Einst Talent des 1. FC Köln und Junioren-Nationalspieler: Elias Oubella will nach schwerer Verletzung endlich durchstarten

Elias Oubella (2. von rechts) spielte schon für dieJunioren-Nationalteams Deutschlands.
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Interview | Elias Oubella (20) hat aus der Jugend des 1. FC Köln über Heracles Almelo den Sprung in den Profifußball geschafft. Dort wurde der 20-Jährige aber von einer schweren Verletzung zurückgeworfen. Im Interview hat er über seinen Comeback-Plan, Erlebnisse bei der Junioren-Nationalmannschaft und seine Zukunft über den Sommer hinaus gesprochen.

90PLUS: Elias Oubella, zuallererst die wichtigste Frage. Sie haben sich im vergangenen Jahr schwer verletzt. Wie geht es Ihnen aktuell?

Elias Oubella: Mittlerweile schon wieder recht gut. In der Sommervorbereitung ist mir gleich im zweiten Testspiel ein Gegenspieler von außen gegen das Knie geflogen. Ich bin nach innen weggeknickt und konnte auch nicht mehr auftreten. Beim MRT kam heraus, dass ich einen Kreuzband-, Meniskus und Innenbandriss hatte. Zuletzt war ich schon wieder für leichte Sprintübungen auf dem Platz, musste mich dann aber doch nochmal operieren lassen. Jetzt sieht es aber wieder gut aus. Ich gehe schon auf den Platz und baue langsam auf.

Wann werden Sie voraussichtlich wieder zur Mannschaft stoßen können?

Der Plan ist, dass ich vor dem Ende der aktuellen Saison (15. Mai, d. Red.) wieder am Teamtraining teilnehmen kann. Darauf arbeite ich hin. Tatsächlich einem Spiel auf dem Feld zu stehen wird aber schwer werden.

Insgesamt spielen Sie mittlerweile schon seit fast zwei Jahren für Heracles Almelo in den Niederlanden. So richtig sind Sie aber, auch aufgrund von Verletzungspech, noch nicht zum Zug gekommen. Erzählen Sie doch mal, wie Sie die Zeit bisher erlebt haben.

Das erste Jahr war auf jeden Fall schwer. Es war meine erste Profisaison und ich musste mich an den Herrenfußball gewöhnen. Ich habe selten gespielt. Im Sommer war ich dann bereit, anzugreifen. Der Zeitpunkt meiner schweren Verletzung war daher umso ärgerlicher.

Fiel es Ihnen nach solch einer Schockdiagnose schwer, die Motivation hochzuhalten?

Ich musste in den ersten Wochen auf Krücken laufen und konnte so gut wie nichts machen. Das war sehr hart für mich. Mit der Zeit konnte ich dann wieder die ersten Schritte gehen, Fahrrad fahren und Krafttraining machen. Das waren immer wieder Motivationsschübe. Im Zweifel ist es sogar „besser“, dass ich solche eine Verletzung schon mit 19 Jahren erlitten habe. Ein junger Körper kann sich besser regenerieren. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich bald wieder ohne Beschwerden auf dem Platz stehen.

Während Ihrer Zeit in Köln galten Sie ebenfalls als großes Talent. Sie durften als U19-Spieler früh bei der zweiten Mannschaft mitspielen, haben aber letztlich keine Perspektive mehr gesehen…

Genau. Für mich war die Niederlande als ein gutes Sprungbrett und eine Möglichkeit, früh viele Erfahrungen zu sammeln. In Köln gab es zu dieser Zeit acht Innenverteidiger, von denen später auch noch einige gewechselt sind. Daher war dieser Wechsel für mich der richtige Schritt. An der Eredivisie schätze ich, dass sie eine sehr spielfreudige Liga ist. Ich selbst würde mich auch als spielstarken Innenverteidiger bezeichnen, weshalb das für mich sehr passend war.

Wie schwer fiel Ihnen die Trennung von Ihrem Ausbildungsverein 1. FC Köln?

Es war natürlich nicht leicht. Ich habe dort von der U13 bis zur U21 eine tolle Zeit gehabt und viele Freunde kennengelernt. Wir hatten eine coole Truppe, wie man es von den Kölner Jugendvereinen auch kennt. Mit einigen Jungs bin ich auch noch in Kontakt und wir treffen uns hin und wieder.

Welchen Ihrer Freunde ist der Sprung in die erste Mannschaft des 1. FC Köln gelungen?

