Edin Terzic: Der Borusse

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Edin Terzic stand schon auf der Südtribüne des Westfalenstadions. Nun ist er Trainer von Borussia Dortmund, dem Verein seines Herzens. Erstmals wird er während eines Revierderbys als Cheftrainer des BVB an der Seitenlinie stehen und den tobenden Signal Iduna Park von unten sehen.

Zum 99. Mal stehen sich Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr) in der Bundesliga gegenüber. Es ist eines der Aufeinandertreffen im deutschen Profifußball mit der längsten Geschichte. Kaum ein Spiel berührt so viel Leute wie das Revierderby.



Für einen unter den rund 80.000 Menschen, die zu dieser Auflage im Signal Iduna Park erwartet werden, ist das Spiel noch besonderer als es für die anderen ohnehin schon ist. Den Trainer des BVB: Edin Terzic. Ins Amt gehoben wurde er, weil die Klubverantwortlichen rund um Hans-Joachim Watzke auch Jahre nach Jürgen Klopps Abschied noch immer eine gewisse Nostalgie verspürten. Nach einem Trainer, der sich in einer besonderen Weise mit dem Klub identifiziert. „Edin ist Borusse durch und durch. Es ist ein Unterschied, ob man bei einem Klub als Trainer nur der Angestellte ist oder ob es wie bei Edin mehr ist. Für ihn ist es nicht nur ein Job, es ist eine Mission.“, sagte Watzke im Sommer gegenüber dem Kicker.

Edin Terzic: Vom Jugendtrainer und Scout zum Cheftrainer

Dass Terzic eines Tages bei einem Revierderby an der Seitenlinie stehen wird, war für ihn sicherlich ein Traum. Allerdings einer, den er sich nicht zu träumen gewagt hätte. Aufgewachsen ist Terzic in Menden unweit von Dortmund. Er war schon in jungen Jahren bei seinen ersten Spielen im Westfalenstadion, gehüllt in schwarz und gelb. Seit seiner Kindheit, sagt Terzic, sei er Fan von Borussia Dortmund. Und diesem Verein blieb er über Jahre treu – in verschiedenen Funktionen.

Seine Leidenschaft ist der Fußball, dass war Terzic früh bewusst. Da es als Spieler nicht für das Oberhaus reichte – Terzic absolvierte fast 200 Spiele in der Ober- und Regionalliga – entschied er sich für einen anderen Weg. An der Ruhr-Universität in Bochum studierte er Sportwissenschaften, lernte dort Hannes Wolf kennen und fing an für den Verein seines Herzen zu arbeiten. Zu Beginn als Jugendtrainer und Scout. Ab 2010 war er Co-Trainer der A-Junioren unter seinem Kommilitonen und Freund Hannes Wolf. Später trainierte das Gespann die zweite Mannschaft und die B-Junioren des BVB.

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Bis 2013 war Terzic beim BVB, bevor ihn eine Bekanntschaft aus seiner Zeit als Spielerbeobachter in die große weite Welt lockte. Slaven Bilić unterschrieb bei Beşiktaş Istanbul, stellte sein Trainerteam zusammen und überzeugte Terzic davon, als sein Co-Trainer in die Türkei zu wechseln. Der größte Erfolg in seiner Zeit bei Beşiktaş war sicherlich der Einzug ins Europa-League-Achtelfinale 2015. Kurz darauf wurde Bilić von einem West Ham United kontaktiert und wechselte in die Premier League. An seiner Seite: Edin Terzic.

Etwas mehr als zwei Jahre arbeiteten die beiden zusammen in London. Terzic erzählte Jahre später, dass diese Jahre als Co-Trainer in der Premier League eine der prägendsten Phasen für seine Entwicklung als Trainer gewesen seien. Nachdem diese Zeit zu Ende war, blieb Terzic einige Monate ohne Anstellung, bevor er es zur Saison 2018/19 wieder zurück dahin ging, wo einst alles angefangen hatte. Edin Terzic kehrte zum BVB zurück. Erst als Co-Trainer unter Lucien Favre, dann als Interimstrainer und Pokalsieger. Später als technischer Direktor, ehe ihm vor der laufenden Saison endgültig die Schlüssel in die Hand gegeben wurden und er Cheftrainer von Borussia Dortmund wurde.

(Photo by MARTIN ROSE/POOL/AFP via Getty Images)

„Es gibt als BVB-Trainer nichts Schlimmeres, als dem Schalker Trainer zum Sieg zu gratulieren“

Die Entscheidung, sich von Marco Rose zu trennen und Edin Terzic als Cheftrainer zu installieren, wurde, so heißt es, maßgeblich von Matthias Sammer und Hans-Joachim Watzke vorangetrieben. Besonders letzterer pflegt eine enge Bindung zu Terzic. Sie sind befreundet und wohnen nur 30 Meter auseinander. „Wir sehen uns also auch relativ häufig mal auf der Straße“, sagte Watzke kürzlich.

Voll des Lobes attestierte Watzke: „Edin brennt so sehr“. Bei jedem Spiel der Borussia coacht er leidenschaftlich bis zur letzten Minute, treibt seine Spieler an und zeigt vor allem nach gewonnen Zweikämpfen seine Begeisterung. Doch für kein Spiel brennt Edin Terzic so sehr, wie für das Revierderby. Eines durfte er schon als Cheftrainer des BVB erleben, als er als Interimstrainer auf Favre gefolgt war. Mit 4:0 gewann der BVB gegen die blassen Schalker. Ein Moment, den Terzic wohl nie wieder vergessen wird.

Nun wird Terzic erstmal vor den über 80.000 Fans im Signal Iduna Park, den Terzic immer wieder als wichtiger Teil für den Erfolg seines Team beschwört, gegen den FC Schalke 04 als Cheftrainer an der Seitenlinie stehen. Und wenn sich einer bewusst darüber ist, wie wichtig dieses Spiel für die Dortmunder Fans ist, dann derjenige, der selbst etliche Male Teil der gelben Wand, der legendären Südtribüne des einstigen Westfalenstadions, war. „Glauben Sie mir“, sagte Terzic am Freitag. „Es gibt als BVB-Trainer nichts Schlimmeres, als dem Schalker Trainer zum Sieg zu gratulieren. Wir sind uns der Verantwortung bewusst. Wir wissen, welche Bedeutung das Spiel für unsere Fans und die Region hat. Wir wissen, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen.“

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

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