Der BVB unter Rose: Dynamisch und attraktiv, aber ein Makel bleibt

BVB-Trainer Marco Rose und Erling Haaland
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Spotlight | Ein erfrischendes und attraktives Borussia Dortmund erntet aktuell viel Lob für den offensiven Spielwitz. Doch zu was ist der BVB unter Marco Rose in der Lage? 

Nachdem der FC Bayern München den VfL Bochum in der Fußball-Bundesliga der Männer mit 7:0 geschlagen hatte, entbrannte eine Diskussion über den Unterhaltungswert des Wettbewerbs. Langweilig, vorhersehbar, nahezu unfair – Kritiker:innen waren und sind sich einig. Und es stimmt. Betrachtet man den Wettbewerb und fokussiert sich auf die Titelchancen der 17 Teams außerhalb von München, dann ist die Monotonie auffallend.



Doch auch ganz allgemein ist das Gefälle in Deutschland riesig. Aufsteiger wie Bochum oder Fürth haben es schwer, sich überhaupt im Oberhaus zu halten. Teams aus dem Mittelfeld kommen nur schwer an die Champions-League-Plätze heran. Und selbst wenn Klubs wie Borussia Mönchengladbach mehr richtig als falsch machen, stagnieren sie irgendwann auf einem höheren Niveau.

Auch die andere Borussia aus Dortmund hat diese Erfahrung bereits gemacht. Es scheint nur einen Weg zu geben, mal mehr in der Bundesliga zu erreichen als einen guten zweiten Platz: schwächelnde Bayern. Und selbst dann reicht es oftmals nicht. Denn der FC Bayern hat eine derartige Sonderrolle, dass er sich als einziger Klub Fehler erlauben kann und trotzdem die nationalen Ziele erreicht. In den schwächeren Saisons der letzten Jahre holten sie zweimal 78 und einmal 79 Punkte. Der Punkterekord eines Teams, das nicht Bayern München heißt, liegt bei 81 aus der Saison 2011/2012 – aufgestellt vom BVB.

Die besondere Handschrift des neuen BVB-Trainerteams

Vor dieser Saison wurde wieder viel orakelt. Ein dünner Bayern-Kader, Verlust von Erfahrung im Team und der Trainerwechsel wurden als Gründe dafür angeführt, dass es beim zehnten Anlauf endlich gelingt, die beeindruckende Meister-Serie der Münchner zu beenden. Zumal Dortmund seinen Kader zu großen Teilen zusammenhalten, oder Abgänge gut auffangen konnte.

Der Saisonstart zeigt, dass Dortmund bereit ist für große Aufgaben. Nach kleineren Anlaufschwierigkeiten scheint sich der BVB unter dem neuen Trainergespann rund um Marco Rose zunehmend zu finden. Gerade in der Offensive überzeugen die Schwarz-Gelben mit enormer Durchschlagskraft. Fünf Tore gegen Frankfurt, drei gegen Hoffenheim, vier in Leverkusen und jetzt erneut vier gegen Union. Die Mannschaft glänzt mit hoher spielerischer Klasse, einer nahezu einzigartigen Dynamik und, na klar, mit Erling Haaland.

Das Trainerteam hat es schon jetzt geschafft, im Spiel nach vorn eine klare Handschrift erkennen zu lassen: Fokus auf die riesige technische Qualität im Zentrum und damit verbunden viel Unterstützung für den absoluten Schlüsselspieler im Sturmzentrum.

Das BVB-Trainerteam

Maik Hölter TEAM2/Imago

 

BVB unter Rose: Dynamik, Spielwitz und Erling Haaland

Aber wie gelingt ihnen das konkret? Marco Rose, René Marić und Alexander Zickler sind die drei entscheidenden Köpfe im neuen Trainerteam des BVB. Sie arbeiten seit Jahren zusammen, scheinen in Dortmund aber endlich die optimalen Spielertypen für eine Grundordnung gefunden zu haben, die sie sowohl in Salzburg als auch in Gladbach zu implementieren versuchten: das 4-Raute-2.

Vor der Viererkette agieren meist vier Spieler, die ihre Stärken eher im Zentrum haben: Axel Witsel auf der Sechs, Mahmoud Dahoud und Jude Bellingham als spielstarke Halbraumspieler und Marco Reus als Freigeist auf der Zehn. Sie sind das Herz des neuen BVB-Spiels, das sich durch schnelle, technisch anspruchsvolle und dynamische Kombinationen in der Spielfeldmitte auszeichnet.

