Bundesliga | Nagelsmann fast makellos, Kohfeldts schwere Mission – die Halbjahreszeugnisse der neuen Trainer

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Spotlight | Die Hälfte der Bundesliga-Saison 2021/22 ist in den Büchern. Acht Mannschaften wechselten im Sommer den Trainer. Zeit, einen Blick darauf zu werfen, wie sie sich geschlagen haben.

Nagelsmann, Glasner und Baumgart überzeugen, Marsch fällt ab

Der FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt sowie der 1. FC Köln mussten sich im Sommer nach einem neuen Übungsleiter umsehen. Teilweise kam es zu kuriosen Rochaden innerhalb der Bundesliga. Die Halbjahreszeugnisse der neuen Trainer.

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Julian Nagelsmann (FC Bayern)

Mit seiner Ankündigung, den FC Bayern zum Ende der Saison 2020/21 verlassen zu wollen, setzte Hansi Flick (56) das Trainerkarussell maßgeblich in Gang. Julian Nagelsmann kam für ihn aus Leipzig – und mit ihm, viele Fragen. Ist er dem Münchener Starensemble mit seinen 34 Jahren wirklich gewachsen? Wie werden die Spieler darauf reagieren, dass ihr Trainer jünger als Kapitän Manuel Neuer (35) ist?

Die Antwort: Optimal. Zu Weihnachten ist der FC Bayern voll auf Kurs. In der Bundesliga haben sich die Münchener die Herbstmeisterschaft souverän gesichert und stehen neun Punkte vor dem BVB, international sind sie mit 18 Zählern makellos. Der einzige Fleck auf der ansonsten blitzsauberen Münchener Weste ist das 0:5-Pokalaus in Mönchengladbach. Damals war Nagelsmann selbst allerdings in Quarantäne, konnte die wilde Gladbacher Anfangsphase nicht von der Seitenlinie aus durchbrechen.

Bundesliga FC Bayern Nagelsmann

Photo by Matthias Hangst/Getty Images

Darüber hinaus lebt er jeden Tag den Ehrgeiz und das Mia San Mia des Klubs vor. So gelang es ihm, die Mannschaft vom ersten Tag an mit ins Boot zu holen und Spieler individuell zu verbessern. Leroy Sané (25) blüht in seiner Hybridrolle zwischen zehn und linkem Flügel auf. Auch Kingsley Coman wirkt wesentlich entschlossener und geradliniger in seinen Aktionen. So entschlossen und geradlinig, dass inzwischen auch eine Vertragsverlängerung nicht mehr ausgeschlossen scheint. Marc Roca (25), unter Flick noch gänzlich außen vor, nutzte die Abwesenheit Leon Goretzkas (26) und Joshua Kimmichs (26) um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Jamal Musiala (18) überzeugte nicht nur auf dem Flügel sowie im offensiven Mittelfeld, sondern auch als Sechser.

Sogar abseits des Fußballs, in der Thematik um die ungeimpften Spieler innerhalb der Mannschaft sowie nach der chaotischen Jahreshauptversammlung, bewährte sich Nagelsmann durch geschickte Kommunikation nach innen wie außen als Krisenmanager.

Kurzum: Der FC Bayern ist das Risiko mit Julian Nagelsmann eingegangen – und wurde vollends belohnt. Nagelsmann baut auf der Arbeit von Hansi Flick auf, macht die Mannschaft gleichzeizig aber auch unberechenbarer und hält sie bislang an Europas Spitze.

Note: 1,0

Jesse Marsch (RB Leipzig, bis 05.12.2021)

Nagelsmanns Nachfolger in Leipzig wurde ein alter Bekannter: Jesse Marsch (48), 2018/19 noch Co-Trainer von Ralf Rangnick (63). Mehr „Back to the roots“, eine Rückkehr zum Vollgas-RB-Fußball.

