Weißt du noch? 18. August 2007 – Dortmunder Debakel und Schalker Freuden im Revierderby

Weißt du noch...?

Spotlight | Das Revierderby wirft seine Schatten voraus und am morgigen Samstag ist es soweit, der FC Schalke 04 empfängt Borussia Dortmund. In der Vergangenheit hielt dieses Spiel für die Zuschauer stets einiges parat. Emotionale, aggressiv geführte Spiele waren ebenso an der Tagesordnung wie fußballerische Leckerbissen.

In diesem Beitrag in unserer Reihe „Weißt du noch?“ blicken wir auf ein Spiel in den ersten Wochen der Saison 2007/08 zurück, als der FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund groß aufspielte. Doch der Reihe nach.

Prominente Abgänge, talentierte Neuzugänge

Die Saison 2006/07 verlief durchaus überraschend. Der FC Schalke 04 wurde Vizemeister, was nun nicht unfassbar überraschend war, aber der VfB Stuttgart konnte den Meistertitel einfahren. Für Schalke war die Saison dennoch sehr erfolgreich, ließ man doch unter anderem Werder Bremen und den FC Bayern hinter sich. Borussia Dortmund hingegen musste sich mit 44 erreichten Punkten am Ende mit einem neunten Platz zufrieden geben, der genau das ausstrahlte, was der BVB damals war: Mittelmaß.

Im Sommer des Jahres 2007 tat sich beim FC Schalke 04 einiges im Kader. Hamit Altintop, der bei den „Königsblauen“ seinen Durchbruch feiern konnte, wechselte ablösefrei zum FC Bayern München und wollte den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen. Die Abgänge von Tim Hoogland (Mainz 05), Michael Delura (Panionios), Niko Bungert (Offenbach) und Timo Kunert (HSV) waren zu verkraften, Sebastian Boenisch, der für 3,5 Millionen Euro nach Bremen wechselte, gehörte eher zu den prominenteren Abgängen. Gleiches gilt für Lincoln, der die Schalker Fans als extravaganter Spielmacher jahrelang verzückte, sich im Sommer 2007 aber Galatasaray anschloss.

Die Neuzugänge waren größtenteils sehr jung. Benedikt Höwedes stieß aus der eigenen Jugend zu den Profis, Heiko Westermann, damals 23, kam aus Bielefeld. Jermaine Jones wurde ablösefrei aus Frankfurt verpflichtet, Mittelfeldspieler Carlos Grossmüller kam aus Uruguay und der erst 19-jährige Ivan Rakitic, für fünf Millionen Euro aus Basel losgeeist, sollte der neue Königstransfer der Schalker werden.

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Große Sprünge auf dem Transfermarkt waren für Borussia Dortmund vor der Saison 2007/08 nicht möglich. Auf der Abgangsseite sticht der Wechsel von Christoph Metzelder zu Real Madrid hervor, der junge Nuri Sahin (damals 18) wurde zu Feyenoord verliehen. Matthew Amoah und Steven Pienaar hinterließen keine große Lücke, Ebi Smolarek brachte immerhin 4,5 Millionen Euro ein, als er zu Racing Santander nach Spanien wechselte. Einige Neuzugänge konnte der BVB aber dennoch begrüßen. Delron Buckley kehrte von seiner Leihe nach Basel zurück, auch von dort kam Maden Petric nach Dortmund. Giovanni Federico (KSC) und Robert Kovac (Juventus) kamen ablösefrei, Marc Ziegler wurde zur Verstärkung des Torhüterteams aus Saarbrücken geholt und Diego Klimowicz (Wolfsburg, 1,5 Mio Euro) und Jakub Blaszczykowski (Krakau, 3 Mio. Euro) komplettierten den Kader.

Die Vorzeichen vor dem Spiel

Der FC Schalke 04 konnte mit der Vorsaison sehr zufrieden sein und wollte den nächsten Schritt gehen. Mit einer Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten wie Özil und Neuzugang Rakitic und vor allem mit einer eingespielten und stabilen Defensive sollte zumindest versucht werden den Titel anzugreifen. Zu Beginn der Saison fand sofort eine aussagekräftige Standortbestimmung statt, als Schalke beim Meister in Stuttgart ran musste. Das 2:2 zeigte, dass die „Königsblauen“ mithalten können und ihre Zielsetzung durchaus realistisch ist. Diesen guten Ansatz wollte man natürlich mitnehmen und den BVB, der einen etwas anderen Saisonstart verlebte, vor Probleme stellen.

