Niko Kovac und der VfL Wolfsburg: Die Frage nach der Langfristigkeit

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Die Trainersuche beim VfL Wolfsburg ist vorüber. Die Nachfolge von Florian Kohfeldt tritt ein alter Bekannter aus der Bundesliga an: Niko Kovac. Der Kroate unterzeichnete einen Vertrag bis zum Sommer 2025 bei den Niedersachsen. 

In den letzten Jahren ist Niko Kovac (50) zweifelsohne gereift, hat viele Erfahrungen sammeln können, unter anderem auch im Ausland, wo er die AS Monaco betreute. Er ist ein kompletterer Trainer nach den letzten Jahren. Trotzdem bleiben Fragen offen, die er in seiner Amtszeit beantworten muss.

Niko Kovac soll Wolfsburg stabilisieren

Hinter dem VfL Wolfsburg liegt eine turbulente Saison. Nach dem Abgang von Oliver Glasner (47) in Richtung Frankfurt sollte Mark van Bommel (45) die vorhandene Basis veredeln. Das gelang dem Niederländer aber nicht und nach einer Negativserie zog der VfL Wolfsburg die Reißleine. Nachfolger wurde Florian Kohfeldt (39), der zwar vereinzelt gute Ergebnisse einfuhr und das Team vor dem Worst Case, nämlich die Abstiegskampf bis zum Ende der Saison, bewahrte, aber auch nicht für nachhaltige Verbesserungen sorgte. Der Kader gibt mehr her als Platz zwölf und 42 Punkte, da waren sich alle Beteiligten einig.

Im Anschluss an die Saisonanalyse erfolgte auch die Trennung von Kohfeldt. Wolfsburg suchte nach einem Trainertypen, der aus einem guten Kader zumindest das herausholt, das drinsteckt. Ein Typ, der die Mannschaft erreicht, ihr eine gewisse Struktur mit auf den Weg gibt und eine Idee hat, die er mit ihr umsetzen will. Niko Kovac soll nun dieser Trainer sein. Der Klub signalisiert ihm mit einem Vertrag bis zum Sommer 2025, dass er ihm vertraut, langfristig interne Abläufe zu optimieren. Eine Stabilisierung, die Schritt für Schritt erfolgt, ist das Ziel in Wolfsburg. Platz vier in der ersten Saison von Kovac? Das ist nicht der Anspruch. Vielmehr soll eine Spielidee entwickelt und verfolgt werden, der Kader muss den Anforderungen entsprechend verfeinert werden.

Natürlich ist Wolfsburg eine Mannschaft, die um die europäischen Plätze mitspielen kann und will. Nur müssen die Ansprüche auch zur Realität passen. In der Bundesliga finden sich sowohl Klubs, die in den letzten Jahren durch Kontinuität glänzten und in denen ein Rad in das andere greift, aber auch Mannschaften, die individuell einfach besser besetzt sind. Von heute auf morgen ist das nicht vollumfänglich aufzuholen.

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Frankfurt, FC Bayern, Monaco: Kovac sammelte Erfahrungen

Der Job in Wolfsburg ist der dritte, den Kovac in der Bundesliga antritt. Von 2016 bis 2018 war er bei Eintracht Frankfurt tätig. 91 Spiele, eine Stabilisierung der Mannschaft, 1,54 Punkte im Schnitt pro Spiel und ein Titel im DFB-Pokal stand am Ende als Fazit hinter seiner Zeit. Seine beiden vollen Spielzeiten in Frankfurt schloss Kovac mit dem Team auf Platz elf und acht, auch bedingt durch viel Unruhe um seinen Wechsel nach München, ab. Die Zeit in Frankfurt war extrem lehrreich, schließlich war dies sein erster Cheftrainerjob bei einer Vereinsmannschaft. 

Beim FC Bayern war nach nicht einmal 1 1/2 Jahren Schluss. In der ersten Saison gewann Kovac mit dem Rekordmeister zwar das Double, schied aber in der Champions League gegen den FC Liverpool aus, machte die Meisterschaft bis zum letzten Spieltag spannend und hatte einige sehr schwache Spiele in petto. Kovac musste sich in München über weite Teile seiner Amtszeit mit Kritik auseinandersetzen, die er insbesondere in der zweiten Saison auch selbst befeuerte.

