Alaba, Boateng, Martinez: Drei Ikonen des FC Bayern sagen „Servus“

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David Alaba, Jerome Boateng und Javi Martinez haben den FC Bayern in den letzten Jahren mitgeprägt. Für alle ist am Saisonende Schluss. Die auslaufenden Verträge werden nicht verlängert. 

  • Alaba, Boateng und Martinez: Abschied nach erfolgreichen Jahren
  • Ein letztes Spiel gegen den FC Augsburg – vor 250 Zuschauern
  • Neue Herausforderungen für drei Legenden

Alaba, Boateng, Martinez: Ein letztes Mal FC Bayern

Samstagnachmittag, 17:20 Uhr in der Allianz Arena in München: Drei großartige Spieler werden zum letzten Mal für den FC Bayern in einem Pflichtspiel aufgelaufen sein. Die Karriere von David Alaba (28), Jerome Boateng (32) und Javi Martinez (32) in München endet. Sie endet mit der Übergabe der Meisterschale, standesgemäß. Abschiede von verdienten Spielern, die jahrelang eine wichtige Rolle bei einem Klub spielten, werden in der Regel zelebriert. Sie sind emotional. Das ist in dieser Saison aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich, denn ein ausverkauftes Haus wird es am letzten Spieltag in der Allianz Arena nicht geben.

Martinez Boateng Alaba

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Das tut weh.“Es wird ein seltsamer Abschied, weil ich so gerne in einem vollen Stadion den Fans auf Wiedersehen sagen würde. Das wäre mein Wunsch. Nicht nur von mir, auch von David, Jerome und Hansi. Leider lässt es die Situation nicht zu. Nicht auf Wiedersehen sagen zu können ist bitter und traurig“, teilte Javi Martinez im Kicker-Interview mit, das vor seinem Abschied erschien.

Und so ist es ein Abschied im Stillen. Ein Abschied, den der FC Bayern sicher angemessen zelebrieren wird, aber eben ein Abschied, der eine große Spur Wehmut erzeugt. Trainer Hansi Flick (56), der den Rekordmeister nach mehr als 1 1/2 Jahren und mit zahlreichen Titeln im Gepäck ebenfalls verlässt, wird alle drei natürlich spielen lassen. Eine Auswechslung mit Ehrenrunde und Standing Ovations von mehr als 70.000 Zuschauern fällt allerdings flach. Das ist nicht nur beim FC Bayern der Fall, auch andere Klubs wie Borussia Dortmund, die tragende Säulen der vergangenen Jahre verabschieden, sehen sich mit dieser Ausgangslage konfrontiert.

David Alaba: Gereift, gewachsen und zum Führungsspieler entwickelt

Doch nun zu den Protagonisten. Nicht wenige Fans des FC Bayern werden sich noch an einen der ersten Auftritte von David Alaba im Trikot des Rekordmeisters erinnern. Florenz, Stadio Artemio Franchi, Windgeschwindigkeiten im gefühlt dreistelligen km/h-Bereich und ein Gegner mit Jovetic, Montolivo, Vargas und jeder Menge Selbstvertrauen. Alaba spielte, wie ein Youngster, der aufgeregt ist. Aber eben wie einer, der über enorm viel Talent verfügt. Logischerweise gelang dem jungen Österreicher nicht alles, aber dieses Spiel, das die Mannschaft mit 2:3 verlor, das aber dennoch für den Einzug in die nächste Runde reichte, war der Startschuss für eine bisher extrem erfolgreiche Karriere. Es folgten lehrreiche Spiele, Fehler, aus denen der Youngster lernte. Eine Leihe zur TSG Hoffenheim sorgte schließlich für den entscheidenden Schub.