(Photo by Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images)

Denn die Dortmunder mussten bei der vermeintlich leichten Heimaufgabe gegen den MSV Duisburg eine herbe 1:3-Schlappe hinnehmen. Vor allem Manasseh Ishiaku bekamen die „Schwarzgelben“ überhaupt nicht in den Griff. Dortmund wollte nach Platz neun im Vorjahr einen Schritt nach vorne machen und zumindest um die internationalen Ränge mitspielen, wohlwissend, dass dies nicht einfach werden würde. Und die Kritiker sahen sich früh bestätigt. Es war klar: Im Derby muss eine Steigerung her, um sowohl weitere kritische Stimmen von außen als auch innere, interne Unruhe zu verhindern.

Aufstellungen und Statistiken

FC Schalke 04: Neuer, Rafinha, Bordon, Krstajic, Pander, Bajramovic (76. Großmüller), Ernst, Kobiashvilli, Rakitic (82. Özil), Asamoah (67. Lövenkrands), Kuranyi

Bank: Schober, Westermann, Jones, Halil Altintop

Trainer: Mirko Slomka

Schiedsrichter: Knut Kircher

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Kringe, R. Kovac, Wörns, Dede, Kruska, Tinga, Buckley (65. Federico), Blaszczykowski (76. Smolarek), Klimowicz (46. Valdez), Petric

Bank: Ziegler, Amedick, Brzenska, Degen

Trainer: Thomas Doll

Schalke beginnt extrem wach

Nachdem Knut Kircher die Partie pünktlich angepfiffen hatte, zeigte sich von Beginn an, welche Mannschaft die breitere Brust hatte. Und das waren die Gastgeber vom FC Schalke 04. Nach einem Freistoß von Pander, der in diesem Spiel einige hervorragende Standards trat, hatte die Hintermannschaft des BVB große Probleme, bugsierte den Ball erst an die Latte, den nachfolgenden Kuranyi-Kopfball konnte Roman Weidenfeller über die Latte lenken. Schalke versuchte viel Druck auszuüben ohne dabei zu sehr ins Risiko zu gehen. Belohnen konnte man sich dennoch schon in der 11. Minute.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Und wie sollte der Treffer anders fallen als nach einer gefährlichen Freistoßflanke von Christian Pander? Der Linksfuß schoss den Ball in Richtung Tor, BVB-Stürmer Klimowicz ließ Marcelo Bordon enteilen und der bedankte sich und beförderte den Ball aus kurzer Distanz vorbei an Roman Weidenfeller. Die Führung gab dem FC Schalke 04 noch mehr Selbstvertrauen. Rakitic wirbelte im Mittelfeld fantastisch und zog die Fäden, machte immer wieder Räume auf in die beispielswiese Fabian Ernst stoßen konnte. Rakitic prüfte kurz nach dem 1:0 Roman Weidenfeller, Ernst schloss kurz danach gefährlich ab. Dortmund kam in der gesamten ersten Halbzeit nur einmal so richtig gefährlich vor das Tor der Schalker, die Doppelchance von Klimowicz blieb aber ungenutzt. 

Schalke spielt mit Dortmund

Doch zurück zum Gastgeber. Der kontrollierte die Partie weiter nach Belieben und ließ Dortmund nur gelegentlich durchschnaufen. Immer wieder schaffte es Schalke das Tempo enorm anzuziehen und brachte damit die Defensive der Gäste durcheinander. Die Mischung aus Spielfreude, zu sehen bei Rakitic, den enormen Einsatz, den Asamoah vorlebte und gefährlichen ruhenden Bällen von Pander war zu viel für den BVB.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Eben jener Pander traf nach einer halben Stunde nämlich per Freistoß zum vielumjubelten 2:0, Roman Weidenfeller blieb chancenlos. Auch bis zur Pause änderte sich das Spielgeschehen kaum, Schalke dominierte ohne die ganz großen Chancen zu kreieren, hatte für jeden Nadelstich des BVB eine Antwort parat. Dortmund griff zunehmend zu Fouls, Wörns und Kruska wurden mit einer gelben Karte bestraft.

In der Halbzeit reagierte Thomas Doll und brachte den beweglicheren Nelson Valdez für Diego Klimowicz. Viel besser wurde die Partie aus Sicht der Schwarzgelben damit aber nicht.

Dortmund findet keine Mittel

Weiterhin fehlte Dortmund die Struktur in der Offensive. Dede musste in letzter Sekunde gegen Gerald Asamoah klären, auch Pander blieb mit seinen ruhenden Bällen weiterhin ein Protagonist. Jeder Ball, der hoch in den Strafraum flog, wurde gefährlich, weil selbst die Hereingaben, die geklärt würden, sehr unsauber aus dem Strafraum befördert wurden. Die Folge: Das 3:0 für Schalke 04 fiel. Bajramovic hatte auf der rechten Seite nahezu absurd viel Platz, flankte präzise in die Mitte und Gerald Asamoah belohnte sich per Kopfball für seinen enormen Aufwand.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Hätte Schalke 04 weiter mit einer solchen Konsequenz nach vorne gespielt, dann wäre ein Kantersieg durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Doch im Anschluss nahmen die „Königsblauen“ das Tempo ein wenig heraus, was durch den BVB bestraft werden konnte. Dede setzte sich gegen Rafinha durch, Nelson Valdez sorgte mit dem 3:1 für Ergebniskosmetik. Nicht viele Zuschauer erwarteten zu diesem Zeitpunkt, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht und der BVB noch einmal die Mittel findet, um das Spiel spannender zu gestalten. 