Kovac

(Photo by ARIS MESSINIS/AFP via Getty Images)

Bis zu seiner Entlassung gab es einige sehr schwache Partien, darunter ein 2:2 in Augsburg, eine Heimniederlage gegen Hoffenheim, ein mühevolles Weiterkommen im DFB-Pokal beim VfL Bochum, als Bayern eine schreckliche Partie absolvierte und schließlich ein 1:5 in Frankfurt, das seine Zeit besiegelte. Ausreden nach Pleiten, Verweise auf schwierige Verhältnisse, unter anderem durch das Wetter, wurden zum running gag. Der Schritt zum Branchenprimus in Deutschland erwies sich als zu groß. Defizite wurden deutlich. Sinnbildlich war die Aussage, man könne nicht versuchen, 200 km/h zu fahren, wenn man nur 100 schafft. Wenige Monate später hatte der FC Bayern ohne Kovac das Triple gewonnen. 

Im Anschluss an eine kurze Auszeit entschied sich der Trainer zu einem klugen Schritt, nämlich zu einer Erfahrung im Ausland. Monaco statt München, eine junge, talentierte und formbare Mannschaft statt ein Starensemble und vor allem weniger Erfolgsdruck. Nach einem holprigen Start in die Saison 2020/21 stabilisierte sich sein Team immer mehr. Kovac und Monaco spielten phasenweise sehr attraktiven Fußball, waren variabel, schlugen PSG in beiden Ligaspielen und belegten den dritten Platz hinter Meister Lille und Hauptstadtklub Paris. 

In der abgelaufenen Saison gab es aber wieder Aspekte, die kritisiert werden konnten. Angefangen bei der verpassten Qualifikation für die Champions League in den Spielen gegen Shakhtar, über die Stagnation der Mannschaft und fehlende Weiterentwicklung des Spielsystems bis hin zum Ausscheiden in der Gruppenphase der UEFA Europa League. Im Dezember trennte sich Monaco von Kovac, paradoxerweise nach zwei Siegen. Was wie ein Alleingang der Führungsetage aussah und durch Stimmen der Spieler, die Kovac gerne behalten hätten, befeuert wurde, hatte im Endeffekt doch umfangreiche Gründe. Es folgte eine Verbesserung von Platz sechs auf Platz drei, Kovac-Nachfolger Philippe Clement (48) holte in der gleichen Zeit elf Punkte mehr.

Es gibt einige offene Fragen rund um Kovac und Wolfsburg

In der bisherigen Karriere des Niko Kovac lassen sich also gute Momente finden, ebenso einige schwächere Phasen. Kritische Stimmen behaupteten, dass er die Mannschaft in München verloren habe, was seine öffentlichen Aussagen, die ab einem gewissen Zeitpunkt auch einem Selbstschutz dienten, noch einmal verschlimmerten. Dass er vielleicht kein Mann für das allerhöchste Regal ist, darf ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. In Wolfsburg kann Kovac nun unter Beweis stellen, dass er aus seinen bisherigen Erfahrungen gelernt hat, dass er in der Lage ist, sich selbst zu hinterfragen und die positiven Elemente seiner Arbeit, die zweifelsohne vorhanden waren, weiter zu optimieren, außerdem die Fehler zu kaschieren.

Das Umfeld Wolfsburg mit einer schwierigen Saison und einem dennoch ordentlichen Kader im Hintergrund könnte dabei ein Vorteil sein. Zwei schwächere Spiele sorgen hier nicht dafür, dass die Fernsehteams Schlange stehen, um die Minikrise auszuschlachten. Die Arbeit kann bei einer guten Kommunikation auf interner Ebene eine sehr ruhige sein. Ein fluides 4-4-2, wie es der 50-Jährige in Monaco nicht selten spielte, ist mit dem Spielermaterial vorstellbar, auch eine gewisse Variabilität ist gegeben, weil einige Spieler mehrere Positionen bekleiden können.

Ob die Anstellung von Niko Kovac in Wolfsburg ein Erfolg wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Wie viel Geduld hat Wolfsburg? Welche Erkenntnisse kann der Trainer aus seinen letzten Stationen ziehen und welche Ideen hat er, um die Probleme seiner Arbeit vergangener Tage zu kaschieren? Wie funktionieren diese Ideen? Und, nicht zuletzt: Wie steht es um die Langfristigkeit? Hier bleiben weiterhin Zweifel, ob Kovac es schafft, eine langfristige und kontinuierliche Entwicklung voranzutreiben. Zweifel, die er selbst am Besten beseitigen kann.

 

(Photo by VALERY HACHE/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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