Bundesliga-Vorschau Teil 6: Freiburg, Stuttgart, Schalke 04

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Heute Abend startet die Bundesliga in ihre 60. Spielzeit. Im sechsten und letzten Teil unserer Vorschau beschäftigen wir uns mit dem SC Freiburg, dem VfB Stuttgart und Aufsteiger Schalke 04.

  • SC Freiburg: Wird die Dreifachbelastung zum Verhängnis?
  • VfB Stuttgart hofft auf eine ruhigere Saison
  • Viel Talent, wenig Erfahrung: Schalke im Umbruch zurück in der Bundesliga

Bundesliga-Vorschau Teil 1: FC Bayern, Hoffenheim, Hertha BSC

Bundesliga-Vorschau Teil 2: Borussia Dortmund, Mainz 05, Wolfsburg

Bundesliga-Vorschau Teil 3: RB Leipzig, 1. FC Köln, Werder Bremen

Bundesliga-Vorschau Teil 4: Leverkusen, Gladbach, FC Augsburg

Bundesliga-Vorschau Teil 5: FC Union, Eintracht Frankfurt, VfL Bochum

SC Freiburg

(letzte Saison: Platz 6)

Der SC Freiburg blickt auf eine in allen Belangen herausragende Saison zurück. Sie unterhielten mit mutigem Offensivfußball, waren zwischendurch sogar Bayern-Jäger, befanden sich auf Champions-League-Kurs. Am Ende sollte es die kleine Schwester der Königsklasse, die Europa League, werden. Das soll die stärkste Spielzeit seit 2000/01 aber nicht schmälern – im Gegenteil. Und dennoch: Große Erfolge haben immer ihren Preis. So verließ mit Nico Schlotterbeck (22) einer der zentralen Bausteine für den jüngsten Erfolg den Verein, zog eine Etage höher zu Borussia Dortmund. 

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In Matthias Ginter (28), der nach acht Jahren zum Sportclub zurückkehrt, hat man zwar einen mehr als soliden Nachfolger gefunden, ob der mittlerweile langjährige Nationalspieler „Schlotti“ eins zu eins ersetzen kann, darf jedoch bezweifelt werden. Gerade im Spielaufbau werden die Freiburger wohl Qualitätsverluste einbüßen müssen. Außerdem fehlt Trainer Christian Streich (57) ein starker Linksfuß in der Innenverteidigung. Dies könnte vor allem in Spielen mit Dreierkette problematisch werden, und die lässt Streich, je nach Gegner, bekanntlich gerne spielen. Keven Schlotterbeck (25) ist zwar Linksfuß, bringt jedoch noch nicht das nötige Bundesliga-Niveau mit, um eine ernsthafte Option für die Startelf zu sein. Möglich, dass die Freiburger hier nochmal auf dem Transfermarkt nachlegen.

Fehlende Breite im Mittelfeld, viele Optionen im Angriff

Eine weitere Baustelle ist das zentrale Mittelfeld. Die Doppelsechs aus Maximilian Eggestein (25) und Nicolas Höfler (32) hat sich in der vergangenen Spielzeit bewährt, dahinter wird es allerdings sehr dünn. Neben dem ohnehin verletzungsanfälligen Yannik Keitel (22) ist der aus der zweiten Mannschaft herangezogene Robert Wagner (19) die einzige Option. Gerade im Hinblick auf die Dreifachbelastung muss der Sportclub hier fast schon auf dem Transfermarkt aktiv werden. 

