SV Werner Bremen: Mit Höchstgeschwindigkeit und Dreierkette an die Spitze – und darüber hinaus?

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Spotlight | 1:1 trennten sich Werder Bremen und der FC Ingolstadt vergangenes Wochenende. Damit ist Ole Werners Siegesserie zwar gerissen, die Mission Wiederaufstieg dafür in vollem Gange.

Das Ende von Anfang als Anfang der Trendwende in Bremen

Nach einem direkten Wiederaufstieg sah an der Weser noch zu Beginn der Saison nicht viel aus. Zu inkonstant agierte die Mannschaft. Auf zwei ungeschlagene Spiele zum Saisonauftakt folgte der Knockout in der ersten Runde des DFB-Pokals in Osnabrück, bevor es ein 1:4 gegen Paderborn setzte. In genau diesem Rhythmus ging es weiter. 3:0 in Ingolstadt, 0:2 gegen den HSV, 0:3 in Dresden, 3:0 gegen Heidenheim, 0:3 in Darmstadt. Entweder grün-weiß oder schwarz-weiß. Dazwischen gab es für Werder Bremen meistens nicht viel.

 



 

Dazu kam, dass der Verein – wie für Absteiger üblich – gezwungen war, eine Reihe an Leistungsträgern zu ersetzen. Josh Sargent und Milot Rashica zog es beide nach Norwich, 20,5 Millionen Euro nahm Werder für sie ein. Maximilian Eggestein ging für fünf Millionen Euro nach Freiburg, eine Million Euro ließ sich Union Berlin Kevin Möhwald kosten und Ludwig Augustinsson schloss sich für fünf Millionen Euro dem FC Sevilla an.

Im Gegenzug wurde Lars Lukas Mai vom FC Bayern ausgeliehen, der bereits in Darmstadt Stammspieler unter Markus Anfang war, Mitchell Weiser kam ebenfalls leihweise aus Leverkusen. Der wichtigste Transfer war allerdings einer für die Offensive: Marvin Ducksch. 3,5 Millionen Euro überwies Werder nach Hannover. Am 1. Spieltag hatte Ducksch im 96-Trikot bereits für einen doppelten Bremer Punktverlust gesorgt.

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Die Dreierkette als Werners Erfolgsrezept

Neben den Problemen auf dem Platz kam Anfang November jedoch noch ein viel größeres: Der – inzwischen nicht mehr unumstrittene – Markus Anfang stand im Verdacht, seinen Impfpass gefälscht zu haben. Am 20. November, wenige Stunden vor dem Absteigerduell gegen Schalke (1:1), trat Anfang schließlich zurück. Zu Beginn des Jahres gab er die Fälschung im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegenüber der Staatsanwaltschaft zu. Als Begründung nannte er Angst vor Komplikationen nach der Impfung. Im April 2019 erlitt Anfangs Vater einen Herzinfarkt. Herzmuskel, beziehungsweise, -beutelentzündungen gelten als seltene Nebenwirkung von mRNA-Vakzinen. Anfang wurde daraufhin rückwirkend ab dem 20. November für ein Jahr gesperrt und musste 20.000 Euro an das Sportgericht des DFB zahlen und weitere 36.000 Euro an die Stadt Bremen.

Nichtsdestotrotz brauchte Werder nun einen neuen Trainer. Die Wahl fiel auf Ole Werner, der nach einem suboptimalen Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten sieben Spielen bei Holstein Kiel zurückgetreten war. Noch vor Jahresfrist orchestrierte er den Sensationserfolg im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern.

Sein erste und größte Amtshandlung: Die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette in einem 3-3-2-2 mit Marco Friedl, Ömer Toprak und Miloš Veljković, Christian Groß im Mittelfeld sowie der klaren Doppelspitze aus Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch.

Photo by Joern Pollex/Getty Images

Im ersten Spiel ging es gegen Abstiegskandidat Erzgebirge Aue und die Veränderungen machten sich sofort bezahlt. Veljković traf artistisch per Scorpion Kick zum zwischenzeitlichen 2:0. Nach der Pause erhöhten Ducksch und Füllkrug binnen vier Minuten zum 4:0-Endstand. Ab hier zeigte Bremen, dass sie nicht nur deutlich gewinnen können, wie in Hannover (4:1, auch diesmal traf Ducksch zur Führung). Bremen gewann auch die knappen Spiele: 3:2 in Regensburg, 4:3 in Paderborn oder 2:1 gegen Karlsruhe sowie in Rostock.

So arbeitete sich der Verein Stück für Stück voran. Siebenmal in Folge konnte Werder gewinnen und sammelte in diesem Zeitraum mehr Punkte (21), als in den vorhergehenden 15 Spielen zusammen (20). Es hat etwas leicht ironisches, dass es kein Sieg, sondern letztlich ein Remis war, mit dem Bremen die Tabellenführung übernahm, weil St. Pauli einen Tag später eine herbe 0:3-Heimniederlage gegen Hannover einstecken musste.

Am Sonntagmittag geht es nun nach Hamburg. Das Hinspiel gewann der HSV in Bremen 2:0. Besonders kontrovers wurde es dabei Mitte der ersten Hälfte, als Marvin Ducksch per Freistoß zum zwischenzeitlichen 1:1 traf, dieses Tor aber nicht zählte, weil Mitchell Weiser sich verbotenerweise in der gegnerischen Mauer aufhielt. Eine Revanche würde Bremen einen Schritt näher bringen an das, wonach noch zu Saisonbeginn nicht viel aussah: den direkten Wiederaufstieg.

Photo by Joern Pollex/Getty Images

Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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