Bayer 04 vor dem Topspiel gegen Bayern: Das andere Leverkusen

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Bayer 04 Leverkusen: Das ist häufig eine sehr talentierte Mannschaft mit vielen spannenden Spielertypen, die sich aber in den entscheidenden Momenten zu unerfahren oder zu naiv präsentiert. 2021/22 steht wieder eine junge Werkself auf dem Platz, die ihre Spielfreude häufig auf dem Platz auslebt, aber auch schwierige Momente zu durchleben hatte. Doch irgendwas ist anders in Leverkusen. 

Das typische Leverkusen: Ein Saisonverlauf in Wellen

24 Spieltage sind in der Bundesliga bereits absolviert. Bayer 04 Leverkusen steht, eingebettet von Borussia Dortmund und RB Leipzig, auf dem dritten Platz in der Tabelle. 14 Punkte hat die Werkself Rückstand auf den Tabellenführer, der wenig überraschend FC Bayern München heißt und am Samstag (15:30 Uhr) die Leverkusener in der Allianz Arena empfangt. Im Hinspiel holte sich Bayer eine 1:5-Klatsche in der BayArena ab, mit 39 Gegentoren hat die Elf von Trainer Gerardo Seoane (43), der seit dem Sommer im Amt ist, die schlechteste Defensivbilanz aller Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte. Dazu ist Bayer bereits aus dem DFB-Pokal ausgeschieden, in einem Jahr, in dem der Weg zum Titel so „einfach“ ist wie selten zuvor.



Gute Ansätze und schlechte Spiele, herausragende Offensivleistungen und defensive Anfälligkeit, eine Klatsche gegen Bayern, aber ein furioses 5:2 in Dortmund, Niederlagen gegen Mainz, Freiburg, Wolfsburg und Karlsruhe. Eigentlich „alles wie immer“ in Leverkusen, möchte man meinen. Das ist aber nur auf den ersten Blick der Fall. Denn so einfach kann man es sich nicht machen. Ein erster Schritt der Erklärung, warum Leverkusen trotz eines wellenförmigen Saisonverlaufs mit den typischen Höhen und Tiefen in der Spielzeit 2021/22 anders, besser und beständiger spielt, ist der Blick auf den Vergleich mit der Vorsaison.

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(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Gegenwärtig steht Bayer 04 Leverkusen bei 44 Punkten, hat 63 Tore in der Bundesliga erzielt und spielt den eigenen Stil konsequent von A bis Z. In der Vorsaison schoss die Werkself 53 Tore, wohlgemerkt nach 34 Spielen. Und hatte am Saisonende nur acht Punkte mehr als dem Konto als jetzt nach 24 Spielen. Sollte also kein bemerkenswerter, fast irrsinniger Einbruch mehr folgen, übertrumpft Leverkusen die Platzierung und die Punktausbeute locker. Zwar rückte RB Leipzig zuletzt heran, aber es dürfte nur wenige Zweifel daran geben, dass Bayer in der neuen Saison in der Champions League spielt.

Gerardo Seoane: Der Architekt, der viel verändert

Ein Grund, warum Leverkusen in fast allen Werten besser dasteht als in der Vorsaison, ist der neue Trainer. Die Verantwortlichen um Simon Rolfes (40) haben nicht nur einen spannenden Trainer verpflichtet, sondern auch einen, der zur Mannschaft, zum gewünschten Stil in Leverkusen und zur Art bei der Werkself passt. Gerardo Seoane ist ein ruhiger Zeitgenosse, ein Trainer, der analytisch vorgeht und sich nach außen hin wenig impulsiv gibt. Die Intensität zeigt vielmehr seine Mannschaft auf dem Platz. Von der ersten Sekunde an, mit allen Risiken, die dazugehören. Spiele wie das 1:5 gegen den FC Bayern im Hinspiel, als Leverkusen in den ersten 45 Minuten naiv agierte und demontiert wurde, sind die Paradebeispiele für die Konsequenzen, die diese Art Fußball hat, wenn es an allen Ecken und Enden an den 1-2 Prozentpunkten fehlt, die entscheidend sind.

Seoane nicht als cleveren Taktiker zu bezeichnen, wäre falsch. Auch unflexibel ist er nicht, nur weil er im Wesentlichen Spiel für Spiel eine ähnliche Herangehensweise für seine Mannschaft ausgibt. Natürlich wirft der Schweizer nicht im Wochentakt den Plan über den Haufen und richtet sich nach dem Gegner, verändert Matchpläne und Systeme. Aber genau das ist der Punkt: Der 43-Jährige steht für eine bestimmte Art von Fußball, eine Mischung aus Wucht und Eleganz, die einen Gegner niemals in Ruhe lässt. Schon bei den Young Boys in der Schweiz war das der Fall, nur eben mit individuell schwächeren Spielern, einer geringeren medialen Aufmerksamkeit und einer Liga, die generell deutlich schwächer ist.