Alaba

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Eiskalte Elfmeter in wichtigen Spielen wie dem Halbfinale der Champions League 2012 im Estadio Santiago Bernabeu und eine immer besser werdende Balance zwischen Defensive und Offensive verhalfen Alaba schnell zum Status des Shootingstars. Wirklich schlechte Phasen hatte der Linksverteidiger in seiner Karriere kaum, die Konstanz ist bis heute beeindruckend. 2013 holte er auf seiner bis dahin angestammten Position das Triple, träumte aber immer von einer Position im Mittelfeld. Doch die klugen Köpfe auf der Trainerbank des Rekordmeisters sahen den Österreicher eine Stufe weiter hinten. So auch Hansi Flick, unter dem Alaba sein zweites Triple gewann. Diesmal als Innenverteidiger mit einem sehr guten Spielaufbau.

Eine neue Herausforderung mit kleinen Nebengeräuschen

430 Pflichtspiele, zehn Meisterschaften, sechs Pokalsiege, fünf Titel im deutschen Supercup und je zwei in der Klub-WM, der Champions League und dem UEFA Supercup: Viel mehr muss über die Zeit von Alaba in München gar nicht gesagt werden. „Das ist schon etwas Besonderes. Und ich bin extrem dankbar für diese Zeit“, resümiert der Österreicher selbst seine Karriere in München. Dass es am Ende ein Abschied mit Nebengeräuschen ist, lässt sich nicht von der Hand weisen.

Die wochenlangen, teils öffentlich ausgetragenen Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit bekanntem Ausgang hinterließen Spuren. Bei den Verantwortlichen und bei den Fans. Und zuweilen konnte man dem Verteidiger auch anmerken, dass ihm selbst die Situation nahe ging. Denn die Konstanzdellen auf dem Platz waren sichtbar. Das alles rüttelt aber nicht am Status von David Alaba, der sich in seinem Abschiedsvideo sehr emotional und berührt zeigte. Zweifelsohne ist Alaba eine Legende dieses Klubs und zweifelsohne trägt er den FC Bayern und die Fans im Herzen. Das sollte nicht vergessen werden, auch wenn die Dinge im letzten Jahr sicher anders hätten laufen können, was das Gesamtbild aber allerhöchstens marginal beeinträchtigt.

„Ich bin seit 13 Jahren jetzt hier in München. Die Stadt selbst ist in meinem Leben wirklich etwas Besonderes und ich fühle mich hier zuhause. Es ist sicher zu meiner zweiten Heimat geworden und es wird immer mein zuhause bleiben. Dieser Verein bedeutet mir sehr viel. Ich bin dem Verein sehr dankbar, den Fans sehr dankbar. Weil ich auch eine sehr enge Beziehung spüre zu den Fans, die haben uns und mich persönlich auch immer unterstützt. Ja… es war keine einfache Entscheidung“, sagt Alaba selbst in seinem Abschiedsvideo, das noch einmal auf die größten Szenen seiner Karriere zurückblickt und in dem ehemalige und aktuelle Weggefährten zu Wort kommen. Und dem Österreicher ist dabei jedes einzelne Wort zu glauben. Sehr wahrscheinlich zieht es den 28-Jährigen nun zu Real Madrid, wo er seiner großen Karriere in einer anderen Liga noch einmal ein neues Kapitel hinzufügen wird.

Jerome Boateng: Gegen alle Widrigkeiten angekämpft

Im Sommer 2011 wechselte Jerome Boateng für eine Ablösesumme von etwas mehr als 13 Millionen Euro von Manchester City zum FC Bayern. In Manchester spielte Boateng häufig als Rechtsverteidiger, Trainer Jupp Heynckes und die Vereinsführung sahen den Spieler in München aber deutlich eher auf seiner angestammten Position, dem Defensivzentrum. Boateng benötigte etwas Zeit, um seine Topform zu finden, startete dann aber durch. Sein erstes Jahr in München hätte mit den Enttäuschungen und Finalniederlagen kaum bitterer enden können, daraus zog der spielstarke Verteidiger aber viel Kraft. Schon ein Jahr später gewann er mit diesem Klub das Triple und steigerte seine Form derart kontinuierlich, dass er auch als Stammspieler Teil der Weltmeistermannschaft von 2014 werden konnte. 