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die Angriffsreihe sieht dagegen sehr vielversprechend aus, in der Spitze wie in der Breite. Auf dem linken Flügel ist Vinzenco Grifo (29) gesetzt, der mit seinen technischen wie kreativen Qualitäten einmal mehr von enormer Wichtigkeit für das Freiburger Spiel sein wird. Rechts dürfte Robert Sallai (25) vorerst die meisten Minuten bekommen, Kevin Schade (20) muss nach langwieriger Verletzung erst langsam wieder in die Spur finden. Für die Zehn wurde mit Daniel-Kofi Kyereh (26) ein kreativer, technisch starker Spieler vom FC St. Pauli geholt, der mit starken Leistungen in der 2. Liga auf sich aufmerksam machte. Mit Woo-Yoeng Joeng (22) verfügt man darüber hinaus über einen flexibel einsetzbaren Spieler, auch Neuzugang Ritsu Doan (24) kann mehrere Positionen in der Offensive bekleiden, das Freiburger Spiel mit seinen starken Dribblings auf engem Raum bereichern.

Wie verkraftet Streich den Höler-Ausfall?

Bitter ist, dass Lucas Höler (28) mit einem Mittelfußbruch mehrere Monate fehlen wird. Mit Nils Petersen (33) und Neuzugang Michael Gregoritsch (28) hat man zwar durchaus Optionen für die Neun, Streich wird Höler aber insbesondere bei der Arbeit gegen den Ball schmerzlich vermissen. Die Nummer 9 der Freiburger ist mit seinem großen Arbeitsaufwand stets der Initiator im Offensivpressing, übt Druck auf die gegnerische Abwehrkette aus. Hier wird Streich wohl gezwungenermaßen Abstriche machen und auf ein tieferes Pressing setzen müssen. 

Ohnehin muss der 57-Jährige hinterfragen, ob seine Spielidee gegen den Ball den Spielern nicht einen Tick zu viel Intensität abverlangt. Zu viel insofern, als dass der Kader mit 28 Spielern – darunter viele aus der eigenen Jugend oder der zweiten Mannschaft – recht dünn ist für eine Mannschaft, die auf drei Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Auch, dass man nochmal auf dem Transfermarkt nachlegt und den Kader in der Breite stärkt, ist daher nicht ausgeschlossen.

Player to watch: Kevin Schade

Vergangenen Sommer aus der zweiten Mannschaft zu den Profis beordert, konnte Schade in der Bundesliga schnell Fuß fassen. Sein Debüt feierte der 20-Jährige bereits am zweiten Spieltag – und das gegen keine geringere Mannschaft als den BVB. Die große Bühne scheute ihn auch nicht davor, schnell seine Kernqualitäten zur Schau zu stellen. In 21 Saisoneinsätzen, davon sieben in der Startelf, erzielte Schade vier Tore.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Der in der Jugend von Babelsberg und Cottbus ausgebildete Offensivmann ragt durch sein Tempo heraus, ist für die Gegenspieler extrem schwer zu greifen. Zudem besticht er mit seinen 1,83 Metern durch eine gute Sprungkraft, ist zudem sehr kopfballstark. Nicht zuletzt deshalb kann der Offensivmann auch als Mittelstürmer eingesetzt werden. Seine Kernkompetenzen kommen auf dem Flügel aber am besten zum Tragen. In der vergangenen Saison wurde er hauptsächlich auf rechts eingesetzt, aufgrund seiner Beidfüßigkeit kann Streich ihn im Zweifel aber auch auf dem linken Flügel spielen lassen.

Mit seiner Variabilität, vielseitigen Attributen und einer gesunden Portion Unbekümmertheit ist Schade jetzt schon ein echter Gewinn für die Freiburger. Dass die ersten Vereine ihre Fühler ausgestreckt haben, ist daher wenig verwunderlich. Zuletzt soll Premier-League-Klub Brentford starkes Interesse am deutschen U21-Nationalspieler gezeigt haben, sogar ein Angebot über 15 Millionen Euro abgegeben haben, das Freiburg jedoch ablehnte. Nach einer langwierigen Bauchmuskelverletzung ist Schade im Moment noch nicht einsatzbereit, verpasst den Saisonstart. Sobald er wieder bei 100 Prozent ist, wird er aber eine Bereicherung für Mannschaft und Fans sein – und einer, den man unbedingt im Auge behalten sollte.

