Wieso Playoffs die Bundesliga noch uninteressanter machen würden

Bundesliga: Für eine spannende Meisterschaft könnten Playoffs eingeführt werden.
Spotlight

Wiedermal entdecken die DFL und erste Vereinsverantwortliche ihre inneren Innovatoren und denken laut über Bundesliga-Playoffs nach. Eine Idee, die verheißungsvoll klingt, der Bundesliga aber ihren Zauber nehmen würde, ohne ihr viel zu geben. Das Produkt wäre ein uninteressanteres. Ein Kommentar.

Donata Hopfen artikulierte die Idee am Sonntag bereits: Playoff-Spiel um die Deutsche Meisterschaft. Die Verheißung ist offenkundig: Die Bundesliga soll ein besseres, ergo spannenderes Produkt werden. Denn genau daran hakt es doch momentan. Die Meisterschaft ist bereits im April entschieden — und der Deutsche Meister heißt immer FC Bayern München.

Donata Hopfen und die DFL-Pläne: Profitmaximierung statt Fußballromantik 

Dass sich nun als erster Klubverantwortliche ausgerechnet Oliver Kahn, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, also dem Klub, dem der Weg zur Meisterschaft mit dieser Reform erschwert werden würde, wohlwollend über diesen Vorstoß äußert, überrascht. Aber was soll’s. Diejenigen, denen man es am wenigsten zugetraut hätte, zeigen sich grundsätzlich reformbereit. Also, Playoffs einführen und die Bundesliga ist gerettet, oder?

Playoffs als Irrweg für die Bundesliga

So einfach ist es leider nicht, denn die Einführung von Playoffs könnte sich für die Bundesliga als Irrweg erweisen. Dazu ist ein genauer Blick nötig. Zunächst müssen zwei Kritikpunkte auseinandergehalten werden, die gegenwärtig ständig in einem Atemzug genannt werden. Die Bundesliga würde spannender sein, wenn der FC Bayern München nicht jedes Jahr Deutscher Meister werden würde. Das Produkt wäre folglich ein besseres. So oder so ähnlich formuliert wird die Kritik an der Bundesliga gegenwärtig vorgetragen. Das eine, die Serien-Meisterschaften des FC Bayern, bedingt in dieser Argumentation zwangsläufig das andere, die Spannung der Liga. Wenn eins dieser Probleme gelöst wird, löst sich das andere folglich gleich mit auf.



Diese mittlerweile fast axiomatische Annahme ist allerdings nur im herkömmlichen Bundesligaformat richtig. Würde man aber ein Playoff-System einführen, verliert sie seine Gültigkeit. Die beiden Kritikpunkte müssten getrennt voneinander betrachtet werden. Auch wenn die Serien-Meisterschaften des FC Bayern durch Playoffs fraglos gebrochen werden würden, wäre die Bundesliga keine spannendere oder gar interessantere Liga.

Denn ein Playoff-Format würde bedeuten, dass die Meisterschaft sich ausschließlich in wenigen Spielen am Ende der Saison entscheidet. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass alle Spiele, die vorher stattfinden würden, radikal entwertet werden. Welche Motivation hätte der FC Bayern München etwa, an den letzten 10 Spieltagen der Saison an seine Leistungsgrenze zu gehen, wenn er nach 24. Spieltagen 20 Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Playoffs-Platz hat? Würden sie die Bundesliga-Spiele in dem eh schon völlig überladenen Spielplan nicht dafür nutzen, sich für die anderen Wettbewerbe zu schonen? Werden Robert Lewandowski und Erling Haaland dann rare Erscheinung, die in der Bundesliga nur selten zu bestaunen sind?

Ein warnender Blick in die NBA

Ein Blick in die USA und über den Tellerrand des Fußballs hinaus ist lehrreich. Seit jeher wird der NBA-Champion in guter alter amerikanischer Tradition im Playoff-Format ermittelt. Inklusive spektakulärer Finalspiele. Der Fokus auf die Playoffs hat allerdings zur Folge, dass die Spiele in der regulären Saison uninteressant werden. Jedes Jahr zeichnet sich dort das selbe Bild: Die ersten Spiele der Saison werden von den Fans sehnlich erwartet, die ersten Monate leidenschaftlich verfolgt — die Einschaltquoten sind hoch. Doch wenn die erste Euphorie verflogen ist und das Kräfteverhältnis in groben Zügen zu erkennen ist, sinkt das Interesse der Zuschauer stetig. Erst wenn die Playoffs starten, schwillt die Begeisterung wieder an. Nach Monaten voller gähnender Langeweile.

Mehr Informationen zur Bundesliga 

Einerseits hängt dies damit zusammen, dass die Stars in der regulären Saison oftmals geschont werden. Giannis Antetokounmpo, Europas bester Basketballer, absolvierte in der vergangenen Saison nur dreiviertel der Spiele; LeBron James, der schillerndste Basketballer der Welt, nur etwas mehr als die Hälfte der Spiele. Klar, auch wegen Verletzungen und nicht nur weil sie geschont wurden verpassten sie so viele Spiele. Fakt ist aber: Stars werden häufiger geschont, wenn die reguläre Saison weniger wert ist. Und andererseits ist die reguläre Saison weniger ansehnlich, weil die Intensität der Spiele manchmal eher an ein canabisumnachtetes Freiplatzwerfen am Venice Beach erinnert als an die beste Basketball Liga der Welt. Gefahren, die auch der Bundesliga drohen würden.

