Die Lage beim VfB Stuttgart: Abstiegskampf ja oder nein? Das Streitgespräch!

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In der Vorsaison machte der VfB Stuttgart durch schwungvollen Fußball auf sich aufmerksam. Mit vielen Talenten im Kader überzeugte der Aufsteiger und spielte eine sehr gute Saison. In diesem Jahr ist die Lage ein wenig anders, vielerlei Gründe spielen dabei eine Rolle. 

Stuttgart befindet sich im Tabellenkeller

14 Spiele, 14 Punkte, Platz 15. Schaut man aktuell auf die Tabelle in der Bundesliga, findet man den VfB Stuttgart auf dem letzten Platz vor dem Relegationsrang. Schon 25 Gegentreffer kassierten die Schwaben und am Wochenende geht es Auswärts gegen den VfL Wolfsburg, ehe Spiele gegen den FC Bayern und den 1. FC Köln die Hinrunde abrunden. Davon auszugehen, dass jetzt eine Siegesserie gestartet wird, wäre sicher mehr als nur optimistisch.

Die Gründe für die aktuelle Lage, die längst nicht bedrohlich ist, sind vielschichtig. Nicht alle Anpassungen im Kader haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt ausgezahlt, hinzu kamen strukturelle Probleme, auch bedingt durch Personalsorgen. Wenn wichtige Stützen wie Silas oder Sasa Kalajdzic (24) über einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung stehen und sich phasenweise kaum gelernte Angreifer im Kader befinden, hat jeder Klub Probleme, das Optimum auf den Platz zu bringen.

Die große Frage ist nun: Wie geht es im neuen Jahr weiter? Silas feierte sein Comeback, Kalajdzic trainiert wieder, aber in den letzten Wochen machte die Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo (44) einige individuelle Fehler, die vermeidbar waren. Hinzu kamen, trotz einigen Rückkehrern, mannschaftstaktische Fehler und Konstanzdellen innerhalb eines Spiels.

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Qualität ist zu hoch: Stuttgart hat mit dem Abstieg nichts zu tun

Der VfB Stuttgart hat über weite Strecken der Hinrunde erschreckend wenig spielerische und physische Substanz auf den Platz gebracht. Die reaktive Spielphilosophie des Trainers sowie der sehr junge Kader hatten ihren Anteil hieran – so setzte der VfB 8 Spieler im Alter von 20 oder weniger Jahren ein. Allerdings ist die Stuttgarter Erfolglosigkeit zu gleichen Teilen auf eine langwierige Verletzungsmisere zurückzuführen: Vielversprechende Talente wie Mohamed Sankoh (18, Stuttgart II) und Leihspieler Enzo Millot (19, AS Monaco) konnten noch nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Mit Sasa Kalajdzic und Silas (23) fielen bislang zudem die beiden wichtigsten Spieler des Clubs aus. Auch Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos (23) war zwischenzeitlich verletzt – im Oktober legte zusätzlich eine COVID-Infektion den Kader lahm.

Mavropanos Stuttgart

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der VfB wird auch weiterhin nach seiner spielerischen Klasse suchen: Beim Kreieren eigener Torchancen waren bislang nur Fürth, Augsburg und Bielefeld weniger gefährlich. Auch die eigentlich gut besetzte Abwehr (hier sucht besonders Waldemar Anton nach seiner Bestform) ließ deutlich zu viele Gegentore zu. Aber: Diese Probleme plagen auch fast alle (un)mittelbaren Tabellennachbarn des VfB.

Wer also dem Tabellenkeller entfliehen will, muss es vor allem mit physischer Substanz (also Kraft und Reaktionsschnelligkeit) versuchen. Hier kann der VfB im neuen Jahr mit den Rückkehrern Silas und Kalajdzic sowie der gelungenen Integration einiger seiner zahlreichen Talente einen Vorteil erspielen. Wie gut diese Stuttgarter Pressing- und Umschaltmaschine funktionieren kann, wenn sie fit ist, hat die Vergangenheit gezeigt.

David Theis

Zu viele Störfeuer: Stuttgart muss zittern

Die Punkte, die David aufzählt, sind vollkommen richtig. Und auch ich denke, dass der VfB Stuttgart ein gutes Niveau haben kann, wenn alle Parameter stimmen. Die Ausrichtung von Trainer Matarazzo ist die für diesen Klub absolut richtige und mit diesem Weg, auf den man sich gemeinsam verständigt hat, sagt man im Klub quasi, dass partielle Rückschläge kein Problem, sondern eher eingeplant sind. Aktuell ist aber dennoch zu erwähnen, dass zu viele kleinteilige Elemente im Spiel nicht ideal funktionieren.

Nur mit der Rückkehr der Schlüsselspieler lassen sich die Probleme nicht beheben. Auch mit ihnen muss der VfB wieder zu seinem typischen Spiel finden, die Automatismen neu generieren. Das ist ein Prozess, der mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Nun gibt es zwar bald die Gelegenheit eines regulären Trainingsbetriebes dank der Winterpause und der kurzen Vorbereitung, aber danach müssen einige Dinge, die jetzt nicht ideal funktionieren, deutlich stimmiger sein. Sei es die Konstanz über 90 Minuten, die Präzision im Spiel nach vorne respektiv im letzten Drittel oder aber die Absicherung von Gegenangriffen, wenn langsam aber sicher die Kraft nachlässt.

Wolfsburg, Bayern und Köln: Das sind die drei Spiele bis zur Winterpause. Fürth, Leipzig und Freiburg: Das sind die drei Partien nach der Winterpause. Es ist nicht unrealistisch, dass Stuttgart in dieser Phase wenige Punkte holt. Gegen Wolfsburg, den FC Bayern und Köln können die Automatismen noch nicht vollends funktionieren. Die Folge: Die Mannschaft muss sich von Spielphase zu Spielphase hangeln.

Enden diese Partien eher negativ, ist der Druck zum Jahresstart umso höher. Soll heißen: Es gibt einige Faktoren, die dafür sprechen, dass Stuttgart zittern muss, auch die Unruhe zuletzt rund um Sven Mislintat kann eine Rolle spielen, auch wenn die Spieler das nicht zugeben. Ob die Qualität für den Klassenerhalt reichen kann? Auf jeden Fall. Doch das ist nicht immer der entscheidende Faktor.

Manuel Behlert

 

 (Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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