, die Neuer sicher abfing, ohne nennenswerte Szenen. 3,0.

Fredrik André Bjørkan (ab 58.): Der Neuzugang vom FK Bodø/Glimt kam für Marton Dardai, wurde mit Applaus begrüßt und konnte in einigen Szenen seine Wucht und sein Tempo andeuten. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass er vor Gnabrys Treffer zum 0:4 das Abseits aufhob. 3,5.

Stevan Jovetić (ab 69.): Ersetzte Myziane Maolida  und gab dem Hertha-Spiel nach seiner Einwechslung nochmal neue Wucht. Erzwang den Ballverlust, der zum 1:4 führte und setzte gut vor Manuel Neuer nach, sodass Jurgen Ekkelenkamp den Ball ins leere Tor heben konnte. 2,5.

Jurgen Ekkelenkamp (ab 80.): Kam für Ishak Belfodil in die Partie und erzielte 30 Sekunden nach seiner Einwechslung technisch sehenswert den Berliner Ehrentreffer. Nicht das erste Mal, dass seine Einwechslung positiven Effekt aufs Hertha-Spiel hat. 2,5.

Tayfun Korkut: Von der Einstellung kann man seiner Mannschaft und ihm keinen Vorwurf machen. Die Hertha war gewillt, dem FC Bayern einen Kampf anzubieten. Allein, der Gegner war an diesem Nachmittag mindestens eine Nummer zu groß. Dass die Mannschaft dazu noch die Fehler aus der Partie gegen Union wiederholte, sprich, Flanken zulassen, mangelhafte Zuordnung bei gegnerischen Standards, garniert mit individuellen Fehlern, machte Hertha das Leben gegen den Rekordmeister nicht zwingend einfacher. Übernächsten Freitag ist der VfL Bochum zu Gast im Olympiastadion. Ein Must-Win, soll der Schritt aus dem Tabellenkeller gelingen. 3,5.

FC Bayern: Kimmich ragt bei Gala in Berlin heraus

Manuel Neuer: Fast ausschließlich als Groundhopper mitgereist, wirklich fordern konnte ihn die Hertha kaum. Beim Gegentreffer chancenlos. Ansonsten solide im Aufbauspiel. 2,5.

Benjamin Pavard: Setzt seinen Aufwärtstrend der letzten Monate fort. Auch heute wieder souverän und sicher als rechter Innenverteidiger, beziehungsweise später als Rechtsverteidiger in der Viererkette. Muss jetzt nur noch daran arbeiten, seine Volleys offensiv wieder hinzubekommen. 2,5.

Niklas Süle: Copy and Paste. Auch er war einer der Hauptgründe warum Hertha kaum durchkam, auch nicht über den schnellen Myziane Maolida. Machte einige Kontersituationen gut zunichte. 2,5.

Lucas Hernández (bis 80.): Vertrat auf der linken Seite Alphonso Davies, der mit leichter Myokarditis auf unbestimmte Zeit ausfallen wird und tat das durchaus souverän. Bisweilen auch mit ordentlichen Vorstößen in Ballbesitz. 2,5.

Joshua Kimmich: 154 Ballaktionen, Sieben Torschussvorlagen, zwei Assists, 91 Prozent Passquote, 12,57 Kilometer Laufstrecke. 1,0.

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Photo by Maja Hitij/Getty Images

Corentin Tolisso (bis 69.): Stand eigentlich schon auf der Verkaufsliste, bewirbt sich aber im Moment mit starken Leistungen für einen neuen Vertrag. Bekam einen Treffer in Minute 2 aberkannt, blieb aber dran und belohnte sich 23 Minuten später. Hatte im Anschluss noch einige Male die Chance zum Doppelpack. Könnte in dieser Form eine ernsthafte Alternative für die großen Spiele werden. 2,0.

Serge Gnabry (bis 80.): Fiel als einziger in der Startelf lange Zeit ab, dribbelte sich oft fest oder verzog seine Abschlüsse. Gut zehn Minuten vor Schluss kam er doch noch zu seinem zehnten Saisontor und stellte damit seine Marke der Vorsaison ein. 3,5.

Thomas Müller (bis 80.): Wie immer verlässlich. Legte das Abseitstor von Tolisso mit einer Maßflanke aus dem Halbfeld vor und besorgte das 0:2 höchstselbst. Ansonsten ließ auch er einige gute Gelegenheiten liegen. 2,0.

Leroy Sané: Vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit äußerst aktiv, versuchte mit dem 0:3 schnell den Deckel auf die Partie zu machen. Das gelang ihm, wenngleich erst unter gütiger Mithilfe von Alexander Schwolow. Besorgte in Minute 89 äußerst sehenswert das 1:5, was ihm wegen eines Handspiels allerdings aberkannt wurde. Seine Leistung soll das aber nicht schmälern. 1,5.