SC Freiburg 2022/23: Prognose

Eine der zentralen Fragen: Packen sie die Dreifachbelastung? Der SC Freiburg wäre beileibe nicht die erste Mannschaft, die am engen Terminkalender und den damit verbundenen Reisestrapazen leidet, am Ende vielleicht sogar daran zerbricht. Der SC hat einen kleinen Kader und gerade im Mittelfeldzentrum zu wenige Optionen, geht insofern ein gewisses Risiko ein. Außerdem hat man mit Nico Schlotterbeck seinen vielleicht wichtigsten Mann verloren, vorne fällt mit Höler eine zentrale Figur lange aus. Der Kader hat sich nominell also eher verschlechtert als verbessert. Mit dem Abstiegskampf wird man definitiv nichts zu tun haben, dafür ist die Mannschaft und das Konstrukt viel zu stark. Ob es erneut für Europa reicht, darf ob der genannten Umstände jedoch vorsichtig angezweifelt werden. Möglich ist es, realistischer aber ein Platz im oberen Mittelfeld. Und das weiß Streich, der traditionell kleine Brötchen backt, mutmaßlich ohnehin am besten.

VfB Stuttgart

(letzte Saison: 15. Platz)

Denkbar knapp konnte der VfB Stuttgart in der vergangenen Saison den Abstieg abwenden. Am 34. Spieltag brauchte es Schützenhilfe aus Dortmund, gleichzeitig musste im Heimspiel gegen Köln ein Dreier her. Am Ende gelang beides: Während der BVB in Minute 84 zum 2:1-Siegtreffer gegen die Hertha traf, besiegelte Kapitän Wataru Endo (29) in der Nachspielzeit mit seinem Kopfballtor zum 2:1 den Stuttgarter Klassenerhalt. Ein Tag, der viele VfB-Fans mächtig altern ließ. Es war das glückliche Ende einer Saison, in der die Schwaben wie kein zweites Team vom Verletzungspech geplagt wurden. Mit Sasa Kalajdzic (25) musste der vielleicht wichtigste Spieler der Mannschaft nahezu die gesamte Hinrunde zwangspausieren, kam auf lediglich 15 Saisoneinsätze. Dass – wäre er fit gewesen – mehr als sechs Saisontore bei ihm herausgesprungen wären, ist keine Atomphysik.

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(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Umso größer ist die Erleichterung bei allen Beteiligten, dass es dieses Jahr mit einem fitten Kalajdzic in die neue Spielzeit geht – vorausgesetzt, er bleibt. Ein Abgang noch in diesem Sommer ist nämlich nach wie vor eine Option. Hier sollte der VfB allerdings schnell Klarheit schaffen, damit die Transfererlöse direkt in den Kader reinvestiert werden können. Das wäre im Falle eines Abgangs nämlich notwenig. Zwar sind die Schwaben in der Offensive mit Chris Führich (24), Tiago Tomas (20), Silas (23), Neuzugang Juan Jose Perea (22) sowie einigen Youngsters talentiert und in der Breite gut besetzt, einen zweiten verlässlichen Torjäger gibt der Kader allerdings nicht her.

Mangala-Abgang reißt Lücke im Mittelfeld-Zentrum

Eine größere Baustelle befindet sich derweil im Mittelfeldzentrum. Endo hat eine starke Saison hinter sich, ist als absichernder Sechser vor der Abwehrkette gesetzt. Sein Nebenpart ist allerdings vakant. Hier war Orel Mangala (24) vergangene Saison gesetzt, den Leistungsträger zog es aber wie so viele Bundesliga-Spieler in diesem Sommer in die Premier League zu Aufsteiger Nottingham Forest. Atakan Karazor (25) verpasste aufgrund eines juristischen Prozesses gegen ihn nahezu die komplette Sommervorbereitung, wie es für ihn weitergeht, ist noch nicht klar. Dahinter fehlt es an Qualität. Denkbar ist daher, dass sich die Stuttgarter nochmal auf dem Transfermarkt umschauen.

