Was wurde eigentlich aus? Teil 17: Alen Halilovic

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Im Jahr 2014 zählte Alen Halilovic zu den vielversprechendsten Talenten des Weltfußballs. Mittlerweile ist der Kroate 23 Jahre alt und konnte den hohen Erwartungen keinesfalls gerecht werden. In seiner noch jungen Karriere stand der einst als „Balkan-Messi“ betitelte, Halilovic bereits bei acht Vereinen unter Vertrag, darunter auch beim Hamburger SV, doch konstant überzeugen konnte er bei keinem Klub.

Supertalent Alen Halilovic

Mit 8 Jahren kam Alen Halilovic zu Dinamo Zagreb. Beim kroatischen Haupstadtklub durchlief der Sohn von Ex-Profi Sejad Halilovic alle Jugendabteilungen, ehe er 2012 im Alter von 16 Jahren den ersten Profivertrag bei seinem Heimatverein unterschrieb.

Alen Halilovic galt zu diesem Zeitpunkt als größtes Talent im kroatischen Fußball und wusste auf elegante Art und Weise mit Spielmacherqualitäten wie Technik, Passspiel, und Torgefahr zu begeistern. Noch immer hält Halilovic mit 16 Jahren den Rekord als jüngster eingesetzter Spieler der kroatischen ersten Liga, so wie den Rekord als jüngster Torschütze der 1. HNL. Zudem ist Halilovic der jüngste Spieler, der in der kroatischen A-Nationalmannschaft zum Einsatz kam.

(Photo by Damir Sencar/EuroFootball/Getty Images)

Das große Potential von Halilovic wurde auch außerhalb Kroatiens schnell zum Thema und es dauerte nicht lange, bis diverse europäischen Topclubs ihr Interesse an einer Verpflichtung von Halilovic bei Dinamo Zagreb bekundeten. Der kroatische Serienmeister hätte Halilovic gerne gehalten, doch war im Werben gegen die europäischen Topvereine chancenlos.

Zu den Interessenten zählten unter anderem Real Madrid, Bayern München, Manchester City, Borussia Dortmund und die Tottenham Hotspurs. Im Frühjahr 2014 konnte der FC Barcelona das Tauziehen um den 17-jährigen Halilovic für sich entscheiden. Im Gegenzug erhielt Dinamo Zagreb eine Ablösesumme von 5 Millionen und die Dienste des 16-jährigen Dani Olmo.

Karriereknick in Spanien

Als Reaktion auf den Wechsel zum FC Barcelona kreierte die spanische Presse einen regelrechten Hype um den Teenager, bei dem Vergleiche mit dem sechsmaligen Ballon d’Or-Sieger Lionel Messi an der Tagesordnung standen. Der FC Barcelona verfolgte hingegen den Plan, den jungen Kroaten behutsam aufzubauen. Teil des Plans war, dass Halilovic sich über eine Saison in der Reserve-Mannschaft des FC Barcelona an das neue Umfeld gewöhnt und in der zweiten spanischen Liga Spielpraxis sammelt. Die Gewöhnungsphase verlief nicht optimal. Die Zweitvertretung der Katalanen stieg ab und man entschied das Juwel in der nächsten Saison an ein anderes Team in einer höheren Spielklasse zu verleihen.

(Photo by Damir Sencar/EuroFootball/Getty Images)

In der Folgesaison schloss Halilovic sich im Rahmen eines Leihgeschäfts dem Aufsteiger Sporting Gijon an. Die Verantwortlichen des FC Barcelona erhofften sich, dass sich das Offensivtalent in Gijon weiterentwickeln würde und stellten ihm eine Rückkehr nach Leihablauf in Aussicht. Bei Sporting Gijon kam Halilovic in 36 von 38 möglichen La Liga-Partien zum Einsatz und war an 8 Toren beteiligt. Der Kroate zeigte oft gute Ansätze, aber die Führungsetage des FC Barcelona traute Halilovic nach Saisonende noch nicht zu, eine tragende Rolle beim amtierenden Champions League-Sieger zu übernehmen. Die Katalanen entschieden für einen Verkauf des damals 20-jährigen, der lediglich 28 Pflichtspielminuten für die erste Mannschaft des FC Barcelona auf dem Platz stand.

Der Versuch eines Neustarts beim HSV

Im Juli 2016 einigte sich der FC Barcelona mit dem Hamburger SV auf einen Transfer von Alen Halilovic. Die Spanier sicherten sich eine Rückkaufoption im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, von der man im Falle eines Durchbruchs Gebrauch machen würde. Halilovics Debüt beim Hamburger SV verlief durchaus vielversprechend. Nur wenige Minuten nach seiner ersten Einwechslung erzielte schmächtige Techniker den Siegtreffer für den HSV in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den FSV Zwickau. Dieser Treffer sollte jedoch das Highlight eines kurzen Intermezzos in Hamburg bleiben.

