Vor einem Jahr kam Leon Jensen ablösefrei zurück in den Klub, in dessen Jugend er ausgebildet worden war. Jetzt geht er ablösefrei wieder – zum Ligakonkurrenten, in einem Sommer, den man in Berlin am ehesten über eine Zahl erzählt.
390 Minuten, dann gar keine mehr
Die Bilanz des Rückkehrers ist schnell erzählt. Sieben Zweitligaspiele, 390 Minuten Spielzeit, ein Jahr, das auch von Verletzungen geprägt war. In der laufenden Saison fand der 29-Jährige bei den Profis überhaupt keine Berücksichtigung mehr; sein einziger Einsatz kam im Regionalligateam beim 2:1 gegen Lok Leipzig. Zuletzt war er auch dort außen vor.
Stefan Leitl hat daraus keinen Hehl gemacht. „Mit Leon sind die Gespräche sehr offen“, sagte der Hertha-Trainer über den Umgang mit einem Spieler, den er nicht mehr einplante. Das ist die höfliche Variante von: Er weiß Bescheid.
Bielefeld zahlt nichts – und bekommt trotzdem etwas
Weil die Berliner Jensens Gehalt (Vertrag bis 2027) von der Liste bekommen wollten, wird keine Ablöse fällig. Für den Fall des Bielefelder Klassenerhalts hat Hertha allerdings eine Prämie ausgehandelt. Beim DSC unterschrieb Jensen einen Einjahresvertrag mit Option, er trägt die Nummer 31 und setzte sich im Werben um ihn ausgerechnet gegen Aufsteiger VfL Osnabrück durch.
Arminia braucht ihn. Drei der ersten vier Pflichtspiele gingen verloren, im Pokal war beim Drittligisten Großaspach Schluss. Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel setzt entsprechend auf sofortige Wirkung: „Leon ist ein Spieler, der unsere Mannschaft qualitativ sofort verstärken“ werde. Jensen bringt 82 Zweitliga- und 110 Drittligaspiele mit.
Sechzehn Abgänge, ein Ziel: Eigenkapital
Der Fall Jensen ist ein Nebensatz in einer größeren Rechnung. Hertha will in diesem Sommer einen Transferüberschuss von rund 15 Millionen Euro erwirtschaften, um das negative Eigenkapital zu drücken. Die beiden großen Posten sind längst gebucht.
| Spieler | Neuer Klub | Kolportierte Ablöse |
|---|---|---|
| Kennet Eichhorn | Bayer Leverkusen | 9 Mio. € |
| Fabian Reese | VfL Wolfsburg | 8 Mio. € |
| Leon Jensen | Arminia Bielefeld | ablösefrei, Klassenerhalts-Prämie |
Dazu kamen Tjark Ernst zu Feyenoord, Marten Winkler zu Anderlecht, Michaël Cuisance zu Lens, Michał Karbownik nach Istanbul, Maurice Krattenmacher nach Elversberg – und eine Reihe kleinerer Trennungen bis hinunter in die dritte und vierte Liga. Gegengerechnet stehen unter anderem Mads Pedersen, Farid Alfa-Ruprecht und zuletzt Gustaf Nilsson.
Ein Kader, der schrumpft, und eine Bilanz, die es muss
Sechzehn Abgänge sind keine Kaderpflege mehr, das ist eine Neuaufstellung unter Aufsicht der Buchhaltung. Man kann das als überfälligen Schnitt lesen – und muss dann zur Kenntnis nehmen, dass Hertha im dritten Zweitligajahr nacheinander wieder bei null anfängt.
Jensen, der Berliner, der über Zwickau, Dudelange und Karlsruhe zurückkam und nach einem Jahr wieder ging, ist dafür die passende Fußnote. Wer zu Hause ankommt, hat noch lange keinen Platz.