Doch schon früh in der Saison wurde ersichtlich, dass Marsch und RB Leipzig nur bedingt zueinanderpassen. Nach vier Niederlagen aus den ersten fünf Pflichtspielen mit zwölf Gegentoren musste der amtierende Vizemeister das Feld von hinten aufrollen. Wenngleich sich die Mannschaft im Oktober und November etwas zu fangen schien, unter anderem Borussia Dortmund zuhause 2:1 besiegte, gab es pünktlich zum Winteranbruch den Ergebniseinbruch. 0:2 in Sinsheim, 1:3 gegen Leverkusen, 1:2 an der alten Försterei. Zu diesem Zeitpunkt stellte auch Jesse Marsch selbst öffentlich die Frage, ob er denn überhaupt der richtige Trainer für diesen Kader sei.

Geschäftsführer Oliver Mintzlaff (46) beantwortete sie mit der ersten Leipziger Trainerentlassung seit Alexander Zorniger (54) 2015.

Es wurde offensichtlich, dass der Kader, den Nagelsmann hinterließ, nach mehr lechzt, als Vollgas-Pressingfußball. Die Rechnung mag noch mit einer jungen Salzburger Mannschaft aufgegangen sein. Auf diesem Niveau war der Ansatz von Marsch – in Tateinheit mit einer zu hohen Anzahl an Gegentoren, die letztendlich dafür verantwortlich waren, dass man das Champions-League-Achtelfinale verpasste – jedoch zu wenig.

Note: 5,0

Domenico Tedesco (RB Leipzig)

Domenico Tedesco (36) hieß Leipzigs Auserwählter. Im Mai gingen er und Spartak Moskau getrennte Wege. Sieben Monate später hat der Ex-Schalker einen zweiten Bundesligaverein in der Vita stehen.

Sein Beginn am Cottaweg: Vielversprechend. 4:1 gewann Tedesco zum Einstand gegen Borussia Mönchengladbach. Vor allem die Offensivbilanz mit 19 Torschüssen und zehn aufs Tor konnte sich sehen lassen. Jedoch musste auch Tedesco feststellen, dass die Leipziger Probleme durch Handauflegen allein nicht gelöst sind. In den kommenden Partien ging es die fußballerische Tonleiter hinunter. Auf den Sieg gegen die Borussia folgte ein Unentschieden in Augsburg (1:1) sowie die überraschende 0:2-Niederlage gegen zehn Bielefelder.

Am 2. Januar erwatet Tedesco die Seinen wieder zurück, sodass sie sich über die kommende Woche auf das erste Pflichtspiel des Jahres gegen Mainz 05 vorbereiten können. Zeit, die sowohl Mannschaft, als auch Trainer dringend brauchen, um zueinander zu finden. Der Plan mit Tedesco ist nachvollziehbar. Jetzt gilt es nur noch, ihn mit Leben zu füllen.

Note: 3,5

Marco Rose (Borussia Dortmund)

„Nach Dortmund passt Arbeiterfußball“. Mit diesen Worten stellte sich Marco Rose (45) als neuer BVB-Trainer vor. Zur Winterpause muss man festhalten, dass seine Mannschaft und er das Ganze etwas zu wörtlich genommen zu haben scheinen. Borussia Dortmund in der Saison 2021/22 definiert sich eher über Ergebnisse, denn Erlebnisse. Jeder Sieg ist hart erkämpft, auch gegen vermeintlich kleinere Gegner. Entspannungsphasen sind während der Partie kaum vorhanden.

„Das war schwere Kost, wie schon die gesamte Saison. Das hat mit Fußball nichts zu tun“, meinte Sky-Experte Didi Hamann (48) nach dem mühevollen 3:0 gegen Greuther Fürth. Ganz unrecht hat er nicht, was vor allem international ersichtlich wurde. Ajax zeigte den Dortmundern zweimal klar die Grenzen auf (4:0, 3:1). Gleiches trifft auf Sporting (3:1) zu. So findet sich der BVB trotz zwei Siegen aus den ersten beiden Champions-League-Spielen kommendes Jahr in der Europa League wieder.

