Donata Hopfen und die DFL-Pläne: Profitmaximierung statt Fußballromantik

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Donata Hopfen spricht darüber, dass es keine Denkverbote und keine heiligen Kühe mehr bei der Deutschen Fußball Liga gebe. Aussagen, die sie als Reformerin darstellen sollen, in einem System, das gar nicht von einer Person reformiert werden kann. Denn es geht mehr denn je um nur eines: Profitmaximierung. Ein Kommentar.

Donata Hopfen: Die Hintergründe überraschen nicht

Heute erschien ein vielbeachtetes Interview mit Donata Hopfen, der neuen DFL-Chefin. Erstmals, seitdem sie der Deutschen Fußball Liga vorsteht, äußerte sie sich zu ihren Zukunftsplänen. In welche Richtung möchte sie den deutschen Klubfußball führen? Mit dieser Frage wurde das Interview vielerorts gelesen. Eine Frage, die hochkomplex ist. Ihre Antworten waren alles andere als das. Eher Schnipsel und Floskeln als wirkliche Gedanken. Erschienen ist das Gespräch in der „Bild am Sonntag“.



Bemerkenswert ist hier sicherlich, das Hopfen 15 Jahre für Axel Springer, dem Verlag hinter der Bild-Zeitung, arbeitete. In ihren letzten bis 2017 sogar als Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung. Dass sie ihr erstes Interview bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber gibt und der auffallend wohlwollend fragt und zudem mit „Neue DFL-Chefin will Spielergehälter begrenzen“ noch eine Überschrift wählt, die bei dem gemeinen Fußballfan Sympathie auslöst, verwundert nicht.

Ungeachtet dessen tätigte sie in dem Gespräch schlagzeilentragende Aussagen zu möglichen Bundesliga-Play-Offs, zu einer europaweiten Gehaltsobergrenze für Spieler, zu einem Supercup in Saudi-Arabien oder ihrem Wunsch, die Fans wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Alles Aussagen, die gerne zitiert werden und Hopfen damit Aufmerksamkeit bescheren. Und die ihr dabei helfen, ihr Profil zu schärfen: Als Reformatorin, als eine, die Dinge neu denkt, als eine, die den Fußball ausgehend von neuen Perspektive betrachtet.

Dazu passt auch ihr wohl prägnantester Satz des gesamten Interviews: „Es gibt für mich keine heiligen Kühe.“ Endlich eine, die hinterfragt und das verkrustete System aufbricht, möchte man denken. Allerdings lassen sich diese Aussagen auch aus einer anderen Perspektive betrachten, die eher zu dem Schluss führen, dass Hopfen eine echte Medienexpertin ist, der die Wirkung wichtiger als die Wahrheit ist. Axel Springer eben.

Der Fokus auf Geld ist stärker denn je

Dies klingt wie eine harsche Anklage gegen die Person Donata Hopfen, ist aber eher an das System adressiert. Denn wer glaubt, eine Person alleine könnte dieses reformieren, der irrt. Denn die wenigen richtungsweisenden Aussagen, die sie in dem Interview ebenfalls tätigte, entstammen mehr den systemischen Zwängen als als ihren ideologischen Visionen.

Ein Hinweis darauf, was diese systemischen Zwänge sind, gab Christian Seifert, der ihr Vorgänger ist und 15 Jahre der DFL vorstand. Er machte die Deutsche Fußball Liga in weniger als zwei Jahrzehnten von einer Vermarktungsdilettantin zu einer Gelddruckmaschine. Verdreifachte die Einnahmen aus TV-Verträge und knackte zuletzt sogar die Eine-Milliarde-Marke. Dies sind die Maßstäbe, an denen Seifert gemessen wurde – und dies werden die Maßstäbe sein, an denen Hopfen gemessen wird.

Und der Fokus auf das Monetäre ist aktuell sogar stärker denn je. „Ich hätte die Liga und die DFL als Organisation meiner Nachfolgerin Donata Hopfen, die ich wirklich sehr schätze, gerne so übergeben, dass sie sich komplett auf die Weiterentwicklung konzentrieren kann. Jetzt wird auch sie erst mal Corona-Management leisten müssen, da wird es der DFL nicht anders ergehen als Restaurants, Friseuren oder Zeitungen“, sagte Seifert im November der „Süddeutschen Zeitung„.

Die Fans sollen zurück in den Mittelpunkt, denn dort liegt das Geld

Anfang der Woche erklärte Hopfen, dass der Liga durch die Pandemie ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro droht. „Das sind Gelder, die sind jetzt erst mal weg – und kommen auch nicht wieder. Das geht an die Substanz“, sagt sie im BamS-Interview. Diese Verluste zu kompensieren, das ist ihre Hauptaufgabe. Reformen sind deswegen wohl denkbar, aber nur, wenn daraus höhere Einnahmen resultieren. In einem System, das auf Profit ausgelegt ist, ist dies keine Neuigkeit. Es zeigt aber erneut in aller Klarheit, dass sich dieses System nicht irgendwann umdrehen wird und Fußball romantisch zurück in den Schoß der Zuschauer gelegt wird.

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Wenn die Fans zurück in den Mittelpunkt gerückt werden, dann nur, um noch mehr Geld von ihnen zu bekommen. Und wenn Hopfen sagt, dass es unter ihr keine Denkverbote mehr gebe, dann meint sie damit wohl vor allem Gedanken, mit denen Jeff Bezos und Elon Musk sympathisieren würden. Wenn man genau liest, sagt sie das ja sogar: „Jede Maßnahme, die uns in Zukunft Geld bringen soll, muss zu uns passen“, ist, wie Justin Kraft auf Twitter richtigerweise anmerkte, wohl eher als „Jede Maßnahme, die uns in Zukunft Geld bringen soll, muss [ ] uns passen“ zu lesen. Triste Aussichten. Hoffen wir darauf, dass Donata Hopfen uns positiv überraschen wird.

(Photo by Thomas Lohnes/Getty Images)

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