Ein besetztes Vereinsbüro in Thessaloniki. Ein Handy, das einem Spieler in der Ankunftshalle entgegengestreckt wird. Ein Statement, das die eigene Klubführung als Verräter beschimpft. Und am Ende, am Sonntagabend, trotzdem die Unterschrift.
Der Aufstand kommt nicht aus Dortmund
Wer die Meldungen der vergangenen 48 Stunden nur überflogen hat, könnte den Eindruck gewinnen, die Dortmunder Fanszene wehre sich gegen einen Neuzugang. Das Gegenteil ist der Fall. Der Widerstand kam aus Griechenland – von den Anhängern des abgebenden Klubs.
Giannis Konstantelias, 23 Jahre alt, griechischer Nationalspieler, wechselt von PAOK Saloniki zu Borussia Dortmund. Für die Ultragruppe „Gate 4″ ist das kein Transfer, sondern ein Verlust der Identität. In ihrem Statement in den sozialen Medien forderte sie den Verbleib des Spielers und bezeichnete ihn als den größten Fußballer
ihres Vereins seit Giorgos Koudas. Die Adressierung an die eigene Vereinsführung fiel deutlich schärfer aus.
Sie haben es schon einmal geschafft
Der Protest war nicht folgenlos gedacht. Im Sommer 2025 stand Konstantelias vor einem Wechsel zum VfB Stuttgart – Klubs und Spieler waren sich einig, der Medizincheck vorbereitet. Dann erhöhten die Ultras den Druck auf die Vereinsführung, der Transfer platzte, und der Eigengewächs-Spieler verlängerte in Saloniki bis 2029.
Wer Fanszenen im südosteuropäischen Vereinsfußball kennt, weiß: Das ist kein Folklore-Einwand. In Thessaloniki entscheidet die Kurve mit.
Was diesmal anders lief
Diesmal reiste der Spieler trotzdem. Am Sonntagmorgen landete Konstantelias in Dortmund, absolvierte den Medizincheck – und wurde noch am Flughafen von einem mutmaßlichen PAOK-Anhänger abgefangen, der ihm ein Smartphone hinhielt und ihn in einen Videocall mit aufgebrachten Fans verwickelte. Über eine Minute lang musste er sich rechtfertigen. Laut Ruhr Nachrichten antwortete er mit einem Satz, der die ganze Geschichte zusammenfasst: Das ist meine Entscheidung.
Dann beendete sein Berater das Gespräch.
In Thessaloniki eskalierte es parallel. Die Zeitung Gazzetta berichtet, Ultras seien in Vereinsbüros im Stadion eingedrungen und hätten diese besetzt, um den Wechsel doch noch zu verhindern. Am Sonntagabend waren nach Sky-Informationen sämtliche Unterschriften gesetzt.
Die Zahlen sind uneinheitlich – und das ist relevant
Über die Konditionen berichten die Beteiligten unterschiedlich. Wer die Meldungen nebeneinanderlegt, sieht, wie viel in dieser Nacht noch verschoben wurde.
| Quelle | Vertragslaufzeit | Ablöse | Gehalt |
|---|---|---|---|
| Sky Sport | fünf Jahre, bis 2031 | keine Angabe | keine Angabe |
| Ruhr Nachrichten | vier Jahre | keine Angabe | ca. 3,5 Mio. € p. a. |
| Gazzetta | bis 2030 | bis zu 30 Mio. € inkl. Boni | 3,2 Mio. € netto plus Boni |
| Transferinsider / Romano | keine Angabe | 26 Mio. € Sockel, bis 32 Mio. € gesamt | keine Angabe |
Einig sind sich die Berichte in einem Punkt: PAOK sichert sich eine Weiterverkaufsbeteiligung von 15 Prozent. Für den griechischen Fußball wäre der Transfer einer der teuersten Verkäufe überhaupt.
Warum der BVB überhaupt in Griechenland gelandet ist
Konstantelias war nicht der erste Plan. Nachdem sich der Poker um Said El Mala vom 1. FC Köln zerschlagen hatte, griffen die Dortmunder auf eine Personalie zurück, die sie ohnehin länger beobachtet hatten. Der Zeitdruck war die Folge einer gescheiterten Verhandlung, nicht eines spontanen Einfalls.
Sportlich bekommt Niko Kovac einen kreativen Offensivspieler mit sauberer Technik, der in der vergangenen Saison in 18 Einsätzen sieben Tore erzielte und drei vorbereitete. Insgesamt stehen für PAOK 190 Pflichtspiele, 44 Tore und 26 Vorlagen zu Buche – bei einem 23-Jährigen, der bis auf eine kurze Leihe nach Belgien nie woanders gespielt hat. Laut Gianluca Di Marzio zeigten zuletzt auch Chelsea und Juventus Interesse.
Es ist der zweite Grieche in diesem Sommer nach Konstantinos Karetsas, der für 30 Millionen Euro Fixablöse aus Belgien kam. Karetsas soll seinem Nationalmannschaftskollegen intern vom Standort vorgeschwärmt haben.
Ein Sieg für Dortmund, eine Warnung für PAOK
Für den BVB ist die Sache in erster Linie ein sportlicher Vorgang. Für PAOK ist sie eine Machtfrage. Ein Klub, der 2025 dem Druck der eigenen Kurve nachgab und einen Verkauf stornierte, hat dieses Jahr anders entschieden – gegen den lautesten Teil seiner Anhängerschaft und für eine Summe, die den Verein für Jahre stabilisiert.
Am 22. August steht für Dortmund der Supercup gegen den FC Bayern an. Ob Konstantelias da schon eine Rolle spielt, ist offen. In Thessaloniki wird man das Spiel trotzdem schauen.
Kurven können Transfers verhindern. Sie können sie nicht bezahlen.

