DFL-Supercup | Erst Debakel, dann Spektakel: Bayern ist Supercup-Sieger!

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News | Am Samstagabend empfing RB Leipzig den FC Bayern zum DFL-Supercup 2022. Nach äußerst einseitigen ersten 45 Minuten, in denen der FC Bayern bereits 3:0 führte, drehte RB Leipzig nochmal auf, musste sich letztlich aber 3:5 geschlagen geben.

Musiala glänzt bei Bayerns Gala – Leipzig vor der Pause chancenlos

Willkommen in der Red Bull Arena! Am Samstagabend empfing Pokalsieger RB Leipzig Meister FC Bayern zum Supercup. Die vergangenen beiden Ausgaben gegen Borussia Dortmund in München (3:2) und im Signal-Iduna-Park (3:1) konnte der Rekordmeister für sich entscheiden. Für RB war es die erste Teilnahme.

Die Vorbereitung verlief für beide Teams eher gemischt: RB testete gegen zwei Premier-League-Teams. Im Duell mit Southampton um Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl gab es noch einen 3:1-Sieg. Die zweite Partie, gegen Jürgen Klopp und den Liverpool FC endete mit einem 0:5 in einem mittelschweren Debakel.

Die Münchener hingegen konnten auf ihrer US-Tour einen 6:2-Erfolg gegen D.C. United verbuchen. Ein mehrfach aufgrund von starkem Gewitter unterbrochenes und deshalb auf 80 Minuten Spielzeit gekürztes Duell gegen Manchester City und Ex-Trainer Pep Guardiola im Lambeau Field zu Green Bay endete aufgrund eines Treffers des ehemaligen Dortmunders Erling Haaland in einer 0:1-Niederlage.

 



 

Beide Teams gingen die Partie ohne echte Neun an: Bei RB Leipzig saß André Silva zunächst auf der Bank. Christopher Nkunku gab die Sturmspitze, mit Emil Forsberg und Dominik Szoboszlai an seiner Seite. Der vom FC Bayern umworbene Konrad Laimer begann neben Kevin Kampl im Mittelfeld. Henrichs und Klostermann bildeten die wingbacks im 3-4-3. Angeliño, der mit einem Wechsel nach Hoffenheim in Verbindung gebracht wird, stand nicht im Kader.

Für Julian Nagelsmann und die Seinen war es Pflichtspiel eins nach der Ära Lewandowski. Sadio Mané und Serge Gnabry sollten ihn in der Sturmspitze ersetzen. Dahinter fächerte sich das 4-2-2-2 mit Jamal Musiala und Thomas Müller als Doppelzehn auf, Joshua Kimmich und Ex-Leipziger Marcel Sabitzer bildeten die Doppelsechs. Benjamin Pavard begann anstelle des Neuzugangs Noussair Mazraoui rechts, links wie gewohnt Alphonso Davies. Lucas Hernández und Dayot Upamecano bildeten die Innenverteidigung vor Manuel Neuer.

Musiala glänzt, Leipzig findet nicht statt – und liegt zur Pause deutlich zurück

Vor der Partie wurde noch dem vorige Woche Donnerstag verschiedenen Uwe Seeler gedacht. Danach ging es in medias res. Die ersten zehn Minuten gestalteten sich eher ausgeglichen. RB Leipzig gehörte die erste nennenswerte Szene: 8. Minute, Manuel Neuer verschätzte sich bei einem seiner Ausflüge und musste Christopher Nkunku ziehen lassen. Seine Flanke entschärfte der zurückgeeilte Marcel Sabitzer zum Eckball, der nichts einbrachte.

Fünf Minuten später zeigte auch der FC Bayern die vereinsseitig zuletzt oft propagierte Variabilität und Unberechenbarkeit: Joshua Kimmich steckte hervorragend rechts für Benjamin Pavard durch. Der Franzose versuchte, den Ball mit Schnitt in die Mitte zu geben, was von der RB-Abwehr geblockt wurde. Eckball. Den bekamen die Gastgeber nicht geklärt, Lucas Hernández durfte nachsetzen und rechts Jamal Musiala mitnehmen. Peter Gulacsi war an dem Abschluss noch leicht dran, konnte allerdings nicht mehr abwehren. 0:1, 14. Minute!

