Mehr Kompetenz, mehr Weitblick: Wie Christoph Freund den FC Bayern revolutionieren will & muss

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Im September 2023 nahm Christoph Freund, der neue Sportdirektor beim FC Bayern München, seine Arbeit an der Säbener Straße auf. Nach einer Phase, in der Ungewissheit den Klub prägte. Ungewissheit vor allem bei der Struktur und Vision im Klub. Ansätze waren da, die Verbindungen fehlten. 

Das soll sich nun nachhaltig ändern. Es sind zwar kaum mehr als zwei Monate nach Amtsantritt vergangen, aber die ersten Tendenzen und Richtungswechsel lassen sich erkennen. Das liegt unter anderem an der enormen Akribie, mit der der Österreicher seine Ideen vorantreibt. Und die Umsetzung dieser hat gerade erst begonnen.

Christoph Freund hinterlässt Eindruck

Es war eine mehr oder weniger glückliche Fügung, dass Christoph Freund (46) im Sommer diesen Jahres zum FC Bayern wechselte. Mehrere Faktoren spielen bei einem solchen Wechsel eine Rolle. Da wäre der Bedarf, der zweifelsohne vorhanden war, nachdem es das Bosse-Beben rund um den letzten Spieltag der Saison 2022/23 gab. Dann muss es aus Sicht des Klubs einen passenden Kandidaten geben, der in das Anforderungsprofil passt. Und auch das war der Fall. Die letzte Komponente war der Österreicher selbst, der einem Wechsel zustimmen musste.

 



In diesem Fall hatte der Rekordmeister einen Standortvorteil. Freund ist ein Familienmensch, lehnte deswegen auch eine lukrative Offerte aus England ab. Dem FC Bayern sagte er aber zu, denn von München nach Salzburg ist es nicht weit. Dass es keine klare Trennung von der Familie gab und sich der neue Sportdirektor nicht wirklich akklimatisieren musste, half enorm weiter. Denn nach einer Transferperiode, die alles andere als ideal lief und einen auf Kante genähten Kader hinterließ, war sofort viel zu tun.

Freund

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der neue Mann beim Rekordmeister hinterließ prompt einen guten Eindruck. Schon die Antrittspressekonferenz war mit Aussagen gespickt, die Musik in den Ohren der Fans gewesen sein dürften. Eine bessere Aus- und Weiterbildung der Jugend sei das Ziel, Talente sollen entwickelt und gefördert werden, aber bei all dem wolle man nicht vergessen, die Mannschaft immer wieder mit einzelnen Toptransfers zu verstärken. Kurzum: Freund deutete an, mit mehr Weitblick handeln und den FC Bayern auf mehr Szenarien hinsichtlich des Bedarfs bei der Kaderplanung vorbereiten zu wollen.

Doch reden ist natürlich nur ein Aspekt von vielen. Es müssen auch Veränderungen vorgenommen werden. Alles zu hinterfragen und gegebenenfalls zu optimieren ist ein zentraler Aspekt. Beim FC Bayern herrschte auch schon vor der Installierung von Freund einiges an Basiskompetenz. Dafür zu sorgen, dass alle Rädchen ineinandergreifen, war aber nun die schwierige Aufgabe. Und die ersten Anpassungen sind erkennbar. Sie zeigen, wohin der Weg gehen könnte.

FC Bayern: Freund startet mit den Basics & plant langfristig

Doch was hat der 46-Jährige konkret gemacht? Zunächst einmal hat er sich eingearbeitet, akklimatisiert und die Strukturen kennen gelernt. Anschließend ließ er seinen Worten hinsichtlich der Transferpolitik, was vielversprechende Talente angeht, Taten folgen. Nestory Irankunda (17), ein sehr talentierter Offensivspieler aus Australien, wird im Sommer 2024 nach München wechseln. Transfers wie diesen wird es beim Rekordmeister in Zukunft wohl häufiger geben, denn das Ziel ist es, potenzielle Topspieler schon zu erkennen, zu verpflichten und ihnen eine Perspektive anzubieten, ehe sie viel Geld kosten. Eine gute Erfolgsquote dabei erhöht die Chance, häufiger auf einzelnen Positionen Weltklasse hinzuzuholen, Harry Kane (30) dient dabei als Beispiel.

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Zudem verschaffte sich Freund einen Überblick, wie es am Campus zugeht. Die Juniorenmannschaften des FC Bayern haben in den letzten Jahren zwar immer mal wieder Spieler auf Bundesliganiveau hervorgebracht, aber es fehlte eine klare Struktur und auch ein gewisser Wiedererkennungswert auf dem Platz. Auch hier wurde nachgeholfen: Rene Maric (31), Ex-Co-Trainer von Marco Rose, wechselte kürzlich an den Campus. Er soll als Teamleiter Trainerentwicklung und Spielidee dafür sorgen, dass der gesamte Nachwuchsbereich klare Leitlinien erhält und die Trainer diese in ihren Jahrgängen optimal umsetzen. Diese Idee könnte dafür sorgen, dass der FCB bei idealer Umsetzung langfristig enorm profitiert. 

