Frankfurt-Neuzugang Kolo Muani im Porträt: Der unorthodoxe Unterschiedsspieler

Kolo Muani
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Anfang März gab Eintracht Frankfurt bereits die Verpflichtung von Randal Kolo Muani bekannt. Der Angreifer wechselt vom FC Nantes aus der französischen Ligue 1 zu den Hessen und dient als Verstärkung für die Offensive.

Zugegeben, zu den Superstars in Frankreichs höchster Spielklasse gehört Randal Kolo Muani (23) nun nicht. Trotzdem kann die Verpflichtung des Stürmers für Eintracht Frankfurt ein Coup sein, denn die Qualitäten, die dieser Spieler auf den Platz bringen kann, finden sich nicht häufig.

Kolo Muani: Stetige Entwicklung beim FC Nantes

Aus der Jugend des US Torcy wechselte Randal Kolo Muani im Sommer 2015 zum FC Nantes, um dort für die U19 aufzulaufen. Dieser Schritt war für die Karriere des Angreifers entscheidend, der wichtige Sprung in den Dunstkreis des Profifußballs geglückt. In Nantes ging er dann die nächsten Schritte: U19, Einsätze in der 2. Mannschaft und schließlich der Profivertrag im Sommer 2017 mit 18 Jahren. Punktuell reichte es in der Saison 2017/18 schon für einen Kaderplatz, nicht aber für Einsatzminuten. Sein Debüt in der Ligue 1 feierte der Stürmer 2018/19, als er am 15. Spieltag gegen St. Etienne eingewechselt wurde. 



Schritt für Schritt arbeitete sich der Angreifer, der nicht bei einem Topklub ausgebildet wurde und entsprechend das ein oder andere Defizit mitbrachte, näher an das Ligue-1-Niveau heran. Kolo Muani reifte zum U21-Nationalspieler, wurde 2018/19 nach Boulogne verliehen und sammelte erstmals mehr Spielpraxis, steuerte dabei acht Scorerpunkte bei. Eine Ausbildung auf hohem Niveau ist eine Sache. Talent, Wille und Durchsetzungsvermögen sind aber ebenso wichtig, damit eine Karriere einen guten Verlauf nimmt. Faktoren wie Glück kommen außerdem hinzu. Ein Spieler muss manchmal auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

2020/21 kehrte der damals 21-Jährige zurück zum FC Nantes. Gereift nach der Leihe und hochmotiviert, endlich zu beweisen, welche Qualität in ihm steckt. Und das gelang auch, denn der Durchbruch folgte. 41 Pflichtspiele, zehn Tore und neun Vorlagen sind insbesondere angesichts der vielen Probleme des Traditionsklubs, der große Abstiegssorgen hatte, formidabel. Kolo Muani fungierte als wichtigster Spieler in der Offensive, war eine Art Lebensversicherung. In der abgelaufenen Saison, die für den Klub deutlich besser lief, kamen noch einmal 13 Tore und sieben Vorlagen hinzu.

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Viel mehr als nur Zug zum Tor

„Randal Kolo Muani bringt Fähigkeiten mit, die wir für unser Spiel benötigen. Er ist schnell, robust und hat einen sehr guten Torabschluss“, beschrieb Sportvorstand Markus Krösche das Profil des Neuzugangs, als die Pressemitteilung zur Verpflichtung des 23-Jährigen veröffentlicht wurde. Diese Beschreibung ist eine oberflächliche, dem Umstand angemessene. Denn wer veröffentlicht bei der Verkündung eines Transfers schon ein ausführliches Spielerprofil? Im Fall von Kolo Muani ist es jedoch sinnvoll, genauer hinzuschauen, wie es die Scoutingabteilung der Hessen getan hat. Mit einer Beschreibung in zwei oder drei Sätzen, soviel vorweg, würde allerdings jeder, der den Spieler intensiver unter die Lupe genommen hat, scheitern.

