Der FC Bayern hat den Transfersommer 2026 mit drei festen Neuzugängen und einer zweistelligen Zahl an Abgängen abgeschlossen. Unter dem Strich steht ein Minus von 38,95 Millionen Euro – und ein Kader, der deutlich schlanker ist als vor drei Monaten.
Am 1. September um 20 Uhr schloss das deutsche Transferfenster. Für die Münchner endete damit ein Sommer, der anders verlief als die vorangegangenen: keine Kaufrausch-Offensive, sondern zwei gezielte Großtransfers und ein konsequenter Abverkauf von Spielern aus der zweiten Reihe. Ismael Saibari und Nathaniel Brown kosteten je 50 Millionen Euro – zusammen also fast die gesamte Ausgabensumme. Alles andere war Kaderpflege.
Die Transferbilanz des FC Bayern im Überblick
| Posten | Summe |
|---|---|
| Transferausgaben | 103,5 Mio. € |
| Transfereinnahmen (Verkäufe) | 63,55 Mio. € |
| Leihgebühren | 1,0 Mio. € |
| Einnahmen gesamt | 64,55 Mio. € |
| Saldo | –38,95 Mio. € |
| Feste Zugänge | 3 |
| Abgänge (fest, Leihe, Vertragsende) | 18 |
| Teuerster Zugang | Saibari / Brown (je 50 Mio. €) |
| Teuerster Abgang | João Palhinha (14 Mio. €) |
| Cheftrainer | Vincent Kompany (seit Juli 2024) |
Das Wichtigste in Kürze
- Bayern gab 103,5 Millionen Euro aus – 100 davon für nur zwei Spieler.
- Zehn Verkäufe brachten 63,55 Millionen Euro, dazu kamen zwei Leihgebühren von je 500.000 Euro.
- Das Minus von 38,95 Millionen Euro ist für Bayerns Verhältnisse moderat.
- Mit Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro verließen zwei Routiniers den Klub, ohne einen Cent einzubringen – dafür fallen ihre Gehälter weg.
- Offen blieb einzig der Fall Sacha Boey: Der Franzose sollte gehen, fand aber keinen Abnehmer.
Die Zugänge im Detail
Ismael Saibari (PSV Eindhoven, 50 Mio. €)
Position: Offensives/zentrales Mittelfeld, auch Sturmzentrum
Der 25-jährige Marokkaner war der prominenteste Bundesliga-Zugang des Sommers. Bayern zahlte 50 Millionen Euro Fixablöse an die PSV, mit Boni kann die Summe auf rund 55 Millionen steigen; der Vertrag läuft bis 2031. Gekauft wurde Saibari als Variabilitätsgewinn: Er kann die Acht, die Zehn und im Notfall die Neun spielen – und damit als Kane-Vertretung dienen, eine Rolle, für die Bayern seit Jahren keine echte Lösung hatte. Seine WM in Nordamerika, bei der er für Marokko in fast jedem Spiel traf, ehe eine Verletzung ihn stoppte, trieb den Preis nach oben.
Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt, 50 Mio. €)
Position: Linksverteidiger, auch rechts und auf dem Flügel einsetzbar
50 Millionen Euro fix plus fünf Millionen Boni an die Eintracht. Der Grund für die Investition ist offensichtlich: Alphonso Davies fiel in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder aus, Konrad Laimer und Josip Stanišić mussten links hinten aushelfen. Brown, 23, deutscher Nationalspieler und bei der WM gesetzt, ist die langfristige Antwort. Dass Frankfurt ihn 2024 selbst nur für 5,5 Millionen aus Nürnberg geholt hatte, macht den Deal aus Hessen-Sicht zum Geschäft des Sommers.
Bara Ndiaye (Gambinos Stars, 3,5 Mio. €)
Position: Zentrales Mittelfeld
Die Leihe des jungen Senegalesen wurde für 3,5 Millionen Euro in einen festen Transfer umgewandelt. Ndiaye ist kein Kandidat für die Startelf, sondern Teil der Linie, die Bayern in diesem Sommer bewusst gefahren ist: statt eines dritten Großtransfers stärker auf eigene Talente setzen.