Boateng Alaba

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Nicht jede Saison war einfach für den Verteidiger. Boateng musste mit einigen Rückschlägen umgehen und sich immer neuer Konkurrenz stellen. Das meisterte er aber mit Bravour. Auch komplizierte Verletzungen wie ein Sehnenriss, ein Muskelbündelriss oder eine extrem langwierige Oberschenkelverletzung verdaute Boateng gut. Immer wieder kämpfte er sich heran und fand wieder zu seiner Topform. In eben jener war er in der Abwehr nur schwer zu überwinden. Ein gutes Stellungsspiel, Robustheit, die nötige Geschwindigkeit und ein sehr ruhiger Spielaufbau, in den punktuell sehr präzise, weite Bälle eingebaut werden konnten, zeichneten Boateng aus. Im Verlauf der Jahre wurde die Bindung des Defensivspielers zu Klub und Fans immer enger. 

Boateng: Wechselgerüchte, Widerstände und wieder Stammspieler

„Beide Titel in der Champions League waren super wichtig, aber 2020, mit dem Hintergrund, dass man zuvor ein schlechtes Jahr hatte, sich da rauszukämpfen, das ist schon etwas ganz Besonderes.“ So beschrieb Jerome Boateng in der Doku anlässlich seines Abschiedes seine Gefühle rund um die beiden Titel, die er in der Königsklasse mit dem FC Bayern gewinnen konnte. In den letzten Jahren gab es immer wieder Gerüchte rund um einen Abgang von Boateng. Der Verteidiger selbst beschäftigte sich mit einer Luftveränderung, vor allem im Sommer 2019 war das deutlich zu spüren. Die Mannschaft feierte den Titel, Boateng wirkte wie abwesend und nahm nicht an den Feierlichkeiten teil.

„Ich wollte sowieso noch einmal was Neues machen, war vom Kopf schon so eingestellt, dass ich wechseln werde. Es war nicht einfach. Dann kamen bei mir noch private Dinge dazu, dann lief es einfach nicht so gut für mich. Klar bin ich dann frustriert. Das hat sich aufgestaut, für mich war das schwer, aber am Ende habe ich mich auch bei der Mannschaft dafür entschuldigt“, erklärt der Verteidiger seine Gefühlslage.

Und auch wenn ihm sogar Uli Hoeneß nahe legte, eine neue Herausforderung zu suchen, blieb Boateng dem FC Bayern erhalten. Er kämpfte gegen alle Widrigkeiten und Widerstände an, wurde unter Hansi Flick wieder zur wichtigen Figur in der Defensive und konnte noch einmal allen Kritikern zeigen, was in ihm steckt. 2021 verlässt er nun den FC Bayern endgültig und sucht noch nach einer neuen Herausforderung. Wie diese aussehen wird ist aktuell noch nicht bekannt. Interessenten dürfte es jedenfalls einige geben, denn die sportliche Qualität ist trotz einer gewissen Verletzungsanfällgikeit noch immer sehr hoch.

Javi Martinez: Triple-Garant, Supercup-Held und Fanliebling

Im Sommer 2012, nachdem der FC Bayern sowohl in der Bundesliga, als auch im DFB-Pokal und der Champions League nur „zweiter Sieger“ war, verpflichtete der Rekordmeister auf ausdrücklichen Wunsch von Trainer Jupp Heynckes Javi Martinez vom Athletic Club. Der spanische Defensivspieler wurde mit einer Ablösesumme von 40 Millionen Euro Rekordtransfer, seine Ankunft wurde gebannt verfolgt. Liveticker zur Verhandlungslage, detailliertes Verfolgen des Flightradars: Der Transfer wurde zelebriert. Und er sollte sich auszahlen. Schon im ersten Jahr entwickelte sich der Spanier zum Stammspieler, wurde eine feste Größe neben Bastian Schweinsteiger. Martinez stabilisierte die Mannschaft, zeigte unbändigen Willen und gewann prompt als enorm wichtiger Spieler das Triple.