Rechts und links geben nicht mehr reine Flügelstürmer die Breite sondern meist die Außenverteidiger Raphaël Guerreiro (links) und Thomas Meunier (rechts). Wobei es Donyell Malen häufiger auf den linken Flügel zieht und auch Reus viel unterwegs ist, um in den richtigen Momenten den Raum auf den Außenbahnen zu nutzen, oder einen Mitspieler freizulaufen.

Meunier profitiert von neuem System

Positionswechsel sind ein wichtiger Bestandteil der Offensividee. Die ständige Bewegung in Kombination mit der technischen Qualität im Zentrum ermöglicht es den Dortmundern, Gegenspieler nahezu dauerhaft in Stresssituationen zu bringen. Konzentrieren sie sich auf Ausnahmestürmer Haaland, entstehen Räume für Reus, Malen oder die nachstoßenden Achter – nehmen sie diese in die Mangel, kann Haaland sich freier bewegen. Wie es die Gegner auch anpacken, Tore des BVB lassen sich im Moment kaum verhindern. Und notfalls richtet es eben ein langer oder hoher Ball auf Haaland, der mit seiner Durchsetzungskraft eine mehr als passable Brechstange sein kann.

Weil der BVB im Zentrum so aktiv ist und das Positionsspiel viele Gegenspieler bindet, entstehen zudem Räume auf den Flügeln. Eisern Union hat es in Dortmund mit einer 5-3-2-Grundordnung versucht, in der teilweise sogar die Flügelverteidiger eher im Halbraum als auf der Außenbahn verteidigt haben.

Dortmund weiß das für sich zu nutzen. Schon gegen Leverkusen wurden ein Tor und wenig später ein Abseitstor durch kluge Verlagerungen auf Meunier initiiert, der in der letzten Saison noch scharf kritisiert wurde. In dieser Spielzeit könnte er einer der großen Profiteure der zentrumsfokussierten Ausrichtung werden, weil er immer wieder mit viel Platz angespielt werden kann. Bellingham und Dahoud schaffen es immer wieder, enge Situationen aufzulösen und das Spiel zu verlagern.

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Meisterschaft? Wohl eher nicht, aber …

Es macht abermals den Anschein, dass dieser BVB bereit ist, große Ziele in Angriff zu nehmen. Doch eines ist nach fünf Spielen auch schon wieder offensichtlich. So gut die Offensive ist, so instabil scheint man in der Defensive zu sein. Standards, Konter und fehlgeschlagene Pressingsituationen fliegen ihnen zu oft um die Ohren.

Die Mittelfeldraute inklusive der mitunter offensiven Interpretation hat den großen Nachteil, dass Witsel viel Raum alleine verteidigen muss. Hinter der ersten und zweiten Pressinglinie finden sich im Halbraum immer wieder Passoptionen für den Gegner, die die Schwarz-Gelben ins Schwitzen bringen. Dann müssen die beiden Innenverteidiger plötzlich herausrücken und wenn auch das nicht klappt, ergibt sich die Möglichkeit für einen einfachen Pass hinter die Abwehrkette.

Elf Gegentore in fünf Partien sind schlicht zu viel. Nachmittage wie jener in Freiburg, wo der BVB aus diversen Gründen mal nicht in der Lage ist, mehr als ein Tor zu schießen, kosten am Ende womöglich wieder Punkte, die schmerzlich vermisst werden.

Ob der BVB Meister werden kann, ist deshalb mehr als fraglich. Dafür ist der Abstand zu den Bayern sowohl qualitativ als auch finanziell einfach zu groß – selbst wenn die Münchner entgegen aller Erwartungen in eine ernstzunehmende Schwächephase rutschen sollten. Macht man sich vom Kampf um die Meisterschaft aber mal frei, dann scheint der BVB in dieser Saison wieder auf dem besten Wege zu sein, Werbung für die Bundesliga zu betreiben. Denn an Unterhaltung, so viel steht fest, mangelt es bei Spielen mit schwarz-gelber Beteiligung nicht.

Photo: Moritz Müller/Imago

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