Die Abgänge im Detail
João Palhinha (Benfica, 14 Mio. €)
Der teuerste Verkauf des Sommers – und ein Verlustgeschäft. Bayern hatte den portugiesischen Sechser 2024 für 51 Millionen Euro vom FC Fulham geholt, er kam nie über die Rolle des Rotationsspielers hinaus. 14 Millionen von Benfica sind das, was der Markt noch hergab.
Noël Aséko (Eintracht Frankfurt, 12 Mio. €)
Der 20-jährige Mittelfeldspieler kehrte im Sommer von seiner Leihe bei Hannover 96 zurück und wurde direkt weiterverkauft – ausgerechnet an jenen Klub, von dem Bayern Brown geholt hatte. Zwölf Millionen Euro für einen Spieler ohne Bundesliga-Minute für die Profis sind ein solider Wert.
Daniel Peretz (Southampton, 8 Mio. €) und Alexander Nübel (Beşiktaş, 6,25 Mio. €)
Bayern räumte das Torhüter-Lager auf. Peretz‘ Leihe nach Southampton wurde für acht Millionen fest gemacht, Nübel wechselte nach seiner Stuttgarter Leihe für 6,25 Millionen nach Istanbul. Beide hatten in München keine Perspektive.
Jonah Kusi-Asare (Fulham, 6 Mio. €) und Jonathan Asp Jensen (Deportivo La Coruña, 6 Mio. €)
Zwei Talente, zwei identische Ablösen. Der schwedische Stürmer Kusi-Asare war bereits nach London verliehen, Fulham zog die Option. Der Däne Asp Jensen geht nach Spanien. Beide Wechsel folgen derselben Logik: Wer nicht in den Profikader wächst, wird zu Geld gemacht, solange der Marktwert stimmt.
Leon Goretzka (Aston Villa, ablösefrei) und Raphaël Guerreiro (vertragslos)
Zwei Abgänge, die keinen Euro einbrachten – und trotzdem entlasten. Goretzkas und Guerreiros Verträge liefen aus, mit ihnen verschwinden zwei der höchsten Gehälter aus der Bilanz. Für Goretzka, 2018 als Königstransfer aus Schalke gekommen, endet damit eine achtjährige Ära.
Weitere Abgänge
Lovro Zvonarek (Estrela Amadora, 1,5 Mio.), Wisdom Mike (Club Brügge), Maurice Krattenmacher (Elversberg) und Armindo Sieb (Los Angeles FC) verließen den Klub ebenfalls fest. Auf Leihbasis gingen Arijon Ibrahimović zum FC Augsburg (500.000 Euro Leihgebühr), Bryan Zaragoza zu Espanyol Barcelona, Felipe Chávez zum 1. FC Magdeburg, Javier Fernández nach Nürnberg und Deniz Ofli nach Karlsruhe. Nicolas Jackson kehrte nach Ablauf seiner Leihe zum FC Chelsea zurück.
Was Vincent Kompany mit dem Kader vorhat
Vincent Kompany geht in seine dritte Saison an der Säbener Straße – und bekommt mit Brown und Saibari genau das, was er im Frühjahr öffentlich eingefordert hatte: keine Masse, sondern Flexibilität. Beide Neuzugänge sind Mehrpositionsspieler, und der Trainer hat unmissverständlich erklärt, warum ihm das wichtiger war als ein dritter großer Name.
„Sie geben ihm noch mehr Variabilität, weil Nene auf der linken Seite, der rechten Seite und in der Mitte spielen kann“, sagte Kompany über Brown – mit der Konsequenz, dass Alphonso Davies künftig auch als Backup für Luis Díaz auf dem Flügel infrage kommt. Über Saibari sagte er: „Mit Ismael haben wir vorne einen, der alle Positionen spielen kann, der eine andere Art des Fußballs mit reinbringen kann.“
Zum Saisonauftakt gegen den VfB Stuttgart löste das Duo den Anspruch direkt ein: Brown traf in der 57. Minute, Saibari bereitete kurz vor Schluss Jamal Musialas Treffer vor. Auf der linken Abwehrseite hat Brown derzeit die Nase vor Davies.