Und sie sollten Recht behalten. Schalke spielte es mit der Führung im Rücken weiterhin clever, wurde nicht nervös und man merkte förmlich, dass die Gastgeber wussten, dass sie nur kurz das Tempo erhöhen müssen, um Dortmund zu beschäftigen und zu Fehlern zu zwingen. Nach einer erneut sehr guten Flanke, diesmal vom Georgier Kobiashvilli, nickte Kuranyi zum 4:1-Endstand ein. Die Fans waren verzückt, beim BVB herrschte Kopfschütteln – auf dem Platz, auf der Trainerbank und im Gästeblock. Den Abend rund machte der Platzverweis für Kruska, der wegen Meckerns die Ampelkarte sah.

Der Blick auf die Restsaison

Die restliche Saison verlief für den FC Schalke 04 einigermaßen nach Plan. Man leistete sich zwar zu viele Patzer, um am Ende mit dem FC Bayern München im Titelkampf mithalten zu können, Platz 3, 18 Saisonsiege und 64 Punkte waren aber definitiv zufriedenstellend. Positiv zu erwähnen war vor allem die Saison von Kevin Kuranyi, der mit 15 Treffern auf Platz 3 der Torjägerliste landete – hinter Luca Toni (24 Tore) und Mario Gomez (19). 

Auch das Rückspiel konnte Schalke 04 gewinnen, in Dortmund triumphierte man knapp mit 3:2. In der Champions League schied Schalke 04 im Viertelfinale gegen den FC Barcelona (0:1, 0:1) aus, vorher wurde der FC Porto vor allem dank eines überragenden Manuel Neuer niedergerungen. Im DFB-Pokal war enttäuschend bereits im Achtelfinale (Elfmeterschießen in Wolfsburg) Schluss. 

Und genau in diesem Wettbewerb, der für Schalke die Enttäuschung darstellte, zeigte sich der BVB von seiner besten Seite. Dortmund schlug unter anderem Frankfurt, Bremen und Hoffenheim und zog in das Endspiel ein, das mit 1:2 nach Verlängerung gegen den FC Bayern verloren wurde.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

In der Bundesliga hingegen wurde man nur 13., Thomas Doll hatte große Probleme seiner Mannschaft die nötige Konstanz zu verleihen. Zu häufig patzte Dortmund, zu häufig machte man viele unnötige Fehler. Negativhöhepunkte waren das 0:5 in München und das 0:4 in Wolfsburg.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Artikel

Leverkusen gegen Bayern: Spektakel oder nicht? Das Streitgespräch

Leverkusen gegen Bayern: Spektakel oder nicht? Das Streitgespräch

15. Oktober 2021

Am Sonntag findet direkt im Anschluss an die Länderspielpause ein absolutes Topspiel in der Bundesliga statt. Bayer 04 Leverkusen empfängt den FC Bayern München, viele hochklassige Offensivspieler stehen auf dem Feld. Ist also mit einem Spektakel zu rechnen? Leverkusen trifft auf Bayern: Qualität en masse Der Zweitplatzierte in der Bundesliga trifft auf den Tabellenführer, die […]

Datenanalyse: Die besten Passgeber der Bundesliga

Datenanalyse: Die besten Passgeber der Bundesliga

14. Oktober 2021

Fußball ist ein Spiel, in dem manchmal wenig geschieht. Der Ball läuft durch die eigenen Reihen, der Gegner verschiebt und ein Pass folgt dem nächsten. Solange der Ball nicht verloren geht, kann das theoretisch 90 Minuten lang so gehen. Trotzdem, den Ball an den Mann zu bringen, ist essenziell, wenn man Tore schießen will. Wir […]

Der Höhenflug des SC Freiburg: Alles, nur kein Zufall

Der Höhenflug des SC Freiburg: Alles, nur kein Zufall

13. Oktober 2021

Spotlight | Der SC Freiburg schwebt derzeit auf Wolke sieben und ist in der Bundesliga noch ungeschlagen. Dieser Höhenflug ist nicht etwa Zufall oder kommt völlig überraschend, er ist vielmehr das Resultat einer kontinuierlichen Entwicklung mit einem klaren Konzept im Hintergrund.  Der SC Freiburg startet überragend in die neue Saison Klare Philosophie als Erfolgsmodell Kontinuität […]


'' + self.location.search