FC Bayern und Katar: Eine große Chance

FC Bayern und Katar: Eine große Chance
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Dem FC Bayern droht Ungemach wegen des Streits rund um den Sponsoring-Deal mit Katar. Die Verantwortlichen sollten die Jahreshauptversammlung nicht fürchten, sondern als große Chance wahrnehmen. Ein Kommentar.

  • Große Kritik am FC Bayern
  • Ernüchternde Analyse von Amnesty International
  • Traumszenario am Horizont

Katar-Deal: Kritik am FC Bayern

Seit Jahren äußern Fans des FC Bayern große Kritik an der Zusammenarbeit mit Katar. Der Deal mag für den Rekordmeister zwar lukrativ sein, wie zuletzt auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge betonte, aber ist es den Zwist mit dem eigenen Fanlager wert?

Derzeit gibt es wenig für die Anhängerschaft des Rekordmeisters zu bemängeln. Vielen Problemen sieht sich Bayern nicht ausgesetzt. In den vergangenen Monaten wurde seitens der Medien immer wieder künstliche Spannung vor anstehenden Vertragsverlängerungen aufgebaut, die dann meistens ohne Probleme über die Bühne gingen. Der Abschied von Triple-Trainer Hansi Flick wurde mit Julian Nagelsmann gut aufgefangen und auf dem Rasen macht den Münchenern in der Regel (Gladbach lässt grüßen) ohnehin niemand irgendetwas vor. Dass die fehlende Spannung in der Bundesliga die größte sportliche Thematik rund um den Klub ist, spricht Bände.

Verantwortliche schweigen

Wäre das Thema Katar nicht, wäre wohl abseits der Aufregung rund um Joshua Kimmich so große Ruhe, wie selten zuvor beim Rekordmeister. Aber die Zusammenarbeit mit einem Staat, der Menschenrechte mit Füßen tritt, wiegt schwer und verärgert Fans vollkommen zurecht immens. Dass die Verantwortlichen im Klub angesichts der immer lauter werdenden Proteste schweigen, kann als Nervosität wahrgenommen werden. Sie sind sich offenbar bewusst, dass der Sponsoring-Deal moralisch kaum zu verantworten ist. Innerhalb der Mannschaft soll das einigen Spielern ebenfalls bewusst sein.

Das Argument, dass der FC Bayern durch die Zusammenarbeit für Besserung vor Ort sorgen kann, dürften nicht einmal die naivsten Fans glauben. „Ich bin da grundsätzlich optimistisch, dass sich die Menschen- und Arbeitsrechte in diesen Ländern, insbesondere in Katar, auch durch den Fußball schon verbessern werden“, teilte Rummennige gegenüber dem WDR mit. Thomas Hitzlsperger, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart, betrachtete die Situation im kicker-Interview deutlich realistischer. Die WM 2018 habe Russland „auch nicht demokratischer und liberaler“ gemacht. Der 39-Jähriger weiter: „Es wird der FIFA nicht schwerfallen, vier Wochen lang Bilder zu zeigen, die den Eindruck von Fortschritt vermitteln, ohne dass sich im Land in den kommenden Jahren grundsätzlich etwas ändert.“ Damit wird Hitzlsperger leider Recht behalten. Und das weiß auch der FC Bayern sowie seine Fans, die deswegen die eigene Zusammenarbeit zurecht anprangern.

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Amnesty International verkündete nun in einer Analyse des Emirats, „dass Fortschritte 2021 stagnierten und alte missbräuchliche Praktiken sogar wieder aufgetaucht sind“. Katja Müller-Fahlbusch, Expertin für den Nahen Osten und Nordafrika wurde deutlich: „Die Ergebnisse dieses Berichtes müssen ein Weckruf sein für die FIFA und die nationalen Fußballverbände wie den DFB. Wenn sie sich ernsthaft und nachhaltig für die Rechte der Arbeitsmigrant_innen in Katar einsetzen möchten, müssen sie mehr tun – und zwar jetzt.“ Das gilt natürlich dann auch für den FC Bayern.

FC Bayern: Traumszenario möglich

Wie wird es also nun weitergehen? Das weiß ich nicht. Aber ein wünschenswertes Szenario, das auf allen Seiten Gewinner hervorbringen könnte, gibt es dennoch. Was ist, wenn sich Herbert Hainer, Oliver Kahn und Co. auf der Jahreshauptversammlung am 25. November die berechtigte Kritik der Fans anhören und offen zugeben, dass der Sponsoring-Deal gegen alles spricht, wofür der Klub stehen will und der FC Bayern ankündigt, den Vertrag 2023 auslaufen zu lassen oder sogar vorher kündigt?

Es wäre der ultimative Schulterschluss mit den Fans, deren größter Kritikpunkt am Verein weg wäre. Der Zusammenhalt im Klub wäre deutlich verbessert und der vollständige Fokus auf das Erreichen der sportlichen Ziele wäre da. Nichts mehr mit Unruhe in München und der „FC Hollywood“ wäre nur noch eine Anekdote aus vergangenen Zeiten.

Klar, die finanzielle Lücke wäre erst einmal groß, aber dürfte ein Klub mit einer solchen Strahlkraft nicht dazu fähig sein, weitere Deals an Land zu ziehen, die ähnlich profitabel, aber nicht derart schmutzig sind? Es wäre doch gelacht, wenn der Rekordmeister das nicht schaffen würde.

Es wäre die endgültige Abgrenzung zu anderen Klubs, wie PSG oder Man City, die sich grundsätzlich vom FC Bayern unterscheiden, aber dennoch unrühmliche Parallelen haben. Das Beenden der Zusammenarbeit mit Katar wäre eine große Chance für die Münchener und der Beweis, dass den Verantwortlichen die eigenen Fans sowie Menschenrechte nicht vollkommen egal sind. Wie es wirklich ausgeht, kann in knapp einer Woche betrachtet werden.

(Photo by Lukas Barth-Tuttas – Pool/Getty Images)

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

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