Taktisch bleibt Kompanys Grundidee unverändert. Der Belgier, in seiner Spielweise stark von der gemeinsamen Zeit mit Pep Guardiola bei Manchester City geprägt, setzt auf Ballbesitzdominanz und kluge Laufwege statt auf Umschaltmomente. Was ihm bislang fehlte, war Personal, das innerhalb dieser Struktur die Position wechseln kann, ohne dass das Gerüst wackelt – genau diese Lücke schließen die beiden 50-Millionen-Männer.
Berichten zufolge hätte Kompany gerne einen dritten namhaften Neuzugang gehabt. Nach Gesprächen mit der Vereinsführung einigte man sich stattdessen darauf, den Kader zu verschlanken und Talente aus dem Nachwuchs stärker in den Profikader zu integrieren. Für Kompany bedeutet das: Er hat einen kleineren, aber flexibleren Kader – und in einer Saison mit Champions League weniger Puffer bei Verletzungen.
Einordnung: Ein Sommer der Reduktion
Der finanzielle Effekt geht über die 38,95 Millionen Minus hinaus. Durch die Abgänge von Goretzka, Guerreiro, Palhinha und Nübel fallen erhebliche Gehaltskosten weg, die in keiner Transferbilanz auftauchen. Bayern hat teurer eingekauft als verkauft, aber deutlich billiger gewirtschaftet, als die reine Ablösedifferenz vermuten lässt.
Ein Ärgernis bleibt: Sacha Boey. Der 2024 für rund 30 Millionen Euro von Galatasaray verpflichtete Rechtsverteidiger stand auf der Verkaufsliste, ein Wechsel nach Fulham platzte auf den letzten Metern. Da die Fenster der europäischen Topligen geschlossen sind, bleibt er mindestens bis Januar.
Prognose: Wo landet der FC Bayern am Saisonende?
Unsere Einschätzung: Platz 1.
Der Rekordmeister geht als Titelverteidiger in die Saison und hat sich in dem Sommer, in dem die Konkurrenz umbaut, punktgenau verstärkt. Nach dem ersten Spieltag steht Bayern mit drei Punkten an der Tabellenspitze.
Ein Blick auf die Verfolger erklärt, warum wenig für einen Machtwechsel spricht. Bayer Leverkusen startet mit Carles Martínez Novell in den zweiten Neuaufbau innerhalb von zwölf Monaten und verlor mit Alejandro Grimaldo und Piero Hincapié zwei Stammkräfte. RB Leipzig hat mit Martín Demichelis ebenfalls einen neuen Trainer und mit Yan Diomande und Loïs Openda zwei Offensivsäulen verloren. Der VfB Stuttgart, im Vorjahr noch Bayern-Verfolger, musste Chema Andrés abgeben. Bleibt Borussia Dortmund: Vizemeister der Vorsaison, unter Niko Kovač defensiv stabil, personell durch die Abgänge von Karim Adeyemi und Julian Brandt aber eher verändert als verstärkt.
Das größte Risiko für Bayern liegt nicht bei der Konkurrenz, sondern im eigenen Kader. Der Verzicht auf einen dritten Neuzugang bei gleichzeitig zahlreichen Abgängen bedeutet: Fällt in der Doppelbelastung mit der Champions League ein zentraler Spieler länger aus, wird die Bank dünn. Genau deshalb war die Variabilität von Brown und Saibari die wichtigere Investition als ein weiterer Spezialist.
Realistische Bandbreite: Platz 1 bis 2. Ein Absturz aus den Champions-League-Rängen ist bei diesem Kader kaum vorstellbar. Für die Meisterschaft müsste Dortmund eine nahezu fehlerfreie Saison spielen – und Bayern eine Verletzungswelle erwischen.

