Kobel gegen alle! – Die Einzelkritik zu Dortmunds Sieg in Frankfurt

Frankfurt Dortmund
Bundesliga

Im Topspiel des 12. Bundesliga-Spieltags gewann der BVB 2:1 in Frankfurt. Wir haben die Akteure unter die Lupe genommen und beurteilt.

Beide Mannschaften sorgten von Vornherein für gute Samstagabend-Unterhaltung. In den Zweikämpfen ging es rassig zu, offensiv bestach vor allem die Eintracht. Die Führung erzielten zwar die Gäste durch Julian Brandt (20.), Daichi Kamada konnte wenig später aber mit einem strammen Abschluss ausgleichen (26.). Kurz vor der Pause hätte es Elfmeter für Frankfurt geben müssen, das Schiedsrichterteam um Sascha Stegemann übersah allerdings ein klares Foulspiel an Randal Kolo Muani (42.).

Ohnehin musste sich der BVB glücklich schätzen, dass es nur bei einem Gegentor blieb. Die Hausherren ließen einige Hochkaräter liegen, scheiterten ein ums andere Mal an einem herausragenden Gregor Kobel. Auf der anderen Seite reichte den Dortmundern ein starker Spielzug zur schmeichelhaften 2:1-Führung durch Jude Bellingham (52.), die gleichbedeutend mit dem Endstand war. Hier geht es zum ausführlichen Spielbericht.



Frankfurt: Jakic räumt alles ab, vorne fehlt die Effizienz

Kevin Trapp: Hatte einen überraschend ruhigen Abend. Wurde tatsächlich kein einziges Mal geprüft, während er bei den Gegentoren machtlos war. Manko: Seine Spieleröffnung war nicht immer präzise. Note: 3,5

Tuta: Ordentliche Spieleröffnung, zudem eine gute Chance gegen Bellingham verhindert. Allerdings war Tuta an beiden Gegentoren entscheidend mitbeteiligt. Beim 0:1 ging er zu früh zu Boden statt am Gegner zu bleiben, beim 1:2 ließ ihn Bellingham mit einem Haken aussteigen. Note: 4,5

Kristijan Jakic: Acht Klärungsaktion, zwei geblockte Schüsse, drei Tacklings – Jakic bereinigte heute alles, was es zu bereinigen gab. Wenn sich die Dortmunder in der Offensive blicken ließen, scheiterten sie in der Regel am Kroaten. Bester Frankfurter!  Norte: 2,0

Evan Ndicka: Beim 0:1 zu weit weg von Torschütze Brandt, ansonsten ließ sich Ndicka defensiv wenig zu Schulden kommen. Überzeugte auch mit Ball, war oft die erste Station im Spielaufbau. Note: 3,0

Junior Dina Ebimbe: Suchte häufig den Weg in die Offensive, wo er sich aber zu oft verrannte. Auch gegen den Ball zog er immer wieder den Kürzeren. Wenn ihn heute eins auszeichnete, war es der eiserne Wille. Der Franzose gab keinen Ball verloren, sorgte so auch für die ein oder andere Drucksituation beim Gegner. Note: 4,0

Daichi Kamada (bis 84.): War Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Eintracht und gefühlt überall auf dem Platz. Gegen den Ball überzeugte er in den Zweikämpfen, offensiv als Balltreiber, Passgeber – und Torschütze: Mit seinem strammen Abschluss besorgte er das zwischenzeitliche 1:1. Note: 2,5

Sebastian Rode (bis 72.): Defensiv solide, mit Ball zeigte er heute ungewohnte Qualitäten als Passgeber. 95 Prozent seiner Zuspiele kamen an den Mann, auch die ein oder andere Offensivaktion leitete der Kapitän ein. Note: 3,0

Luca Pellegrini: Defensiv stark, mit Ball am Fuß dafür technisch nicht immer ganz sauber. Auch seine Flanken hatten gut Luft nach oben. Note: 3,5

Jesper Lindström (bis 77.): Einer der gefährlichsten Frankfurter an diesem Abend. Lindström suchte immer wieder den Torabschluss, wurde aber häufig in die Zange genommen oder scheiterte an Kobel. Note: 3,0

Mario Götze: Der Spieler mit den meisten Kilometern an diesem Abend. Das machte sich auch während des Spiels bemerkbar, denn Götze leistete einen enorm hohen Arbeitsaufwand. Mit Ball am Fuß überzeugte er in engen Räumen, prüfte nach eigener Balleroberung auch einmal Kobel.  Gegen den Ball lief er immer wieder hoch an, zeigte sich bissig in den Zweikämpfen. Note: 2,5

Randal Kolo Muani: Machte mit seinen Gegenspielern, was er wollte. Beim Ausgleich zum 1:1 band er gleich zwei Mann, später traf er einmal den Pfosten (42.), hatte nach der Pause ein Privatduell mit Kobel. Manko heute war im Grunde einzig die Effizienz. Note: 2,5

Einwechslungen bei Frankfurt

Djibril Sow (72. für Rode): keine Bewertung

Lucas Alario (77. für Lindström): keine Bewertung

Rafael Borre (84. für Kamada): keine Bewertung

Eintracht-Noten von Michael Bojkov

Frankfurt Dortmund

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

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BVB: Kobel überragend – Schlotterbeck unsicher