Die Euphorie verflog schnell und der Kroate fiel sowohl auf, als auch neben dem Platz negativ auf. Ein großer Vorwurf war das Fehlen der richtigen Mentalität, welche sich im Fitnesszustand und dem Defensivverhalten des damals 21-jährigen widerspiegelte. Von der Leichtigkeit, die Halilovic in jungen Jahren in seinem Heimatland an den Tag legte, war nicht mehr viel zu sehen. Den persönlichen Tiefpunkt erlebte Halilovic im Anschluss des Bundesliga-Spiels gegen den BVB. Nach der 2:5 Niederlage im heimischen Volksparkstadion wollte Halilovic seinen Ex-Teamkollegen Marc Bartra in der Gäste-Kabine besuchen, doch wurde vom vereinseigenen Ordner abgewiesen, weil dieser ihn in Zivilkleidung nicht erkannte.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Halilovic enttäuschte und absolvierte in der Hinrunde weder unter Bruno Labbadia, noch unter Nachfolger Markus Gisdol eine Partie über die volle Spielzeit. Folglich strebten sowohl der HSV, als auch Halilovic selbst eine Trennung im Winter an. Las Palmas zeigte Interesse und verpflichtete Halilovic gegen eine Leihgebühr von 500.000€ für anderthalb Jahre bis zum Sommer 2018. Zusätzlich wurde eine Kaufoption über vier Millionen Euro vereinbart. In einem Instagram-Post verabschiedete sich Halilovic mit den Worten „Champions glauben an sich, auch wenn es sonst niemand tut“ aus Hamburg. Den Wechsel zum HSV bezeichnete Halilovic gegenüber Voetbal International rückblickend als großen Fehler.

Von Las Palmas über Mailand nach Lüttich

Halilovic wagte einen zweiten Anlauf in Spanien, doch kam in seinen 18 Monaten bei UD Las Palmas nicht über eine Mitläuferrolle hinaus. Erschwerend hinzu kam, dass der 1,69 Meter große Mittelfeldspieler eine viermonatige Zwangspause aufgrund einer Sprunggelenksverletzung einlegen musste. In der zweiten Saison stieg Las Palmas in die zweite spanische Liga ab und man entschied sich gegen die Aktivierung der Kaufoption des Kroaten. Somit folgte im Sommer 2018 vorerst die Rückkehr zum HSV.

Keine der beiden Parteien hatte jedoch Interesse an einer erneuten Zusammenarbeit. Aufgrund von ausbleibenden Angeboten entschieden sich die Verantwortlichen des HSV dazu, Halilovic ablösefrei freizugeben. Damit wollte man sicherstellen, dass man zumindest das Gehalt des ehemals so begehrten Talents, nach dem Abstieg der Vereinshistorie einsparen zu können.

Der AC Mailand nahm Halilovic unter Vertrag und das nächste Missverständnis folgte. In der Vorbereitung konnte Halilovic den Milan-Coach Gennaro Gattuso nicht von seinen Fähigkeiten überzeugen, nach der Verpflichtung von Samu Castillejo geriet Halilovic endgültig aufs Abstellgleis. Die 55 Minuten, die Halilovic für den AC Mailand auf dem Platz stand, addierten sich aus drei Europa League-Einsätzen. In allen anderen Wettbewerben nahm das frühere „Wunderkind“ ausschließlich auf der Ersatzbank oder der Tribüne Platz.

Ein halbes Jahr später, am Deadline-Day des Wintertransferfensters der Saison 2018/2019, wurde Halilovic zu Standard Lüttich verliehen. Doch auch dort konnte Halilovic sportlich nicht überzeugen und nahm lediglich die Rolle des Edelreservisten ein. Exakt neun Monate später, am Deadline-Day des Sommertransferfensters 2019, endete das Kapitel Lüttich mit der vorzeitigen Beendigung des Leihgeschäfts für Halilovic.

Schwierigkeiten bei Heerenveen

Es dauerte keine 24 Stunden, ehe Halilovic zum nächsten Verein transferiert wurde. Dieses Mal zog es den Legionär per Leihe nach Heerenveen. Der 23-jährige kam anfangs nur in der zweiten Mannschaft des SC Heerenveen zum Einsatz, mittlerweile ist er zumindest wieder Teil des Profikaders des Tabellenzehnten der Eredivisie. Gelegentlich lässt der gelernte Zehner mit technisch feinen Einzelaktionen erahnen, warum ihm damals so viele eine Weltkarriere prophezeiten. Die Glanzmomente sind beim Ex-Juwel allerdings eher die Ausnahme, als der Regelfall.

Alen Halilovic selbst glaubt immer noch an den Durchbruch und zog vor einigen Monaten im Interview mit Voetbal International einen Vergleich mit Luka Modric, welcher erst nach seinem 23. Geburtstag den Sprung zu einem europäischen Topspieler schaffte. Planmäßig endet der Vertrag von Halilovic bei Heerenveen am 30. Juni dieses Jahres, anschließend würde es zurück zum AC Mailand gehen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass es im Sommer auf den Wechsel zur neunten Profistation für das ehemalige Toptalent hinauslaufen wird.

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 (Photo by Thomas Eisenhuth/Bongarts/Getty Images)

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