 



 

Spielerisch hat Dortmund im Vergleich zur Zeit unter Edin Terzic (39) phasenweise einen Rückschritt gemacht. Die Mannschaft wirkt bei Weitem nicht mehr so kompakt und griffig. Immer wieder schleichen sich individuelle Fehler ein, die zu Gegentoren führen. Die ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit in Berlin sind symptomatisch. Statt auf der 1:0-Führung aufzubauen lässt man eine Hertha, die in dieser Spielzeit durchaus bieder wirkte nicht eines, nicht zwei, sondern gleich drei Tore erzielen. Das haben außer dem BVB bislang nur der VfL Bochum sowie Preußen Münster (je 1:3) geschafft.

Im Anschluss an die Partie hielt Rose einen flammenden Appell. Zu wenig „bedingungslosen Fußball“ habe er gesehen, zudem kritisierte Rose die Haltung seiner Mannschaft. Jeder müsse erkennen können, dass Borussia Dortmund in Berlin gewinnen will. Zusammen mit dem 1:1 in Bochum war das der Patzer, der den BVB aus dem Titelrennen befördert hat. Rose gebührt Anerkennung dafür, dass er national solche Auftritte auf ein Minimum reduzieren konnte. Wenn es jetzt noch gelingt, etwas mehr Sicherheit und Souveränität ins eigene Spiel zu bringen, könnte es zumindest in den Pokalwettbewerben noch weit gehen. Zudem hat Rose in der Rückrunde den Kader aller Voraussicht nach wieder deutlich eher komplett zur Verfügung.

Note: 3,0 (mit guten Tendenzen)

Adi Hütter (Borussia Mönchengladbach)

Da Rose nach Dortmund ging, waren es nun die Gladbacher, die ohne Trainer dastanden und sich deshalb in Frankfurt bedienten. Die Amtszeit von Adi Hütter (51) am Niederrhein begann relativ vielversprechend. In der ersten Runde des DFB-Pokals gewann man 1:0 am Betzenberg. Zudem trotzte Gladbach am 1. Spieltag dem FC Bayern ein 1:1 ab.

Allein, Konstanz bekamen sie nicht in ihre Lesistungen. Wann immer man das Gefühl bekommen konnte, der Knoten sei geplatzt, torpedierte die Borussia ihre guten Leistungen der Vorwoche mit Punktverlusten. Auf das 1:1 folgte ein 0:4 in Leverkusen. Nach Siegen gegen Dortmund (1:0) und in Wolfsburg (3:1) gab es ein 1:1 gegen den VfB Stuttgart sowie eine 0:1-Niederlage in Berlin.

Sogar der 5:0-Erfolg gegen den Rekordmeister vermochte die Lage nur kurzzeitig zu verbessern. Zuletzt gab es vier – teils heftige – Niederlagen am Stück. Mit einem weiteren 1:1 in Hoffenheim konnte die Serie zumindest gestoppt werden, wenngleich die Leistung an sich auch in dieser Partie zu wünschen übrig ließ. Mit sechs Paraden hielt Yann Sommer (33) den Punkt praktisch im Alleingang fest.

Wie von Max Eberl (48) gewohnt, bewahrte er auch in dieser Situation die Ruhe. Eine Entlassung Hütters war trotz der Negativserie nie ein Thema. Schließlich haben die Gladbacher auch das ein oder andere Mal in dieser Spielzeit bewiesen, dass sie Spitzenleistungen bringen können. Außerdem gelang es Hütter mit Luca Netz (18), Joe Scally (18) oder Manu Koné (20) drei Youngster erfolgreich in der Mannschaft zu etablieren. Jonas Hofmann (29) hat ebenfalls einen Schritt nach vorne gemacht und ist inzwischen auch bei Hansi Flick auf der rechten Seite gesetzt.

Zum Rückrundenstart geht es nach München, bevor Borussia Mönchengladbach Bayer Leverkusen empfängt. Die Winterpause kommt daher genau zum richtigen Zeitpunkt, um die in weiten Teilen missratene Hinrunde vergessen zu können.

Note: 4,0

Oliver Glasner (Eintracht Frankfurt)

Es hatte bisweilen den Eindruck, als wollen die Bundesligavereine „Reise nach Jerusalem“ spielen. Diesmal war es die Eintracht, für die kein Stuhl übrigblieb. Auf der Suche nach einem neuen Trainer wurde man in Wolfsburg fündig. Oliver Glasner (47), der mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke (57) bisweilen ein kompliziertes Verhältnis pflegte, zog selbst die Reißleine und wechselte an den Main.