Die Defensive steht

Dort war man bereits unter anderem in Persona Josha Vagnoman (21) erfolgreich. Mit ihm hat der VfB nun eine starke Option für die rechte Seite. Je nach dem, in welchem System Trainer Pellegrino Matarazzo (44) spielen lässt, kann der 21-Jährige als Rechtsverteidiger oder rechter Schienenspieler eingesetzt werden, für die offensivere Variante ist zudem Silas eine Option. Auf der linken Seite ist der von Topklubs umworbene Borna Sosa (24) fest gesetzt. Sollten er und sein kongenialer Partner Kalajdzic dem Verein treu bleiben, wird das Flankenspiel von der linken Seite erneut eine der ausgemachten Stärken der Schwaben sein.

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Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Hinten stehen mit Abwehrchef Konstantinos Mavropanos (24), Waldemar Anton (26) und Hiroki Ito (23) drei gestandene Innenverteidiger zur Verfügung, in Torhüter Florian Müller (24) zudem ein sicheren Rückhalt. Matarazzo verfolgt einen mutigen, offensiven Ansatz, ist dafür umso mehr auf eine verlässliche Defensive angewiesen. Alles in allem verfügt der VfB über einen soliden Kader, der in der Spitze zwar noch die ein oder andere Qualitätslücke vorweist, dafür jedoch jede Menge junges Blut und Talent hat. Noch mangelt es an Erfahrung und Führungsspielern in der Mannschaft, denkbar ist jedoch, dass der ein oder andere Spieler im Laufe der Saison in eine solche Rolle hineinwächst.

Player to watch: Tiago Tomas

Im Januar verpflichtete der VfB Tomas. Zunächst wurde mit Sporting CP eine halbjährige Leihe verhandelt, die nun um eine weitere Saison bis 2023 verlängert wurde. Der Portugiese sollte mehr Variabilität in den Angriff der Schwaben bringen, Matarazzo zusätzliche Optionen bieten. Und das tat er. Bereits in seinem zweiten Bundesliga-Spiel schnürte der 20-Jährige einen Doppelpack (2:4 in Leverkusen), machte Fußball-Deutschland erstmals in großem Stile auf sich aufmerksam. Im Verlauf der Rückrunde brachte er es auf 14 Einsätze, 13 davon in der Startelf, obendrauf kamen zwei weitere Treffer – für einen Spieler in seines Formates keine schlechte Ausbeute.

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(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Tomas besticht vor allem durch sein Tempo, ist zudem variabel einsetzbar. Mal spielt er als alleinige Spitze, ein anderes kommt er als Nebenmann von Kalajdzic mehr über den Flügel. Aus der Startelf ist der 1,80 Meter große Angreifer mittlerweile kaum noch wegzudenken. Sein Torinstinkt ist durchaus ausbaufähig, was in seinem Alter aber absolut normal ist. Auch in der neuen Saison wird er einer der zentralen Spieler sein, wenn es ums Toreschießen geht – erst recht, sollte Kalajdzic doch noch den Verein verlassen.

VfB Stuttgart 2022/23: Prognose

Nachdem die Nerven in der vergangenen Spielzeit bis zur letzten Sekunde auf die Zerreißprobe gestellt wurden, ist man beim VfB gut beraten, kleine Brötchen zu backen, was die sportliche Zielsetzung anbelangt. Für Stuttgart wird es in erster Linie darum gehen, die Klasse zu halten – diesmal wenn möglich etwas früher und souveräner als letzte Saison. In der Spitze weist der Kader zwar höchstens mittleres Bundesliga-Niveau vor, dafür hat man viel Talent und Potenzial in den eigenen Reihen. Spieler wie Führich oder Tomas können nach einer vielversprechenden Saison den nächsten Schritt machen und den Qualitätskern der Mannschaft um Mavropanos, Endo, Sosa und Kalajdzic erweitern. Wenn die einzelnen Rädchen ineinandergreifen, ist eine ruhigere Saison als die vorige auf jeden Fall im Rahmen des Möglichen. 