Gregor Kobel: Beim Gegentor machtlos, anschließend sicherer Rückhalt und mit fünf reflexstarken Paraden, drei davon mit dem Fuß. Der Garant dafür, dass der BVB trotz Frankfurter Chancenplus als Sieger vom Platz ging. Note: 1,5 

Niklas Süle: Fand sich auf ungewohnter Rechtsverteidigerposition erstaunlich gut zurecht. Defensiv aufmerksam, offensiv spielintelligent und akkurat im Pass- und Flankenspiel. Leitete das 2:1 mit einem Pass in die Tiefe ein. Etwas plump, als er Mario Götze (wohl unbewusst) in Kobel stieß. Note: 2,5

Mats Hummels: Begann antizipationsstark und abgezockt. Wichtiger Block beim Stand von 0:0. Ließ sich dann etwas von seinem unsicheren Nebenmann anstecken und hatte mehrfach mit dem körperlichen und schnellerem Kolo Muani Probleme. Nach einer Stunde setzte Hummels dort an, wo er anfing und hielt den Laden mit Übersicht und Routine zusammen. Note: 3,0

Nico Schlotterbeck: Ein Unsicherheitsfaktor. Zu wenig Körperspannung und Gedankenschnelligkeit im Zweikampf, wirkte sowohl mit als auch ohne den Ball unkonzentriert und wackelig. Überragende Rettungstat auf der Linie beim Stand von 2:1, aber auch viel Glück, dass sein Stockfehler im eigenen Strafraum folgenlos blieb. Note: 4,5

Thorgan Hazard: Ihm war die Positionsfremde anzumerken, wurde einige Male zu leicht um- oder ausgespielt, was zur allgemeinen Unstabilität beitrug. Nichtsdestotrotz nahm er die Situation an: Hazard kämpfte, arbeitete viel und zeigte Biss im Zweikampf. Offensiv zu passiv. Note: 3,5

Jude Bellingham: Überall involviert, allerdings nicht ganz so erfolgreich und konzentriert wie gewohnt. Hatte im ersten Durchgang einige ungewohnte Stock- und Abspielfehler, was ihn sehr zu beschäftigen schien. Sinnbildlich: Vor dem 1:1 haderte Bellingham zu lange mit dem Schiedsrichter, kam so zu spät in den Zweikampf und ließ sich zu leicht von Kamada abkochen. Hätte bereits im ersten Durchgang das 2:1 schießen können, als sein erster Kontakt zu fest war. Der Treffer folgte im zweiten Durchgang und war in Sachen An- und Mitnahme sowie Abschluss herausragend. Ein für seine Verhältnisse durchwachsener Auftritt, der dennoch eine Weltklasseaktion beinhaltete. Note: 3,0

Salih Özcan: Licht, aber mehr Schatten – sowohl mit als auch ohne Ball. Teilweise aggressiv und resolut im Zweikampf, dann aber wieder zu weit von seinem Gegenspieler entfernt. Starke Spieleröffnung beim 1:0, dann aber einige Fehlpässe und mit großem Glück, als er als letzter Mann den Ball vertändelte. Note: 4,5

Karim Adeyemi (bis 69. Minute): Bemüht, aber glücklos. Arbeitete viel, fiel aber vor allem durch Theatralik, suspekte Entscheidungen im Ballbesitz und der strittigsten Aktion des Spiels auf: Der 20-Jährige hatte großes Glück, dass sein Schubser an Lindström im Strafraum beim Stand von 1:1 nicht mit einem Elfmeter geahndet wurde. Note: 5,0

Julian Brandt (bis 61. Minute): Begann etwas unkonzentriert, war aber zumeist involviert, wenn es am Frankfurter Strafraum gefährlich wurde. Starke Ballnahme und überlegter, trockener Abschluss zum 1:0. Im Anschluss immer passiver und anscheinend auch angeschlagen, weshalb der Wechsel nach einer Stunde folgte. Note: 3,5

Donyell Malen (bis 61. Minute): Kam schwer in die Partie, steigert sich jedoch. Ließ beim 1:0 Dina Ebimbe stark aussteigen, die Flanke nach innen war präzise und überlegt. Diese Aktion gab ihm Selbstbewusstsein. Malen hätte einen zweiten Assist haben müssen, als er uneigensinnig auf Bellingham vorlegte. Wurde – wie die gesamte Offensive – immer passiver. Note: 3,5

Yousouffa Moukoko (bis 61. Minute): Tat sich zunächst schwer gegen Ndicka, war aber auch kaum im Offensivspiel eingebunden. Bis zur zweiten Hälfte, als er mit einem präzisen und gedankenschnellen Ballkontakt das 2:1 durch Bellingham einleitete. Note: 4,0

Einwechslungen beim BVB

Emre Can, Anthony Modeste, Giovanni Reyna (alle ab 61. Minute) und Marius Wolf (69. Minute): Die Einwechselspieler waren allesamt vor allem mit Defensivaufgaben beschäftigt und trugen ihren Anteil, dass der Sieg über die Zeit gebracht wurde. Note: nicht zu bewerten

BVB-Noten von Chris McCarthy

(Photo by DANIEL ROLAND/AFP via Getty Images)

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