Auch unter dem neuen Trainer Pep Guardiola nahm Martinez eine wichtige Rolle ein. Im Spiel um den europäischen Supercup gegen den FC Chelsea, das als Revanche für das „Finale Dahoam“ 2012 galt, erzielte Martinez in der Schlussphase der Verlängerung den immens wichtigen Treffer zum 2:2. Es ging in das Elfmeterschießen, Bayern setzte sich durch. Auch in den darauffolgenden Jahren sammelte der Spanier Titel um Titel. Er spielte im Mittelfeld, häufiger aber auch in der Innenverteidigung und verrichtete überall gewissenhaft seinen Dienst. Auf dem Platz war ein sicherer Rückhalt für die Mannschaft, neben dem Platz wuchs er schnell zu einem Fanliebling. Seine sympathische und zurückhaltende Art imponierte, Martinez war nie ein Lautsprecher, aber dennoch ein Spieler, auf den Trainerteam, Verantwortliche und Mitspieler hörten.

Leidenszeit, Comebacks und ein Abgang, der sich andeutete

267 Pflichtspiele absolvierte Javi Martinez für den FC Bayern. Dass es nicht noch mehr wurden, liegt an mehreren Faktoren. Der Spanier kämpfte mit einigen Verletzungen. Leisten-OP, Kreuzbandriss, Meniskusschaden, Schlüsselbeinbruch, Muskelbündelriss: Die Akte der Verletzungen ist lang, darüber hinaus spielte auch die extrem hohe Qualität im Kader in den letzten Jahren eine Rolle. Von Jahr zu Jahr war es schwieriger, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. Das musste auch der Spanier akzeptieren. 805 Spielminuten: So lautet die Statistik vor dem letzten Spieltag in der Saison 2020/21. „Auch wenn man nur ein oder zwei Minuten spielt, muss man immer alles für die Mannschaft geben. Das war in dieser letzten Saison mein Motto“, nimmt der Spanier der Situation sehr gefasst auf.

Martinez

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Und genau mit dieser Einstellung bleibt der 32-Jährige den Anhängern des Rekordmeisters im Gedächtnis. Als Spieler aus Spanien, der sich vom ersten Tag an vollumfänglich mit dem Klub identifiziert hat. Trotz vieler Titel gab es schwierige Momente, aber auch in diesen Zeiten stellte sich Martinez in den Dienst der Mannschaft. Sei es als Motivator, als Ansprechpartner für junge Spieler oder Neuzugänge oder einfach als Spieler, den man auch in den letzten Minuten noch bringen kann und der sich noch in den Zweikampf wirft, als sei es der letzte. Der Abgang vom FC Bayern deutete sich an, da die Rolle auf dem Feld sukzessiv kleiner wurde. Mit dem Triple 2020 schloss sich der Kreis eigentlich schon in der Vorsaison  und trotzdem gehört das letzte Jahr mit all seinen Facetten genau so zu Martinez wie der Spanier zum FC Bayern. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Alaba, Martinez, Boateng sagen „Servus“

Wenn drei Spieler, die – in unterschiedlichen Rollen – gleich zweimal mit einem Klub das historische Triple samt darauffolgenden Triumphen im europäischen Supercup und bei der Klub-WM feiern durften, gleichzeitig den Verein verlassen, bedeutet das einen Einschnitt. Der Rekordmeister wollte diese verdienten Spieler gebührend verabschieden, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten. Daher fertigte die Medienabteilung des FC Bayern entsprechende Abschiedsvideos für Alaba, Boateng und Martinez an.

Danke Javi! Ein Kind aus Ayegui – Das Abschiedsvideo von und mit Javi Martinez

Danke Jerome! 10 Jahre FC Bayern – Das Abschiedsvideo von und mit Boateng

Danke 27 – Botschaften an David Alaba – Das Abschiedsvideo von und mit Alaba

Und auch Hansi Flick erweist diesen Spielern noch einmal die Ehre, von Beginn an im Trikot des FC Bayern aufzulaufen. Das bestätigte der Cheftrainer auf der Pressekonferenz vor dem letzten Spiel gegen den FC Augsburg, das vor 250 Zuschauern ausgetragen werden darf. Eine „Verabschiedung light“ vor den Fans ist also immerhin möglich. Die große Feier wird aber sicher folgen und das haben sich alle diese Spieler redlich verdient. Mit vielen Jahren im Trikot des FC Bayern, voller Erfolge und Herzblut.

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Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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