Georg Strauch ist nach seinem Kreuzbandriss wieder fit und trainiert mit der ersten Mannschaft. Mathias Olesen hat beim 1:1 gegen Borussia Dortmund zuletzt sein Debüt gegeben.

Sie haben sich, wie schon erwähnt, für einen Wechsel zu Heracles Almelo entschieden. War es im Nachhinein die richtige Entscheidung?

Ich würde zumindest nicht sagen, dass ich es bereue. Es kam aber natürlich die Verletzung dazwischen. Das ist natürlich sehr ärgerlich. Dennoch habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt und mich weiterentwickelt.

Bei Heracles spielten und spielen viele Deutsche. Eine Tatsache, die Ihnen sicherlich dabei half, sich schneller zu integrieren…

Gerade am Anfang, als ich noch kein Niederländisch gesprochen hatte, war das definitiv hilfreich. Wir hatten uns in der Mannschaft zwar häufig auf Englisch unterhalten, aber wenn nur Niederländer am Tisch gesessen haben, haben sie eben auch häufig in ihrer Landessprache gesprochen. Da hat es gut getan, ein paar Deutsche um mich zu haben. Wir haben uns auch schnell zusammengetan und Niederländisch-Unterricht genommen. Da war das dann schnell kein Problem mehr.

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Im aktuellen Kader befinden sich mit Anas Ouahim und Ismail Azzaoui außerdem zwei Spieler, die, genau wie Sie, marokkanische Wurzeln haben. Ouahim hat bereits für die marokkanische Nationalelf gespielt, Azzaoui ist in der Vergangenheit für sein Geburtsland Belgien aufgelaufen. Sie haben bereits sechs Spiele für Deutsche Junioren-Nationalteams bestritten, stehen aber auch noch vor der endgültigen Wahl. Haben Sie sich schon entschieden?

Ich lasse das noch offen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn sich Deutschland noch einmal melden würde. Gleichzeitig wäre ich aber auch nicht abgeneigt, für Marokko zu spielen. Dabei käme es auch auf die Perspektive, und wo ich in ein paar Jahren stehen werde, an. Dann würde ich entscheiden, was die bessere Option wäre.

Das Gefühl der Nominierung kennen Sie jedenfalls schon…

Ja. Es war natürlich eine Ehre und etwas ganz Besonderes, in diesem Moment zu den besten 22 Spielern im Land zu gehören. Die Länderspiele waren einmalige Erlebnisse. Ich erinnere mich etwa an eine Partie in Verona gegen Italien, als viele Fans da waren. Das war schon sehr speziell und einfach eine tolle Zeit.  

Gibt es aktuell Kontakt zu einem Verband?

Nein. Ich tausche öfter mit einem marokkanischen Scout aus. Aufgrund meiner Verletzung geht es aktuell aber nicht darüber hinaus.

Kurzfristig drängt ohnehin eher eine andere Entscheidung. Ihr Vertrag in Almelo läuft zum 30. Juni 2022 aus. Es besteht eine vereinsseitige Option auf ein weiteres Jahr. Gibt es schon eine Tendenz?

Nein. Ich bin für alles offen und schaue mich natürlich auch nach anderen Klubs um. Mit meiner Familie und meinem Berater suche ich nach der besten Lösung. Da ich ein Familienmensch bin, möchte ich sie gerne in meiner Nähe haben. Almelo ist nicht weit weg. Wenn ich wechseln sollte würde ich gerne zu einem Klub in Nordrhein-Westfalen gehen. Nach meiner Verletzung ist für mich aktuell am wichtigsten, dass ich fit werde und viel spiele. Wo das sein wird, ist erst einmal zweitrangig.

Das klingt als wären Sie bereit, aus der Ersten Liga auch in tiefere Klassen zu wechseln.

Definitiv. Das wichtigste ist wirklich, dass ich regelmäßig spiele und mich entwickeln kann.

 

Zur Person:

Elias Oubella (20) wurde am 24. Mai 2001 im rheinländischen Neuss geboren. Das Fußballspielen lernte der Innenverteidiger bei der SVG Neuss-Weissenberg und in den Jugendabteilungen von Fortuna Düsseldorf, dem 1. FC Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Im Oktober 2020 wechselte der mit einer Größe von 1,87 Metern sehr robuste aber auch spielstarke Abwehrmann dann zu dem niederländischen Erstligisten Heracles Almelo. Dort wurde er nach seiner Premierensaison von einer schweren Knieverletzung zurückgeworfen. Nun will er bald wieder voll angreifen.

 

 

Photo by Filipe Farinha/Getty Images

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