Kingsley Coman (bis 69.): Sehr aktiv über seine linke Seite, ließ Peter Pekarik immer wieder ins Leere laufen, zudem mit klasse Hereingabe vor dem 0:1. Bekam frei vor Schwolow noch eine Großchance, die Partie zuzumachen, nachdem die Münchener infolge eines gegnerischen Eckballs kontern durften, bei der er sich allerdings zu sehr verzettelte. 2,5.

Robert Lewandowski: Sein erstes Spiel nach der Titelverteidigung des FIFA-Weltfußballertitels war ein eher ruhiges. Wenngleich man Lewandowski zugutehalten muss, dass Partien gegen defensiv massiert stehende Mannschaften für Stürmer per se undankbar sind. Hatte trotzdem einige gute Szenen, die Schwolow zunichtemachte. Verarbeitete einen eigentlich zu langen Ball herausragend, in dessen Folge das 0:1 fiel. Dürfte gegen RB Leipzig umso motivierter sein 3,0.

Bayern-Wechsel

Marcel Sabitzer (ab 69.): Ersetzte Corentin Tolisso im Mittelfeld und half mit, das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Noch immer mit einigen wackligen Szenen. Vergab eine gute Chance auf Vorlage von Jamal Musiala. 3,5.

Omar Richards (ab 69.): Gut 20 Minuten vor Schluss entschied sich Julian Nagelsmann dafür, die Formation defensiver zu gestalten und brachte Richards für Kingsley Coman. Bekam offensiv nur selten die Gelegenheit, sich zu zeigen. In der Rückwärtsbewegung ließ er sich nichts zu Schulden kommen 3,0.

Dayot Upamecano (ab 80.): Feierte nach überstandener COVID-19-Infektion sein Comeback und hatte gleich ein Gastgeschenk für die Hertha parat. Mit 23 Jahren kann man über solche Fehler noch hinwegsehen. Will er sich dauerhaft auf höchstem Niveau durchsetzen, muss er sich solche Aktionen in Zukunft allerdings verkneifen. 4,0.

Jamal Musiala (ab 80.): Nach einer durchwachsenen Partie in Köln gönnte Julian Nagelsmann dem 18-jährigen Nationalspieler diesmal eine Auszeit. Dribbelte sich kurz vor Schluss durch die Hertha-Abwehr. Seinen Querpass konnte Marcel Sabitzer allerdings nicht mehr verwerten. Solides Cameo. 3,0.

Paul Wanner: Eine der letzten Amtshandlungen von Hermann Gerland soll gewesen sein, den Vereinsverantwortlichen des FC Bayern klarzumachen, dass Paul Wanner dasselbe Potential wie Jamal Musiala besitzt. Bei der Heimniederlage gegen Gladbach am 18. Spieltag (1:2) konnte man einiges davon sehen. In Köln und jetzt Berlin erneut eingewechselt. Das allein ist schon mal kein allzu schlechtes Zeichen für einen 16-Jährigen. 3,0.

Julian Nagelsmann: Stellte die Seinen optimal auf die Partie ein. Der FC Bayern kam von Beginn an nicht nur mit einem Messer, sondern einer Machete zwischen den Zähnen aus der Kabine. Zu keinem Zeitpunkt ließen sie die Hertha auch nur ansatzweise ins Spiel kommen. Angesichts von 30:5 Torschüssen und 19:2 aufs Tor fällt der 4:1-Erfolg fast noch zu niedrig aus. Die vergangenen beiden Spiele und 8:1-Tore zeigen klar, dass der FC Bayern auch 2022 viel vor hat. In dieser Form dürften auch einige Mannschaften in der Königsklasse große Probleme mit den Münchenern bekommen. 2,0.

 

Bastian Dankert: Souveräne Spielleitung in einer einseitigen Partie. Erkannte Tolisso und Sané jeweils einen Treffer ab und das vollkommen zurecht. Ansonsten machten ihm die Mannschaften die Arbeit nicht allzu schwer. 2,0.

Spielnote: Wenn man es nicht gerade mit der Hertha hält, waren es durchaus unterhaltsame 90 Minuten. Der FC Bayern kombinierte sich ein ums andere Mal sehenswert in allerhöchstem Tempo in den Strafraum der Berliner, ließ es allerdings zu oft am Abschluss mangeln. Hertha setzte ab und zu Nadelstiche und belohnte sich mit einer ansehnlichen Direktabnahme von Jurgen Ekkelenkamp. Ein einseitiges Spektakel. Aber lieber so, als gar kein Spektakel. 2,5.

Photo by Maja Hitij/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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