Projekt Neuaufbau – Diese Baustellen muss Grammozis mit Schalke angehen

Grammozis Schalke
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Spotlight | Der FC Schalke 04 schlittert unaufhaltsam auf den Bundesliga-Abstieg zu, auch Neutrainer Dimitrios Grammozis wird in dieser Saison wohl keine entscheidende Trendwende mehr einleiten können. Um langfristig erfolgreich bei den Königsblauen arbeiten zu können, muss er zahlreiche Probleme beseitigen.

Grammozis-Debüt zeigt direkt Schalker Schwächen auf

Mit Dimitrios Grammozis (42) ist der fünfte Trainer in der laufenden Spielzeit beim FC Schalke 04 am Ruder. Vor ihm versuchten sich bereits David Wagner (49), Manuel Baum (41), Interimstrainer Huub Stevens (66) und Christian Gross (66) – allesamt ohne Erfolg. Zu Buche stehen derzeit kümmerliche zehn Punkte und ein Torverhältnis von 16:61. Grammozis, der vom vorerst sportlich Gesamtverantwortlichen Peter Knäbel (54) auserwählt wurde, erhielt einen Vertrag mit Gültigkeit für die 2. Bundesliga bis zum 30.06.2022.

Die Premiere des neuen Trainers im Heimspiel gegen den Vorletzten Mainz 05 sah man im Verein als womöglich letzte Chance an, noch einmal in den Abstiegskampf einzugreifen. Allerdings zeigte Schalke in diesem Spiel ein dürftiges Niveau. Die Partie endete fast schon folgerichtig torlos. Sie offenbarte sämtliche Mängel im Kader, unter denen die Vorgänger von Grammozis bereits litten. Zudem bestätigte die Vorstellung der Schalker die These, dass die Mannschaft ein größeres Offensiv- als Defensivproblem habe – trotz der durchschnittlich zweieinhalb Gegentreffer pro Partie.

Denn um den Klassenerhalt zu erreichen oder in der nächsten Saison direkt wieder aufzusteigen, sind Siege von Nöten. Die Knappen erzielten jedoch in 13 von 24 Ligaspielen überhaupt keinen Treffer. Dabei gerieten sie 19-mal in Rückstand und ergatterten lediglich dreimal noch etwas Zählbares. Die Harmlosigkeit in der Offensive resultiert aus der fehlenden Spielidee mit dem Ball. Schalke kreiert zu wenig Torchancen und wenn eine gute Möglichkeit besteht, wird oft zu kläglich abgeschlossen oder zu umständlich gespielt.

Grammozis Schalke

(Photo by Imago)

Das bestätigte sich beim Grammozis-Debüt, in dem sich Schalke satte 128 Fehlpässe leistete. Die Königsblauen kamen auf zwei vielversprechende Möglichkeiten. Die bessere vergab Shkodran Mustafi (28) infolge einer Ecke per Kopf. Aus dem Spiel heraus sprang dagegen fast nichts heraus. Mit Amine Harit (23) fiel ein möglicher Unterschiedsspieler kurzfristig aus und Kreativakteur Mark Uth (29) fehlt seit Wochen verletzungsbedingt.

Auch defensiv drückt der Schuh

Der Auftrag von Grammozis wird es sein, der Mannschaft in den nächsten Wochen und vor allem in der kommenden Sommervorbereitung, einen Plan zu vermitteln, wie sie zu Toren kommt. Die Herausforderung ist auch ihm bewusst: „Wir wollen in Zukunft keine Mannschaft sein, die nur ackert und Bälle rausschlägt. Wir wollen auch Torchancen kreieren und attraktiv sein für die Menschen, die irgendwann wieder ins Stadion kommen.“ Dabei muss er jedoch auch die Verteidigungsarbeit im Blick behalten. Gleich 61-mal mussten die Schalker Torhüter Ralf Fährmann (32), Michael Langer (36) oder der Freitag eingesetzte – sowie aus Frankfurt ausgeliehene – Frederik Rönnow (28) hinter sich greifen. Leistungsmäßig zählen sie dennoch zu den Lichtblicken im Kader.

22 Gegentore musste der Tabellenletzte nach Standardsituationen hinnehmen – ein weiterer Negativwert. Als Spiegelbild diente das dilettantische Abwehrverhalten beim letzten Spiel von Grammozis-Vorgänger Christian Gross in Stuttgart (1:5). Dort gelangen dem VfB zwei Tore mit derselben Eckenvariante. Gegen Mainz präsentierte sich die Schalker schon deutlich wachsamer bei gegnerischen Standardsituationen. Ohnehin ließen sie nur wenige gefährliche Torabschlüsse der Gäste zu. Es dürfte dem neuen Trainer, der zunächst auf eine abwartende Ausrichtung im 3-4-2-1-System zurückgriff, leichter fallen seiner Mannschaft die dringend benötigte defensive Stabilität zu verleihen. Auch unter Manuel Baum schaffte es Schalke teilweise dem Gegner nur wenig Räume anzubieten. Doch oftmals zerfielen die Königsblauen nach dem ersten Treffer in alle Einzelteile.