Keine zwei Minuten später presste Mohamed Simakan Serge Gnabry in Ballbesitz. Die Kugel kam zu Christopher Nkunku, der von halbrechts ins lange Eck vollendete. Allerdings ging sofort die Fahne hoch und das absolut zurecht. Nkunku stand deutlich abseits, Simakan war zuletzt an der Kugel und spielte diese bewusst. Somit weiter 0:1.

Je länger das Spiel dauerte, desto dominanter wurden die Münchener. Leipzig hatte zwar viele Mann hinter dem Ball, kam aber kaum ins Pressing und war so ausschließlich Beobachter der Bayern-Kombinationen: 31. Minute, Musiala leitete diesmal mit einem Steckpass für Serge Gnabry ein. Thomas Müller machte die gegenläufige Bewegung, um die Abseitsfalle schachmatt zu setzen. Den Querpass musste Sadio Mané nur noch zu seinem ersten Pflichtspieltor über die Linie drücken. 0:2!

Der FC Bayern ließ RB in den Folgeminuten kaum Luft zum Atmen, presste extrem hoch und tackerte seinen Konkurrenten in dessen eigener Hälfte fest. Dazu zeigten sie sich immer kreativ und spielfreudig. Vor allem einer stand sinnbildlich für diesen Auftritt: Jamal Musiala. 45. Minute, Joshua Kimmich führte einen Eckball kurz aus. Musiala spielte den Doppelpass mit Müller, fintierte einmal und legte von der linken Grundlinie perfekt für Benjamin Pavard am kurzen Pfosten auf, der unten links zu seinem ersten Treffer seit dem Klub-WM-Finale gegen Tigres im Februar 2021 einschob. Variante: äußerst einstudiert und äußerst sehenswert. 0:3. Pause.

Es war die höchste Pausenführung im Supercup seit 1990. Damals gab es für die Münchener ein 4:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Stefan Kuntz gelang in der zweiten Hälfte noch der Ehrentreffer.

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Tedescos Joker stechen, aber Sané macht alles klar – FC Bayern gewinnt den Supercup

Leipzig hingegen knüpfte bis hierhin nahtlos an das desaströse Testspiel gegen Liverpool (0:5) an. In der 52. Minute, nachdem Serge Gnabry bereits eine aussichtsreiche Chance auf das 0:4 liegen ließ, wechselte Domenico Tedesco erstmals und brachte André Silva sowie Dani Olmo für Emil Forsberg und Kevin Kampl.

Eine Maßnahme, die sich sofort auszahlte: 56. Minute, Eckball Szoboszlai von rechts. In der Mitte steigt André Silva hoch und köpft an den Querbalken. Das Tor wackelte, fiel aber erst drei Minuten später. Diesmal kam der Eckball von links, durch Christopher Nkunku. Marcel Halstenberg setzte sich am zweiten Pfosten gegen Alphonso Davies und Benjamin Pavard durch. Seine Kopfball-Bogenlampe senkte sich ins lange Eck. Leipzig auf der Anzeigetafel, 1:3.

Sollte es nochmal spannend werden? Vorerst nicht wirklich. 66. Minute, Leipzig stand einmal mehr hoch, Bayern durfte kontern. Der eingewechselte Kingsley Coman steckte genau im richtigen Moment zu Thomas Müller durch. Den ersten Versuch konnte Gulacsi noch parieren. Klostermann bekam die Kugel jedoch nur halbherzig geklärt, sodass Serge Gnabry den Rebound unters Tordach trümmerte.