FC Schalke 04

(letzte Saison: 1. Platz – 2. Liga)

Der FC Schalke 04 als Bundesliga-Aufsteiger – für den deutschen Fußballfan ein ungewöhnliches und irgendwo auch ein Stück weit unrühmliches Bild. Der Abstieg 2021 war ein Resultat aus Überheblichkeit, sportlichem wie finanziellen Missleading und einer fragilen Vereinsstruktur. Doch man hat aus dem Absturz gelernt. Das Zweitliga-Jahr hat geholfen, auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Man schlug gezwungenermaßen einen anderen Weg ein, holte junge Spieler für wenig Geld, arbeitete perspektivischer. So befindet sich die Mannschaft auch nach dem Zweitliga-Ausflug noch immer in einem Umbruch. 

Moderieren wird das Ganze Frank Kramer (50), der seit diesem Sommer Cheftrainer auf Schalke ist und dem ruhmreichen Klub eine möglichst angenehme Landung in der Beletage ermöglichen soll. Vorrangiges Ziel ist der Klassenerhalt – auch auf Schalke hat man gelernt, kleine Brötchen zu backen. Dazu passt auch der Fußball, den Kramer sehen will: Defensive Kompaktheit, Intensität gegen den Ball, den Kampf auf dem Platz als Schlüssel zum Erfolg. Nach vorne soll es vor allem mit Tempo über Umschaltmomente gehen.

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(Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Zurück in der Bundesliga – mit Fragezeichen

Zwar ist die Art und Weise, wie Kramer spielen lässt, pragmatisch und könnte im Abstiegskampf von Vorteil sein, gleichzeitig darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich der 50-Jährige in der Vergangenheit kaum ausreichend auf Bundesliga-Niveau profilieren konnte. Seine letzte Station in Bielefeld endete nach knapp einem Jahr recht trostlos. Zudem lässt das vorhandene Spielermaterial Fragezeichen hinsichtlich Kramers Ausrichtung offen. Mit Zweitliga-Torschützenkönig Simon Terodde (34) und Sebastian Polter (31) hat Schalke zwei Stürmer, die stark über ihre physische Präsenz kommen und nicht die hausgemachten Tempo-Angreifer sind, die Kramer für seinen Ansatz eigentlich braucht. Immerhin: Mit Marius Bülter (29) steht Kramer eine etwas temporeichere Alternative zur Verfügung, gleiches gilt für Jordan Larsson (25), der von Spartak Moskau kommen soll. 

Auch in anderen Mannschaftsteilen sind die Königsblauen recht breit aufgestellt. Mit Ko Itakura (25) hat man seinen wichtigsten Innenverteidiger aus der Aufstiegssaison verloren, aufgefangen soll der Verlust von Malick Thiaw (20) und dem erfahrenen Neuzugang Maya Yoshida (33). Daneben hat man unter anderem mit Marcin Kaminski (30) eine Option, auch und gerade für die Dreierkette, die Kramer alternativ zum 4-4-2 oder 4-2-3-1 spielen lässt. Für die linke Abwehrseite konnte Leistungsträger Thomas Ouwejan (25) fest verpflichtet werden. Der Niederländer sammelte vergangene Zweitliga-Saison acht Vorlagen, schlägt gerne Flanken auf Terodde. Auf Schalke wird das ein Mittel der Wahl sein, wenn es darum geht, Tore zu erzielen. Für die rechte Seite konnte Cedric Brunner (28) von Absteiger Arminia Bielefeld verpflichtet werden.