(Photo by Imago)                                                                                                                                                                                                                                                                                    Bei zehn der 16 Saisonniederlagen entschied der Kontrahent die Partie mit drei oder mehr Toren Vorsprung für sich. Damit verbunden ist auch ein mentales Problem. Die Köpfe der Mannschaft sanken fast schon automatisch nach dem Rückstand in Richtung Boden. Daran gilt es für Grammozis zu arbeiten, in dem er der Mannschaft den Glauben an die eigene Stärke zurückbringt. Dies ist nur über Erfolgserlebnisse möglich. 

Schalke: Grammozis und Trainerteam müssen an Fitnessproblemen arbeiten

Um Spiele in der Bundesliga gewinnen zu können, ist es jedoch Grundvorraussetzung, körperlich austrainiert zu sein. Das muss der neutrale Beobachter Schalke 04 momentan absprechen. Als sinnbildlich stellte sich die zweite Halbzeit gegen Mainz dar, wo schon ab der 60.Minute in aller Regelmäßigkeit ein Königsblauer am Boden lag und gedehnt werden musste. Daher konnten am Ende auch keine offensiven Nadelstiche mehr gesetzt werden. Mit dem diesmal in der Sechserrolle auftauchenden Sean Kolasinac (27) und dem abermals glücklosen Benito Raman (26) schieden gleich zwei Akteure vorzeitig aus. Dazu kommen die unzähligen Muskelverletzungen im gesamten Saisonverlauf. Beinahe schon exemplarisch ist der Fall Klaas-Jan Huntelaar (37), der es seit seiner Rückkehr im Winter, aufgrund einiger kleinerer Verletzungen, auf bloß zehn Minuten Einsatzzeit brachte.

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Die ungenügende Fitness wird Grammozis im restlichen Saisonverlauf kaum abstellen können. Sie muss allerdings einen Hauptschwerpunkt in der kommenden Sommervorbereitung einnehmen. Gerade im Hinblick auf die höchstwahrscheinliche Teilnahme in der 2.Liga, wo sie noch mehr Bedeutung besitzt. Im Unterhaus, das der Übungsleiter aus seiner Zeit in Darmstadt bestens kennt, führt der Weg zum Erfolg häufiger über die Physis. Hoffnungen auf den Klassenerhalt können sich die Schalker angesichts des Rückstands sowie der kommenden Aufgaben, die Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen heißen, kaum noch machen. Auch Peter Knäbel erklärte am Sonntag während einer Schalte in den Sport1-Doppelpass: „Hauptschwerpunkt ist natürlich, wenn man sich die Situation anguckt, die Planung für die zweite Liga.“

Einbau der Knappenschmiede

Die Kaderbesetzung wird im Sommer wohl einschneidend verändert werden. Zahlreiche Abgänge sind alleine schon aus finanziellen Gründen unumgänglich. Wer diesen Umbruch neben dem Cheftrainer vollzieht, ist allerdings noch offen. Die Rolle von Knäbel – zuvor Leiter der Knappenschmiede – ist noch nicht geklärt. Der Aufsichtsrat konnte sich bislang noch nicht auf einen neuen Sportvorstand einigen.

Klar ist dennoch, der vermehrte Einbau eben jener Knappenschmiede. Mit Malick Thiaw (19), Can Bozdogan (19), Matthew Hoppe (19), Karim Calhanoglu (19)  und dem nach kurzem Aufenthalt in Essen zurückgekehrten Timo Becker (23) standen fünf Spieler in der Startformation, die in der Schalker U19 unter Norbert Elgert (64), dem wohl besten Jugendtrainer des Landes, aktiv waren. Für das Quintett ist es die erste – und äußerst lehrreiche – Spielzeit im Profifußball.

Schalke Grammozis

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Angesprochen auf seine Personalentscheidungen meinte Grammozis : „Die Aufstellung ist eine Spieltags – und keine Zukunftself gewesen.“ Alleine können die Youngster die Trendwende allerdings kaum einleiten. Sie benötigen ein funktionierende Gerüst um sich herum. Wenn es dem Chefcoach in Zusammenarbeit mit der sportlichen Leitung gelingt diese schwierige Aufgabe zu meistern, indem er einen passenden Spielstil – der in dieser Saison zu keiner Phase zu erkennen war – etabliert, darf sich Schalke Hoffnungen auf den Wiederaufstieg in Deutschlands höchste Spielklasse machen.

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Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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