Leverkusen Seoane

(Photo by Lukas Schulze/Getty Images)

Dass es das Ziel des neuen Trainers sein würde, eine offensiv ausgerichtete Mannschaft zu entwickeln, die mit hohem Pressing, schnellem Umschalten, aber auch Momenten der Kontrolle immer wieder neue Angrifswellen in einem Spiel herbeiführen kann, war klar. Das Spiel spielte er in Bern, seine Mannschaft erzielte über 70 Ligatore und gewann die Saison mit knapp 30 Punkten Unterschied, während in der Europa League ein 4:3/2:0-Erfolg gegen ein starkes Team, namentlich Bayer Leverkusen, gelang. Der Fußball von Bayer 04 ist nicht überraschend oder unglaublich beeindruckend, dass er so schnell in diesem Maße funktioniert, schon eher.

Reifeprozess und Schritte nach vorne

Die Statistiken belegen also, dass sich Bayer Leverkusen in dieser Saison deutlich verbessert hat. Die Mannschaft wirkt auf dem Platz in vielen Situationen und Spielen reifer, auch im Verlauf der Saison hat dort eine Entwicklung stattgefunden. Der 5:2-Sieg in Dortmund, der in kaum einer Phase wirklich gefährdet war, dient als gutes Beispiel. Ja, Dortmund hat viel angeboten, aber es wäre den Leverkusenern in den letzten Jahren ein Leichtes gewesen, ein solches Spiel noch zu verhühnern.

Entsprechende Beispiele existieren natürlich weiterhin, siehe die 2:3-Niederlage in Mainz oder das 2:5 gegen Eintracht Frankfurt in der Fremde, aber wir reden endlich von einer jungen Mannschaft mit viel Potenzial, die einen klaren Plan nicht nur umsetzt, sondern gemeinsam mit ihrem Trainer daran feilt, Details und kleinste Mechanismen zu verbessern. Leverkusen machte einen Schritt nach vorne, gewann seine Gruppe in der Europa League souverän und der Eindruck, ein Negativresultat sorgt sofort für einen Leistungseinbruch, ist verflogen.

Im Gegenteil: Nach dem 2:3 in Mainz folgt ein völlig souveränes 3:0 gegen Arminia Bielefeld. Ein solches Spiel wäre nach der Mainz-Pleite in den letzten Jahren eher unwahrscheinlich gewesen. Und es darf nicht vergessen werden, dass Seoane noch ein vergleichsweise junger Trainer ist, gerade bei seiner ersten Station in einer Topliga tätig ist und der Kader noch nicht einmal in allen Facetten seiner Wunschvorstellung entspricht. Unter Betrachtung dieser Umstände sollte die ganzheitliche Entwicklung noch einmal positiver erscheinen.

Hier geht es zur Tabelle in der Bundesliga 

Vor dem Topspiel gegen Bayern: Das andere Leverkusen

Die Gesamtsituation Bayer 04 Leverkusen betreffend sieht vor dem Spiel in München also sehr gut aus. Es gibt keinen Grund, ängstlich zum Rekordmeister zu fahren, zumal die Probleme des Favoriten genau dort liegen, wo Leverkusen seine Stärken hat. Die Absicherung von Kontern sorgt bei Bayern-Coach Julian Nagelsmann für Kopfzerbrechen und Spieler wie Moussa Diaby und Florian Wirtz reiben sich schon die Hände ob der möglicherweise entstehenden Räume. Das Saisonziel in der Liga wird sehr wahrscheinlich erreicht, international kann die Werkself ein Wort mitreden und viele Leistungsträger werden den Klub im Sommer nicht verlassen, bei Spielern wie Wirtz deutet sich eher an, dass ein weiteres Jahr in Leverkusen, wohl in der Champions League, der Karriere zuträglich ist.

Doch zurück zum Spiel gegen Bayern. Ist Leverkusen in der Liga, dieses Spiel zu gewinnen? Aktuell muss davon ausgegangen werden. Ist es möglich, dass die Werkself trotzdem wieder hart auf dem Boden aufschlägt und in München Lehrgeld zahlt? Auch das ist vorstellbar. Der Unterschied zu den vorherigen Spielzeiten scheint aber zu sein, dass dieses neue, andere Leverkusen, sich davon nicht verunsichern lässt. Denn eines zeigte sich unter Seoane sehr deutlich: Fehler sind erlaubt. Und Fehler sind die Basis, um zu lernen und um Lösungen z finden, damit genau diese Fehler in Zukunft so gut es geht vermieden werden.

(Photo by Lukas Schulze/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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