Hertha | Luca Netz – „Ein Riesenrohdiamant“ beginnt zu leuchten

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Spotlight | Spätestens mit seinem Treffer gegen den VfB Stuttgart hat sich Luca Netz auf den Radar der Öffentlichkeit gebracht. Es hat ihn zum jüngsten Bundesligatorschützen der Hertha-Historie gemacht. Das Berliner Eigengewächs ist der beinahe einzige Lichtblick in dieser so enttäuschenden Saison von Hertha BSC.

Netz rettete Hertha gegen Stuttgart einen Punkt

Die Saison 2020/21 von Hertha BSC fühlt sich wie eine Mario-Kart-Rennstrecke an, auf der nur Bananenschalen liegen. Nur Ausrutscher, man kommt nicht vom Fleck, reine Frustration. Eigentlich sollte diese Spielzeit eine reine Regenbogen-Passage werden, gelandet ist man im Graben. Nun ist Luca Netz (17) in diesem Gleichnis womöglich nicht gleich das Stern-Item, das einen ungehindert über die Strecke flitzen lässt. Er macht die Fahrt als Hoffnungsschimmer dennoch angenehmer.

Zumindest hat das Berliner Eigengewächs am vergangenen Wochenende dafür gesorgt, dass Hertha nicht als Letzter über die Ziellinie getuckert ist. In der 79. Minute eingewechselt, sorgte Netz drei Minuten später für den 1:1-Ausgleichstreffer gegen den VfB Stuttgart. Die Hereingabe nahm der Linksverteidiger durch einen verunglückten Schussversuch so mit, dass er plötzlich an allen Verteidigern vorbei war. Noch kurz die Beine sortieren und mit 17 Jahren und 274 Tagen steht das erste Profitor. „Das war eine gute Finte“, scherzte der gebürtige Berliner im Interview nach dem Spiel. Sein Tor und diese Aussage erzählen viel über den jüngsten Bundesliga-Torschützen der Hertha-Historie.

Dardai vertraut Netz

Zunächst zum Tor an sich. Um es zu schießen, musste Netz erst einmal von Trainer Pal Dardai (44) eingewechselt werden. Dass der Ungar einen 17-Jährigen in Herthas aktuell so brenzlicher Situation und beim Stand von 0:1 in die Partie bringt, spricht für das Vertrauen, dass Dardai Netz entgegenbringt. Netz kam für Maximilian Mittelstädt (23) in die Begegnung, der vor fünf Jahren im Alter von 18 Jahren ebenfalls unter Dardai debütiert hatte. Ein blau-weißes Déjà-vu. Es war ein positionsgetreuer Wechsel, allerdings traute Dardai Netz offensiv deutlich mehr zu. Der deutsche U17-Nationalspieler überzeugt vor allem mit seiner großen Dynamik und der Zielstrebigkeit, sich aktiv ins Offensivspiel einzuschalten. So ist es etwas ungewöhnlich, bei Netz‘ Spielanlage aber kein Zufall gewesen, dass der Linksverteidiger im Strafraum auftauchte und das Tor machte.

Foto: IMAGO

„Er ist ein Riesenrohdiamant“, sagte Dardai dem Tagesspiegel über Netz. „Er ist ein vorbildlicher Spieler, fußballverrückt und will sich weiterentwickeln.“ Dardai muss es wissen, bereits in seiner ersten Amtszeit als Herthas Profi-Trainer hatte er ein besonderes Auge für den Nachwuchs. Der Ur-Herthaner verhalf Spielern wie Jordan Torunarigha (23), Mittelstädt oder Arne Maier (22) zu ihrem Profidebüt und der anschließenden Etablierung in der Bundesliga. Zuletzt arbeitete der 44-Jährige erneut selbst in Herthas Jugendakademie als U16-Trainer. Dardai erkennt Talent und fördert es gerne. Vor ein paar Jahren sprach er immer wieder davon, aus Hertha eine Art „Mini-Ajax“ machen zu wollen.

Netz ist sportlich wie mental für die Bundesliga bereit

Dardai ist allerdings nicht der Entdecker von Netz. Obwohl erst 17 Jahre alt, schwirrt sein Name bereits seit ein paar Jahren durch das Berliner Umfeld. Es gibt immer wieder Jugendspieler, deren herausragendes Talent bereits in sehr jungem Alter so hervorsticht, dass der Satz „Achte mal auf (…), da kommt jemand echt Vielversprechendes nach.“ Netz ist so jemand. Davor war es bei Hertha Lazar Samardzic (18), der sich jedoch für einen Wechsel nach Leipzig entschied. Samardzic kam wie Netz noch unter Ex-Trainer Bruno Labbadia (54) zu seinem Profidebüt, mittlerweile hat er bereits sieben Bundesliga-Einsätze auf dem Konto, zwei davon von Beginn an. Samardzic steht bei RB übrigens bei fünf Einsätzen, knapp 20 Minuten hat er insgesamt weniger gespielt als Netz, der in der Hinrunde noch von einem Fußbruch außer Gefecht gesetzt wurde.

Neben seinem Treffer, stellvertretend für sein sportliches Potenzial, zeichnet Netz jedoch auch seine Reife aus. Dass sich ein 17-Jähriger nach seinem ersten Profitor so cool präsentiert und bei einem Missgeschick scherzhaft von einer „Finte“ spricht, zeigt, wie weit er für sein Alter ist. Netz scheint die goldene Mitte aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit zu treffen. Dardai schätzt seine professionelle und bodenständige Art. „Man muss keine Angst haben, dass er jetzt im Ferrari zum Training kommt“, beschreibt Herthas Trainer den Charakter des Youngsters.

Netz entscheidet sich gegen Bayern und für Hertha

Netz‘ klarer Blick lässt sich auch daran festmachen, dass er noch bei Hertha spielt. Bereits seit einigen Jahren wird der Linksverteidiger von zahlreichen Topklubs beobachtet, allen voran der FC Bayern München hat immer wieder an Netz gebaggert. Dieser entschied sich jedoch für die Ausbildung bei der „alten Dame“, wo er seit 2010 spielt. Zuletzt soll das Interesse des deutschen Rekordmeisters einmal mehr entflammt sein, Netz aber wird wohl weiter seinen Weg in Berlin gehen. Sportdirektor Arne Friedrich (41) bestätigte dem Sport1-Doppelpass, dass Verhandlungen bezüglich einer Vertragsverlängerung „weit fortgeschritten“ sein. „Wir haben einen Plan mit ihm. Ich bin sehr, sehr optimistisch, dass wir noch lange viel Freude an Luca haben werden.“

Netz traf dazu öffentlich noch keine Aussage, aber er formulierte das Ziel, „Stammspieler zu werden, vielleicht schon in dieser Saison.“ Mit Pal Dardai hat Netz jedenfalls den idealen Förderer als Trainer. Er weiß genau, mit ihm umzugehen und scheut sich nicht, ihn auch in sportlich entscheidenden Situationen spielen zu lassen. Gegen den VfB Stuttgart hat es schon einmal geklappt. Darüber hinaus scheint die Konkurrenz in Person von Mittelstädt und Marvin Plattenhardt (29) aufgrund der zuletzt mäßigen Leistungen nicht unüberwindlich. Der bereits bekannte Slogan trifft nach wie vor nur bedingt auf den Verein Hertha BSC zu, aber: Luca Netz gehört auf jeden Fall die Zukunft.

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Marc Schwitzky

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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