Die Aufgabe war eine denkbar schwierige. Neben Hütter gingen im Sommer auch Sportvorstand Fredi Bobic (50), Sportdirektor Bruno Hübner (60) sowie Toptorjäger André Silva (26). Innerhalb des Vereins musste also viel neu zusammenwachsen. Wenig überraschend brauchte die Eintracht dafür Zeit. Erst am 7. Spieltag gab es Saisonsieg Nummer eins – und den gleich in München (2:1). Dabei nahm Glasner eine wesentliche Änderung vor: Nachdem er anfangs versuchte, sein 4-2-3-1 aus Wolfsburg zu spiegeln, mit Sam Lammers (24) in der Spitze, ähnlich zu Wout Weghorst (29), ließ er in der Allianz Arena in einem 3-4-3 spielen. Und siehe da: Die Eintracht ist wieder die Eintracht.

Bundesliga Eintracht Frankfurt Glasner

Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Im November holten sich die Frankfurter mit einer Reihe von Last-Minute-Erfolgen das nötige Selbstvertrauen. Spätestens seit dem fulminanten 5:2 gegen Bayer Leverkusen kann man sagen, dass Glasner und die Eintracht endgültig zueinandergefunden haben. Jesper Lindstrøm (21) blüht neben Daichi Kamada (25) auf der Doppelzehn auf. Vorne bringt Rafael Santos Borré (26) zwar nicht die Wucht von André Silva mit, dafür mehr Unberechenbarkeit und spielerische Finesse. Und auf der linken Seite treibt nach wie vor Filip Kostić (29) sein Unwesen, sorgt mit perfekten Flanken für Unordnung in der gegnerischen Defensive.

Eine Niederlage musste Frankfurt lediglich aus den letzten elf Pflichtspielen einstecken, das 2:3 in Sinsheim. In der Bundesliga steht man inzwischen auf Platz 6, in der Europa League sicherte man sich den Gruppensieg vor Olympiakos, Fenerbahçe sowie Royal Antwerp. Dafür, dass Glasner im Sommer viel neu aufbauen musste, sind die Ergebnisse zur Winterpause äußerst vielversprechend.

Note: 1,5 (Der Serie sei Dank!)

Mark van Bommel (VfL Wolfsburg, bis 24.10.2021)

Beim VfL Wolfsburg endete die bundesligainterne Trainerrochade. Denn sie verpflichteten den wahrscheinlich größten Namen: Mark Peter Gertruda Andreas van Bommel (44). Als Spieler gewann der Niederländer mit dem FC Barcelona 2006 die Champions League, stand mit dem FC Bayern vier Jahre später im Finale, genauso wie mit der niederländischen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika.

Nach dem Abgang von Hansi Flick war van Bommel der einzige Trainer, der wusste, wie die Meisterschale anfühlt. Eine Liaison, die von Beginn an vielversprechend klang. Und tatsächlich: Nach vier Spieltagen stand Wolfsburg verlustpunktfrei an der Tabellenspitze, besiegte unter anderem RB Leipzig 1:0.

Sollte dem FC Bayern aus dem Nichts ein weiterer Konkurrent erwachsen? Nicht wirklich. Denn das 2:0 in Fürth war der letzte Sieg der kurzen Ära van Bommel. Nach acht sieglosen Pflichtspielen in Folge entschied sich der Verein für eine Entlassung.

Sowohl an der Seitenlinie, als auch in den Interviews wirkte van Bommel sichtlich ratlos. Zudem war – trotz der Ergebnisse – in den Spielen selbst kaum eine Leistungssteigerung zu erkennen. On top kam noch der Wechselfehler im DFB-Pokal. Als auch noch die Champions League begann, wurde van Bommel gewogen und – trotz großer Spielerkarriere – vorerst für zu leicht befunden.

