Nianzou, Richards, Roca & co.: Der FC Bayern kann doch verkaufen

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Der Transfersommer 2022 ist noch nicht vorbei, für den FC Bayern München sind die wesentlichen Baustellen aber behoben. Vor allem für die Neuzugänge um Sadio Mane, Matthijs de Ligt und Ryan Gravenberch erntet der Rekordmeister viel Lob. Doch nicht nur hier lässt sich eine Entwicklung feststellen. 

  • FC Bayern mit positivem Sommer auf der Zu- und der Abgangsseite
  • Spielerverkäufe sorgen für wichtiges Budget
  • Rekordmeister gibt Spieler nicht mehr unter Wert ab

FC Bayern: Große Transfers ja, aber häufig einseitig

Matthijs de Ligt (67 Mio. €, Juventus) und Sadio Mane (32 Mio. €, Liverpool), zwei Neuzugänge des FC Bayern in diesem Sommer, reihen sich nahtlos in die Liste größerer Ausgaben des Rekordmeisters in den letzten Jahren ein. Auch für Dayot Upamecano (42,5 Mio €, Leipzig, 2021), Leroy Sané (60 Mio. €, Manchester City, 2020), Lucas Hernandez (80 Mio. €, Atletico, 2019) oder, denkt man noch weiter zurück, Corentin Tolisso (41,5 Mio €, Olympique Lyon, 2017) wurde viel Geld auf den Tisch gelegt. Die Mischung aus Toptransfers, aber auch einem verbesserten Scouting, das Entdeckungen wie Jamal Musiala oder Alphonso Davies ermöglichte, ist ein wichtiger Faktor des Klubs auf dem Transfermarkt. 

Zwar gab es in den vergangenen Transferperioden auch auf der Zugangsseite immer wieder etwas Kritik, der Sommer 2022 zeigte aber eine Entwicklung. Der FC Bayern bereitet seine Deals besser vor, zeigt potenziellen Neuverpflichtungen einen klaren Plan auf und einigt sich über den Berater früh mit der Spielerseite. Behält man diese Strategie bei, dürfte es auch in den kommenden Jahren zu Situationen geben, in denen sich andere potenziell interessierte Klubs den Einstieg in die Verhandlungen sparen können, weil der Spieler dem Rekordmeister bereits zugesagt hat. 

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Der FC Bayern musste sich oft nachsagen lassen, Spieler verkauft zu haben, ohne eine adäquate Summe eingenommen zu haben. Mitunter handelte es sich bei verdienten Spielern um Freundschaftsdienste, aber auf Dauer kann so etwas im hart umkämpften Markt Profifußball zu Nachteilen führen. Positivbeispiele gibt es, Douglas Costa seinerzeit für 40 Millionen Euro an Juventus verkauft zu haben, war ein Geniestreich. Zu häufig gelang es aber nicht, derartige Summen einzustreichen. 

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Der FC Bayern lernt von anderen Klubs

Wirtschaftlich ist der FC Bayern generell kerngesund. Das liegt daran, dass nicht zu große Risiken eingegangen werden. Sportlicher Erfolg ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Die Optimierung in allen Bereichen ist vor allem deswegen wichtig, um mit den finanziell enteilten Klubs aus England mithalten zu können. Chelsea, Manchester City und co. haben nicht nur schwerreiche Eigentümer hinter sich, sondern kassieren viel mehr Fernsehgeld als Klubs in der Bundesliga. Wenn dann noch Transfergelder hinzukommen, bei denen die englischen Teams das Potenzial besser ausschöpfen, wird es eng.

Als ein Beispiel dient der FC Liverpool. Dieser verkaufte in den letzten Jahren Neco Williams, Takumi Minamino, Harry Wilson, Danny Ings, Dominic Solanke, Danny Ward und Jordon Ibe für deutlich mehr als 100 Millionen Euro. All diese Spieler hatten nur noch einen kurzen Restvertrag oder spielten keine große Rolle. Auch andere große Vereine haben ähnliche Erfolgserlebnisse bei Spielerabgängen zu verzeichnen, lassen sich häufig noch Weiterverkaufsbeteiligungen oder eine Rückkaufoption in den Vertrag einbauen. 

Außerdem ist es bei anderen Klubs nicht unüblich, dass Spieler lieber ein Jahr länger verliehen werden, damit der mögliche Verkaufswert steigt, als sie frühzeitig abzugeben. Nun muss und sollte der FC Bayern keine „Loan Army“ aus einer zweistelligen Anzahl an Leihspielern aufbauen, aber sich zumindest die Option offen halten, immer wieder jungen Talenten Spielpraxis bei einem anderen Klub zu offerieren, um die Entwicklung auf höherem Niveau beobachten zu können. Aktuell scheint sich ein Trend zu zeigen: Der FC Bayern hat dazugelernt.

Nianzou, Roca & co.: Beispiele, die zeigen, wo die Reise hingehen kann

Der Sommer 2022 hatte es beim FC Bayern bis dato in sich, was die Kaderbewegungen angeht. Knapp 140 Millionen Euro gab der Rekordmeister aus, was generell nicht ungewöhnlich ist. Die Einnahmen, die für viele Ergänzungsspieler erwirtschaftet wurden, sind es aber. Abgesehen von Spielern wie Lars Lukas Mai (Lugano), Christian Früchtl (Austria) oder Ron-Thorben Hoffmann (Braunschweig), die für kleine Summen wechselten, klingelte die Kasse bei anderen Abgängen. 

Marc Roca, den es zu Leeds United zog, kostet die Engländer zwölf Millionen Euro, weitere Boni können noch hinzukommen. Für Omar Richards nahm der FC Bayern knapp neun Millionen Euro ein, auch hier sind noch weitere Bonuszahlungen fällig und relativ leicht erreichbar. Der Linksverteidiger kam ein Jahr zuvor ablösefrei. Chris Richards, den es zu Crystal Palace zog, brachte ebenfalls eine zweistellige Millionensumme ein, auch hier wurde mit Boni gearbeitet. Robert Lewandowski wurde solange der Abgang verwehrt, bis der FC Barcelona 45 Millionen Euro für einen Spieler mit einem Jahr Restvertrag bot. 

Das jüngste Beispiel ist Tanguy Nianzou, seinerzeit ablösefrei von PSG gekommen. Er wechselt für 16 Millionen Euro zum FC Sevilla, vier Millionen Euro können in Bonuszahlungen hinzukommen, der Rekordmeister wird an einem Wiederverkauf beteiligt und hat sich eine Rückkaufoption gesichert, sodass auf alles reagiert werden kann. Joshua Zirkzee dürfte auch noch für eine zweistellige Millionensumme wechseln, wodurch sich die Nettoausgaben nicht einmal mehr auf 40 Millionen Euro belaufen würden.

Die Integration von jungen Spielern in den Profibereich, die Bereitschaft, Spieler zu verleihen, um ihnen Spielpraxis zu geben, kluge und gut vorbereitete Transfers auf der Zugangsseite und gute Verhandlungen mit guten Lösungen auf der Abgangsseite machen das Transferfenster des Rekordmeisters zum ersten Mal seit längerer Zeit so richtig rund. Es scheint aktuell, als hätten Hasan Salihamidzic und co. die Lehren aus den letzten Jahren gezogen. Jetzt geht es nur darum, die Veränderungen, die vorgenommen wurden, auch auf Dauer zu beherzigen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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