Kolo Muani

(Photo by LOIC VENANCE/AFP via Getty Images)

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass der Offensivspieler eben keine Ausbildung in einer Akademie genossen hat, aber sein Spielstil lässt sich am ehesten mit dem Wort „unorthodox“ bezeichnen. Zunächst fällt auf, dass der Franzose in mehreren Systemen und auf mehreren Positionen zum Einsatz kommen kann. Ob als Sturmtank, als hängende Spitze oder auf der Außenbahn, sofern es in einem System mit einer Viererkette ist: Überall kann Kolo Muani seine Qualitäten ausspielen und ein Gewinn für die Mannschaft sein. Seine Arbeitsrate ist hoch, er geht viele Wege, überzeugt durch Einsatz und setzt auch im Pressing Akzente. Fähigkeiten, die von SGE-Trainer Oliver Glasner geschätzt werden dürften.

Der Neuzugang der Hessen lässt sich nicht in eine Kategorie einordnen, sondern ist ein Allrounder, mit Stärken und Schwächen in fast allen Bereichen des Spiels. Punktuell wirkt der 23-Jährige etwas schwerfällig, fast langsam im Kopf, nur um dann im nächsten Moment eine gute Idee zu entwickeln oder einen dynamischen Antritt zu starten, der die gegnerische Defensive vor Probleme stellt. Sein Passspiel ist mindestens ordentlich, seine Übersicht auf einem guten Niveau, genau wie die Entscheidungsfindung. Hat er Platz, kann er durch seine Dynamik für Furore sorgen. Gut für Frankfurt: Gerade in den Spielen gegen große Teams wie PSG zeigte Kolo Muani ansprechende Leistungen. Beim 3:1-Erfolg gegen den Branchenprimus in der Vorsaison erzielte er ein Tor und war an extrem vielen Offensivaktionen beteiligt.

Spannend zu beobachten sind vor allem die Bewegungsabläufe des 23-Jährigen. Diese wirken oft unorthodox, wenig natürlich, nicht immer flüssig, aber der Erfolg gibt dem Spieler recht. Der Franzose ist auch keinesfalls unbeweglich, auf den Beinen sogar sehr schnell, weiß das aber in einigen Momenten zu verbergen, was ihm nicht einmal negativ ausgelegt werden darf. Denn Randal Kolo Muani hat sich gerade wegen seiner Art zu einem der vielseitigsten Offensivspieler der Ligue 1 entwickelt, der den Unterschied ausmachen kann. Im bisher von Frankfurt bevorzugten 3-4-2-1-System könnte der Neuzugang hängend oder als Spitze agieren, in einem 4-3-3, das durchaus eine Möglichkeit sein dürfte, im Zentrum und über die Außenbahn kommend, vor allem, wenn ein aktiver Außenverteidiger hinter ihm spielt, der ihm Bewegungen in die Mitte erlaubt.

Kolo Muani auch neben dem Platz ein Gewinn

Fußballerisch ist der Neuzugang von Eintracht Frankfurt also über jeden Zweifel erhaben. Doch wie präsentiert sich der 23-Jährige neben dem Platz? „Er behauptete sich im Laufe der Zeit nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz, gewann viel Selbstvertrauen. Kolo Muani ist ein super Junge, der sehr gut in der Gruppe integriert war, viele Witze machte. Als er den Abschied nach Frankfurt bekannt gab, ergriff er vor den Teamkollegen das Wort und sagte ihnen, dass er alles für den FC Nantes geben werde, auch wenn er bei einem anderen Klub unterschrieben hat“, teilte David Phelippeau, Journalist für RMC Sport in Frankreich, der den Klub sehr genau beobachtet, 90PLUS mit.

Auch aus Sicht des Journalisten stimmen auch die charakterlichen Werte: „Er war kein großer Redner, aber auch vor den Mikrofonen wuchs das Selbstvertrauen zuletzt. Er ist ein sehr höflicher und respektvoller Junge, wirklich gut erzogen.“ Häufig ist die Rede davon, dass bei einer Verpflichtung eines neuen Spielers auch darauf geachtet wird, dass dieser zur Mannschaft passt und ein angenehmer Mensch ist. Es scheint, als hätte Eintracht Frankfurt bei der Verpflichtung von Randal Kolo Muani auf alles geachtet und einen Spieler in die Mainmetropole gelotst, der nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich einiges mitbringt, um zu einem absoluten Volltreffer zu werden. Eingewöhnungszeit muss ihm aber zweifelsohne zugestanden werden.

(Photo by SEBASTIEN SALOM-GOMIS/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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