Christoph Freund gelingt es, früh in seiner Amtszeit sehr viel Kompetenz hinzuzufügen. Schon im Sommer installierte er Richard Kitzbichler (49) , der den Toptalenten vom Campus beim Übergang in den Profibereich helfen soll. In München wirkt seit dem Sommer alles ein wenig mehr durchdacht, koordinierter. Dabei wird ein Schritt nach dem anderen vorgenommen und nicht auf einmal alles auf den Kopf gestellt. Auch das ist ein wichtiger Faktor, den Freund vorantreibt. Es wird ein Baustein hinzugefügt, dann wird sich aufeinander eingestellt und nach weiteren möglichen Anpassungen geforscht, die langfristige Auswirkungen haben sollen.

Es mag nicht einfach sein, bestehende Strukturen bei einem solch großen Klub zu verändern und zu revolutionieren. Nach den letzten Jahren zeigt sich aber, dass genau das nötig ist, damit der Rekordmeister nicht irgendwann Gefahr läuft, den Anschluss nach ganz oben zu verlieren. Eine Revolution muss dabei, wie Freund bisher zeigt, auch nicht immer radikal sein, sondern es reicht schon, an den richtigen Stellschrauben zu drehen und eine Strategie im Klub zu etablieren, die jeder mitgeht. Und diese Aufbruchstimmung scheint sich langsam einzustellen. Da irritiert es auch niemanden, dass Max Eberl (50) möglicherweise irgendwann als neuer Sportvorstand beim FCB anheuert.

Vertragsverlängerungen und Wintertransferfenster: Die größten Baustellen

Bei aller Euphorie gilt es zu beachten: Zwei der schwierigsten Aufgabenbereiche kommen jetzt erst so wirklich auf Freund zu. Dabei handelt es sich zum einen um Vertragsverlängerungen. Der FC Bayern hat einige Spieler, die nicht mehr lange gebunden sind. Sven Ulreich (35), Manuel Neuer (37) und Thomas Müller (34) stehen bis 2024 unter Vertrag und sollen jeweils noch ein Jahr dranhängen, wenn nicht gar mehr. Ein Jahr später laufen die Verträge von Joshua Kimmich (28), Leroy Sané (27) und Alphonso Davies (23) aus. Viele intensive Gespräche sind notwendig, vor allen Dingen muss von Klubseite dafür gesorgt werden, dass den Spielern sowohl persönlich als auch was das Gesamtpaket angeht eine lukrative Zukunft offeriert wird. An Davies baggert bereits Real Madrid, Sané ist derzeit in der Form seines Lebens. 

Davies Freund Bayern

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Einen kühlen Kopf zu bewahren, ist hier sehr wichtig. Ebenso, bald ein Erfolgserlebnis zu präsentieren. Verlässt nämlich ein Spieler den Klub, kann das Signalwirkung auf die anderen Akteure haben. Und für den Fall der Fälle müsste auch schon frühzeitig ein passender Ersatz im Blickfeld stehen. Es muss also auf vielen Ebenen gleichzeitig gearbeitet werden, was die Überleitung zu Baustelle Nummer zwei ist. Der dünne Kader, der am Deadline Day eben nicht mehr verstärkt wurde, benötigt im Winter eine Frischzellenkur. Nicht zuletzt, weil Min jae-Kim (27) die Asienmeisterschaft spielt und Noussair Mazraoui (26) und Eric Maxim Choupo-Moting (34) für den Afrika-Cup abgestellt werden. Schon ohne diese Abstellungen muss improvisiert werden. 

Freund deutete zuletzt allerdings an, dass man die Planungen für den Winter schon vorantreibt. Schaut man auf den Kader, dann wäre es sinnvoll, einen klassischen Sechser zu verpflichten und mindestens noch einen Verteidiger dazuzuholen. Ideal wäre es sogar, einen Rechts- und einen Innenverteidiger zu verpflichten, möglicherweise auch ein Leihgeschäft zu integrieren. Denn mit dem Winter ist es nicht getan, im Sommer stehen weitere, wenn die Wintertransferperiode erfolgreich war, eher kleine Anpassungen an. Und klar ist auch: Je ausgeglichener der Kader in der Rückrunde ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, nach der EM einen Vorstoß bei Florian Wirtz (20) zu wagen. Spieler aus Deutschland mit diesem Format will der Klub immer in seinen eigenen Reihen haben.

Es ist also erst einer von sehr vielen Schritten getan. Doch Christoph Freud ist zuztutrauen, den nötigen Weitblick mitzubringen, um in den kommenden Monaten den Kurswechsel in München weiter voranzutreiben. Und wer weiß, vielleicht holt er sich ja noch ein, zwei Personen in sein umfassendes Kompetenzteam.

(Photo by Leonhard Simon/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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