Der Wert des unaufgeregten Zaubers

Mit all diesen möglichen Kollateralschäden im Kopf: Ist bei all den Schwächen der Bundesliga nicht eine ihrer größten Stärken, dass jedes Spiel — vom ersten bis zum 34. Spieltag — gleich viel Wert ist? Und sie genau deswegen einen unaufgeregten Zauber in einer höhepunktsüchtigen Zeit versprüht. Als ein Begleiter für alle Fans — und zwar über das gesamte Jahr hinweg.

Schlussendlich muss sich jeder folgenden Frage beantworten: Wollen wir wirklich 34. gleichwertige Spieltage gegen wenige Wochen Spektakel eintauschen? Zumal dieses Spektakel in eine Zeit fallen würde, in der es dem Fußball nicht an Höhepunkten, Spektakel und Entscheidungsspielen fehlt. Denn genau in diese Zeit, am Ende jeder Saison, finden das DFB-Pokalfinale und das Champions-League-Finale bereits statt.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Alle Kommentare


  • Klaus sagt:

    So einen bullshit habe ich selten gelesen!
    Ich sage nicht, dass Playoffs die einzig wahre Lösung sind, aber das Problem der NBA sind nicht die Playoffs an sich, sondern die Masse der Spiele.
    Und das in der Bundesliga jeder Spieltag gleich viel Wert hat ist jawohl der Witz schlechthin! Das gilt ausschließlich für die Mannschaften die Ende der Saison um Platz 4, den Europapokal und den Abstieg spielen.
    So ein einseitiger und völlig undifferenzierter Kommentar ist eine Zumutung…

  • Daniel Winterberg sagt:

    Herr Weber, ich finde ihre Argumentation gegen Play-Offs nicht sonderlich überzeugend. Gerade ab Platz Zwei abwärts in der Bundesliga ist es relativ eng und ausgeglichen, sodass sich jedes Team für Woche für Woche reinhauen müsste, um einen der 3 offenen Plätze (Bayern mal ausgeklammert) für die Play-Offs zu erreichen. Gerade wenn dadurch die Chance besteht, dass ein Club wie Gladbach oder Köln nach langer Zeit die Möglichkeit bekommen kann, durch Play-Offs Meister zu werden, dann wird es aufgrund der Ausgeglichenheit derzeit in der Bundesliga keine Langeweile geben. Ich gehe sogar noch weiter, dass wir uns den Modus von Belgien zu Herzen nehmen sollten. Denn dort werden dann noch Abstiegs-Playoffs mit den Zweitligisten gespielt. So haben die 3. Platzierten der 2. Bundesliga noch eine höhere Chance in die Bundesliga zu kommen als jetzt. Mir geht die Spießigkeit und abwehrende Haltung vor neuen Dingen des gemeinen Deutschen dermaßen auf den Senkel!


Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Artikel

VfL Wolfsburg: Unterstützung für Schmadtke

VfL Wolfsburg: Unterstützung für Schmadtke

21. Mai 2022

News: Der VfL Wolfsburg wird Medienberichten zufolge Niko Kovac als neuen Cheftrainer etablieren. Für Sportvorstand Jörg Schmadtke ein Schlag ins Gesicht. Schmadtke und der VfL – „Eine Geschlossenheit“ Der ehemalige starke Mann des 1. FC Köln galt als Unterstützer von Florian Kohfeldt und gab ihm – trotz sportlich schwachen Ergebnissen – dauerhaft Rückendeckung. Sportdirektor Marcel […]

Viel Kampf, wenig Spektakel: Nullnummer zwischen Kaiserslautern und Dresden

Viel Kampf, wenig Spektakel: Nullnummer zwischen Kaiserslautern und Dresden

20. Mai 2022

News | Am Freitagabend fand am Betzenberg die Relegation zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden statt. Ein Tor fiel nicht, die Entscheidung fällt am Dienstag in Dresden.  Viel Kampf, wenig Fußball in Kaiserslautern Die Stimmung auf dem Betzenberg war absolut einzigartig. Jeder Zweikampf, jeder Pass, jeder Sprint wurde von den Zuschauern mit Applaus […]

BVB: Peter Hermann soll Teil des Trainerteams werden

BVB: Peter Hermann soll Teil des Trainerteams werden

20. Mai 2022

News | Borussia Dortmund hat sich am Freitag etwas überraschend von Trainer Marco Rose getrennt. Nachfolger soll Edin Terzic werden, der mit Peter Hermann einen erfahrenen Mann an die Seite gestellt bekommen könnte.  BVB: Hermann soll das Trainerteam verstärken Am Freitag entließ Borussia Dortmund Trainer Marco Rose nach einer eingehenden Saisonanalyse. Nachfolger soll, das berichten […]


'' + self.location.search