Mané verpasst den Knockout, Dani Olmo bringt Leipzig ins Spiel zurück – Spektakel nach der Pause

Ab hier nahm die Partie wieder leichte Züge der ersten Hälfte an. Drei Minuten nach dem Treffer war Mané frei durch und chippte ganz fein an Gulacsi vorbei ins lange Eck. Das einzige Problem: Bayerns Neuzugang stand abseits.

So war für RB noch ganz leicht am Horizont Land in Sicht. Darauf steuerten sie jedoch unbeirrt zu. 72. Minute, Nkunku machte im Dribbling mehrere Mann in rot frisch. Seinen Abschluss blockte Davies. Die Szene lief weiter. André Silva legte sich rechts im Strafraum den Ball per Hackentrick vor, verfehlte mit seinem Schlenzer aber den linken Winkel.

Bislang bekamen die 47.069 Zuschauer in der Red Bull Arena offensiv die neuen Bayern zu sehen – und defensiv die alten. 76. Minute, Dani Olmo ließ einen Ball an der Strafraumkante passieren und wurde von Pavard gefällt. Robert Schröder zeigte auf den Punkt. Auch von Benjamin Brand und Thomas Stein aus Köln gab es keine Einwände. Christopher Nkunku trat an – und verwandelte brettsicher oben links. Neuer hatte zwar die Ecke, aber keinen Auftrag. 2:4.

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Leipzig wollte es nochmal wissen. Die immerwährende Gefahr waren allerdings Münchener Gegenzüge. So wie fünf Minuten vor Schluss, als der eingewechselte Leroy Sané von der halbrechten Strafraumkante an die Grundlinie für Kingsley Coman durchsteckte. Im Zentrum vollendete Sadio Mané aus kürzester Distanz, stand sich aber einmal mehr selbst im Weg, weil erneut im Abseits.

Vier Minuten später, in der 89. Minute kam Joshua Kimmich von der Strafraumkante frei zum Abschluss, zog diesen allerdings genau auf Gulacsi, der gleich den Gegenstoß einleitete. Über Laimer kam die Kugel zu Szoboszlai, der auf die linke Seite für André Silva verlagerte. Dani Olmo hinterlief und bekam die Kugel. Ein Blick, ein Haken, ein Abschluss – der Anschluss! Nach 0:3 und 1:4 stand es nun 3:4.

Sollten die Münchener tatsächlich das unvorstellbare tun und einen nahezu sichergeglaubten Titel noch verspielen? 91. Minute, Halstenberg spielte scharf durch den Fünfmeterraum. Der Ball rauschte allerdings an Freund und Feind vorbei. Ursprünglich gab es vier Minuten Nachspielzeit, die sich aufgrund einer Behandlungspause von Alphonso Davies, der aber weitermachen konnte, verdoppelten.

In der 98. Minute schlug Dani Olmo einen allerletzten RB-Freistoß von der Mittellinie ins Zentrum. Davies klärte – und zwar genau zum vorne lauernden Leroy Sané. Gulacsi eilte ins Tor zurück, Hugo Novoa tat alles, um am Nationalspieler dran zu bleiben. Sané spielte sie jedoch beide mit einem Haken aus und machte mit links ins kurze Eck alles klar.

Gleich danach war Schluss. Die 0:3-Hypothek aus der ersten Hälfte erwies sich als zu hoch für RB Leipzig, wenngleich sie nach der Pause – vor allem durch die Einwechslungen von André Silva und Dani Olmo – Wiedergutmachung leisteten. Letztlich zeigten sich die Münchener aber zu erfahren, abgezockt, kreativ und spielfreudig im Angriff und sicherten sich im torreichsten Supercup aller Zeiten den dritten Titel in Folge und zehnten insgesamt.

Kommende Woche steht für beide der 1. Bundesliga-Spieltag an: Bayern wird die Saison am Freitagabend in Frankfurt eröffnen. Sonntag um 15:30 ist RB in Stuttgart gefordert.

Der Endstand aus der Red Bull Arena: RB Leipzig 3, FC Bayern 5.

Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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