Note: 5,0

Florian Kohfeldt (VfL Wolfsburg)

Für Florian Kohfeldt (39) muss die Anstellung beim VfL Wolfsburg ein ziemliches Wechselbad gewesen sein. Kämpfte er Monate zuvor noch mit Werder Bremen gegen den Abstieg, durfte er nun erstmals in seiner noch jungen Trainerkarriere Königsklassenluft schnuppern.

Mit drei Siegen in Folge begann die Amtszeit von Kohfeldt genauso vielversprechend wie die van Bommels. Danach allerdings setzte es erneut acht sieglose Spiele am Stück und erstmals seit dem Aufstieg 1997 sieben Niederlagen in Folge, darunter auch ein 1:3 gegen Lille, das das Aus in der Champions League bedeutete.

Anders als bei van Bommel hält die Vereinsspitze jedoch an Kohfeldt fest, im besten Wissen, dass er kaum Zeit hatte, um in Ruhe mit der Mannschaft zu arbeiten. Trotz der Ergebnisse waren in den Spielen Aufwärtstendenzen zu erkennen. In der ersten Halbzeit gegen Borussia Dortmund erarbeitete man sich eine Reihe von guten Torchancen, in München wusste man diese größtenteils zu verhindern. Gegen den 1. FC Köln bewies Wolfsburg durchaus Resilienz, als sie zweimal in Führung gingen. Zudem beweist Kohfeldt Empathie, nimmt seine Mannschaft öffentlich immer wieder in Schutz und versucht, die positiven Dinge herauszustellen und daruf aufzubauen.

Schon am 29. Dezember geht es am Allerkanal weiter. Der Rückrundenauftakt hält mit Bochum und der Hertha zwei Gegner bereit, gegen die sich Wolfsburg wieder nach oben arbeiten kann. Trotzdem darf das nicht über die aktuelle Serie hinwegtäuschen. Wolfsburg hat in der Rückrunde viel Nachholbedarf.

Note: 4,0

Gerardo Seoane (Bayer Leverkusen)

Der einzige neue Trainer, der sich seinen aktuellen Arbeitsplatz gewissermaßen selbst geschaffen hat. Im Sechzehntelfinale der Europa League kegelte Gerardo Seoane (43) die Werkself mit den Young Boys aus dem Wettbewerb (4:3, 2:0).

Bis auf einige Ausnahmen hat Leverkusen eine mehr als nur solide Hinrunde gespielt, steht zu Weihnachten auf Platz 4. Das Saisonziel Champions-League-Qualifikation wäre damit erreicht. In der Europa League sicherte sich Leverkusen den Gruppensieg vor Real Betis, Celtic sowie Peter Stögers Ferencváros. Auch der Fußball, den Seoane spielen lässt, kann sich sehen lassen: schnell, jung, dynamisch, unberechenbar. Spieler wie Florian Wirtz (18) oder Patrik Schick (25) machten unter Seoane deutliche Fortschritte und nehmen seit geraumer Zeit Führungsrollen ein.

Bundesliga Seoane Leverkusen

Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images

Doch wie das mit jungen Mannschaften so ist, unterliegen sie immer wieder unerklärlichen Leistungsschwankungen. Trotz fünf Pflichtspielsiegen in Folge und der Chance auf die Tabellenführung implodierte Bayer gegen den FC Bayern binnen sieben Minuten komplett und lag schon zur Pause 0:5 zurück. Dortmund unterlag man nach dreifacher Führung 3:4. Zudem gab es noch das Pokalaus gegen den KSC (1:2) und eine 2:5-Niederlage in Frankfurt, nachdem Leverkusen bereits 2:0 führte. In die Winterpause verabschiedete man sich mit einem 1:2 in Freiburg.

Für die Rückrunde liegt also noch genug auf dem To-Do-Stapel. Der Anfang ist mit einem Heimspiel gegen Union Berlin sowie der Auswärtspartie in Gladbach durchaus anspruchsvoll.