Jede Menge Optionen im Mittelfeld

Im Mittelfeld haben die Schalker gar ein Überaufgebot. Die Doppelsechs bilden wohl die Neuzugänge Alex Kral (24) und Tom Krauß (21), die beide für jeweils eine Saison ausgeliehen wurden. Alternativ stehen Danny Latza (32) und Florian Flick (21) zur Verfügung. Für die offensiveren Positionen hat man mit Dominik Drexler (32) sowie den Neuzugängen Tobias Mohr (26) und Florent Mollet (30) ebenfalls einige Optionen. Bis auf Rodrigo Zalazar (22), der alle offensiven Positionen im Mittelfeld bekleiden kann, gibt es in diesem Mannschaftsteil keinen Spieler, der gesetzt sein dürfte. Wer den Vorrang erhält, wird wohl vom Gegner und dem jeweiligen System abhängen, das Kramer spielen lässt.

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(Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Ohnehin lässt die Schalker Mannschaft einige spannende Fragen offen, die wohl erst im Laufe der Saison beantwortet werden können. Eine davon ist, wie viel Zeit die Mannschaft braucht. Klar ist nämlich, dass man sich immer noch im Umbruch befindet, viele Spieler neu dabei sind, andere kaum Erstliga-Erfahrung vorzuweisen haben. Das Ganze in einem Umfeld, das die Erwartungshaltung zwar ein Stück weit zurückgeschraubt hat, aber noch immer schnell ungemütlich werden kann. In Schalke steckt gewissermaßen eine Wundertüte. 

Player to watch: Rodrigo Zalazar

In der Jugend von Albacete Balompie und Malaga ausgebildet, wechselte Zalazar 2019 in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt. Fuß fassen konnte er dort allerdings nicht. Nach Leihstationen bei Korona Kielce in Polen und dem FC St. Pauli sicherte sich Schalke vergangenen Sommer die Dienste des Mittelfeldspielers – und dort startete er voll durch. In 30 Einsätzen, 25 davon in der Startelf, erzielte der Uruguayer fünf Tore, legte sechs weitere auf. Er besticht durch Kreativität und viel Zug zum Tor, ist an nahezu sämtlichen Offensivaktionen beteiligt.

Vor allem im Saisonendspurt wurde er wichtig. Allein in den letzten acht Spielen gelangen dem 22-Jährigen vier Tore und drei Vorlagen. Zalazar avancierte zum Schlüsselspieler, führte Schalke zurück in die Bundesliga. Am letzten Spieltag in Nürnberg traf er aus unfassbaren 59 Metern zum 1:0, Schalke gewann 2:1 und kürte sich damit zum Zweitliga-Meister. Interessant zu beobachten wird sein, wie sich Zalazar in der Beletage einfinden wird. Was neben seinen vielseitigen Qualitäten nämlich nicht unerwähnt bleiben darf, ist, dass er durchaus auch noch Defizite im mannschaftstaktischen Bereich hat, seine Leistungen zudem nicht immer konstant waren. Dennoch kann man damit rechen, dass er auch in der Bundesliga einer der Schlüsselspieler auf Schalke sein wird.

Schalke 04 2022/23: Prognose

Wohin geht die Reise also? Klar ist, dass der Kader nicht mehr als unteres Bundesliga-Niveau hergibt, man wird sich also auf jeden Fall auf Abstiegskampf einstellen müssen. Klar ist auch, dass die Mannschaft in ihrer jetzigen Konstellation kaum eingespielt ist. Die Tatsache, dass man auf viele neue und unerfahrene Spieler setzt, ist Chance und Risiko zugleich. Möglich ist, dass die Mannschaft nach einem erfolgreichen Start eine Euphoriewelle entfacht, von der sie aufblüht und im Idealfall durch die Saison getragen wird. Andersherum ist ebenso denkbar, dass die Mannschaft aufgrund fehlender Reife Rückschläge nur schwer verkraften kann, im schlimmsten Fall selbst an kleinen Negativserien zerbricht und am Ende den erneuten Gang in Liga zwei antreten muss.

Photo by Getty Images

Michael Bojkov

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