Enzo Fernández für bis zu 150 Millionen Euro, Morgan Rogers für 138, Bradley Barcola für 135, Elliot Anderson für 135. Neun der zehn teuersten Transfers dieses Sommers wurden in England abgeschlossen. Der zehnte war Yan Diomande, von Leipzig nach Madrid, 125 Millionen. Und das ist die ganze Debatte in einer Liste: Die Bundesliga taucht in den Rekorden auf – als Verkäufer.
Die Zahlen lügen nicht
| Liga | Ausgaben | Einnahmen | Saldo |
|---|---|---|---|
| Premier League | 3,77 Mrd. € | 2,33 Mrd. € | –1,44 Mrd. € |
| Serie A | 1,16 Mrd. € | ca. 0,72 Mrd. € | –442 Mio. € |
| Bundesliga | 782 Mio. € | 795 Mio. € | +13 Mio. € |
| Ligue 1 | 605 Mio. € | 1,27 Mrd. € | +669 Mio. € |
Quelle: transfermarkt.de via SPOX, Stand 1.9., 23 Uhr
Fünfmal so viel Ausgaben in England. 1,44 Milliarden Defizit dort, 13 Millionen Überschuss hier. Die Premier League hat im Sommer 2021 noch 1,13 Milliarden Pfund ausgegeben; fünf Jahre später sind es 3,46 Milliarden Pfund, ein Rekord auf den Rekord des Vorjahres. Rund 38 Prozent der Transfers liefen innerhalb der Liga – Klubs kaufen sich gegenseitig für 50 Millionen Euro Spieler ab, die keine Stars sind. Manchester City allein: 458 Millionen Pfund. Chelsea: 349. Tottenham, im Mai fast abgestiegen: 303.
„Verkaufsliga“ – das Wort stimmt, die Empörung nicht
Ja, die Bundesliga verkauft. Diomande für 125 Millionen. Palacios für 22,5 plus Boni nach Ipswich. Der teuerste Einkauf eines deutschen Klubs waren Nathaniel Brown und Ismael Saibari für Bayern, jeweils rund 50 Millionen – in England ein Aufsteiger-Budget. Aber wer „Ausverkauf“ ruft, sollte auf die Ligue 1 schauen: 669 Millionen Überschuss, mehr als das Doppelte der Bundesliga-Einnahmen. Frankreich ist die eigentliche Verkaufsliga Europas. Deutschland ist die Liga, die verkauft, um nicht kaufen zu müssen.
Die Frage ist also nicht, ob die Bundesliga verkauft. Die Frage ist, ob sie sich das Modell ausgesucht hat – oder ob es sie ausgesucht hat. Die Antwort liegt im Fernsehvertrag: Die Premier League schüttet jährlich mehr als 3,5 Milliarden Euro an ihre Klubs aus. Die Bundesliga kam in der vergangenen Saison auf rund 218 Millionen Euro aus internationalen TV-Verträgen – ein Bruchteil. Man kann bei diesem Verhältnis nicht mithalten. Man kann nur entscheiden, wie man verliert.
Hamanns „wilder Westen“ – und was daran stimmt
Dietmar Hamann nannte die englischen Ausgaben bei RTL/Sky „der wilde Westen, das ist ungerecht“ und forderte Chancengleichheit als Bedingung für Wettbewerb. Der Einwand ist berechtigt und trotzdem hilflos. Chancengleichheit gab es im europäischen Fußball nie; es gab nur verschiedene Grade von Ungleichheit. Neu ist die Dimension: Wenn 20 Klubs einer Liga 1,44 Milliarden Euro Verlust in einem Sommer verkraften, dann ist das keine Marktverzerrung mehr, dann ist es ein anderer Markt.
Das Wort „ungerecht“ verdeckt aber die interessantere Frage: Ist die englische Ausgabenwut überhaupt effizient? Ipswich, Coventry und Hull haben als Aufsteiger mehr als 400 Millionen Pfund investiert. Tottenham hat 303 Millionen ausgegeben und war fast abgestiegen. Geld gewinnt Titel, das ist belegt. Aber es gewinnt sie nicht linear.
Haben deutsche Klubs international keine Chance mehr?
Die ehrliche Antwort: Sie haben eine kleinere. Bayern hat den Pokal geholt und gibt 50 Millionen pro Toptransfer aus – das reicht, um in Europa mitzuspielen, solange der Kader nicht jedes Jahr auf dem Transfermarkt ausblutet. Für den Rest der Liga gilt: Ein Diomande wird verkauft, bevor er ein Champions-League-Viertelfinale entscheiden kann. Das ist die strukturelle Decke. Sie liegt nicht bei null, aber sie liegt tief.
Was die Bundesliga hat, ist ein Geschäftsmodell, das ohne Investoren-Defizite funktioniert. Was ihr fehlt, ist die Fähigkeit, ihre besten Spieler länger als zwei Jahre zu halten. Beides ist derselbe Sachverhalt aus zwei Richtungen betrachtet. Man kann sich für den Blick entscheiden. Am Verhältnis 3,77 zu 0,78 ändert der Blick nichts.
Solvent oder abgehängt – die Liga muss sich entscheiden, was sie sein will
Die Premier League hat einen Wettbewerb gebaut, in dem sich Ungleichheit selbst finanziert. Die Bundesliga hat einen gebaut, in dem Gleichheit sich selbst begrenzt. Beide Modelle funktionieren – nur nicht im selben Turnier. Wer im Mai über deutsche Klubs in der Champions League klagt, sollte im September nachsehen, wer verkauft hat. Es waren dieselben.
Häufige Fragen
Wie viel hat die Premier League im Sommer 2026 ausgegeben?
Laut transfermarkt.de rund 3,77 Milliarden Euro bei 2,33 Milliarden Einnahmen – ein Minus von 1,44 Milliarden. Die dpa/APA nennt 3,46 Milliarden Pfund (rund 4,04 Milliarden Euro); die Abweichung erklärt sich durch unterschiedliche Erfassungsmethoden und Boni-Berechnung.
Wie viel hat die Bundesliga ausgegeben?
Rund 782 Millionen Euro bei 795 Millionen Einnahmen, also ein leichter Überschuss von etwa 13 Millionen Euro.
Welches war der teuerste Bundesliga-Abgang?
Yan Diomande wechselte für 125 Millionen Euro von RB Leipzig zu Real Madrid – der einzige Nicht-Premier-League-Transfer unter den zehn teuersten des Sommers.
Welches war der teuerste Bundesliga-Zugang?
Bayern München zahlte für Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt) und Ismael Saibari (PSV) jeweils rund 50 Millionen Euro.
Woher kommt die finanzielle Lücke?
Vor allem aus TV-Erlösen: Die Premier League schüttet jährlich über 3,5 Milliarden Euro an ihre Klubs aus, die Bundesliga erzielte in der Saison 2025/26 rund 218 Millionen Euro aus internationalen TV-Verträgen. Hinzu kommen mehrheitlich ausländische Investoren als Eigentümer in England.