Note: 2,5

Tayfun Korkut (Hertha BSC)

Als die Lage in Berlin festgefahren schien, kam Tayfun Korkut (47) für Pál Dárdai (45). Eine Personalie, die bei den Fans zunächst auf wenig Gegenliebe stieß, sich aber dennoch als Glücksgriff herausstellen könnte. Bei seinem Debüt in Stuttgart holte die Mannschaft ein 0:2 auf, gewann eine Woche später 2:0 gegen Bielefeld. Zuletzt setzte die Hertha mit dem 3:2 gegen Borussia Dortmund ein dickes Ausrufezeichen. Vor allem die ersten 25 Minuten der zweiten Hälfte waren Lehrmaterial, wie man es in der Hauptstadt für den Rest der Saison angehen lassen will und soll: Die Berliner spielten clever, suchten immer wieder die freien Räume auf den Außenbahnen und liefen den BVB extrem mutig, aber keineswegs leichtsinnig, an. So drehten sie ein 0:1 in ein 3:1.

Das Ganze, nachdem man erst wenige Tage zuvor 0:4 in Mainz unterlag. Resilienz hat Korkut den Seinen damit schonmal eingeimpft. Und damit einhergehend auch mehr Struktur. Besonders im 4-2-2-2 wusste die Hertha zu überzeugen, holte so beide Siege unter Korkut. Fürs Erste ein ordentlicher Beginn, auf dem sich gut aufbauen lässt.

Note: 3,0

Steffen Baumgart (1. FC Köln)

Wenn die eigenen Fans den neuen Trainer schon nach sechs Spielen ins Kanzleramt heben, dann weiß man, dass die Vereinsspitze mit der Verpflichtung goldrichtig lag. Steffen Baumgart (49) kommt mit seiner offenen, direkten, lebensfrohen Art in Köln perfekt an, genau wie der mutige, offensive Fußball, den er spielen lässt. Im Fanshop ist die Schiebermütze mit der Nummer 72 auf lange Sicht ausverkauft.

Zur Winterpause steht der 1. FC Köln auf Platz 8, zwei Zähler hinter einem Europapokalplatz. Zum Vergleich: Vergangene Saison um dieselbe Zeit stand man auf dem Relegationsplatz.

Bundesliga 1. FC Köln Baumgart

Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images

Baumgart hat die Mannschaft stabilisiert und ihr neues Leben eingehaucht. Symptomatisch dafür steht Anthony Modeste (33). Nach 17 Spielen hat der Franzose bereits elfmal getroffen. Dreimal in den letzten beiden Spielen. Nach schweren Jahren bei Tianjin Tianhai und der AS Saint-Étienne ist er nun wieder der Gamechanger, der er bereits 2016/17 unter Peter Stöger (55) war.

Aber auch das Mittelfeld mit Ellyes Skhiri (26), Salih Özcan (23) oder offensiv mit Dejan Ljubicic (24) sowie Ondrej Duda (27) wirkt wesentlich gefestigter. Den 4:1-Derbysieg gegen Gladbach erarbeiteten sie sich auch ohne Treffer von Modeste. Auch weil dieser durch Mark Uth (30) oder Sebastian Andersson (30) entlastet werden kann.

Zum Rückrundenauftakt geht es für den 1. FC Köln nach Berlin, bevor sie den FC Bayern empfangen. Selten zuvor konnte man eine zweite Saisonhälfte mit so viel Optimismus angehen.

Note: 2,0

Fazit

Acht Vereine haben im Sommer den Trainer gewechselt. Während es sich für den FC Bayern, Eintracht Frankfurt oder den 1. FC Köln voll ausgezahlt hat, mussten Leipzig und Wolfsburg bereits einen Trainerwechsel vornehmen. In beiden Fällen waren – trotz enttäuschender Ergebnisse in den letzten Partien Aufwärtstendenzen zu erkennen. Da das Mittelfeld eng beieinander liegt, können auch Wolfsburg oder Borussia Mönchengladbach mit einer Siegesserie noch den Anschluss nach oben schaffen. Das einzig bedauernswerte ist, dass Borussia Dortmund in Bochum und Berlin den Anschluss an den FC Bayern verloren hat – und ein Meisterrennen damit wohl einmal mehr auf die kommende Saison vertagt ist.

Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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