Bundesliga | Rutscht Union in die erste kleine Ergebniskrise? Das Streitgespräch

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Der FC Union grüßt in der Bundesliga noch immer von der Tabellenspitze. Nach dem Spieltag am Wochenende könnte das unter Umständen nicht mehr der Fall sein. Wenn der FC Bayern gewinnt und die Köpenicker zuhause gegen Gladbach Federn lassen, gibt es den Führungswechsel. 

Union sehr stabil – mit einem kleinen Wermutstropfen

Die Saison des FC Union kurz zusammenzufassen gestaltet sich nicht schwierig. Die Köpenicker verteidigen weitgehend sehr kompakt, spielen einen klaren und gut strukturierten Fußball und sind vor dem gegnerischen Tor weitgehend effizient. Bei den geschossenen Toren wird wie bei den Punkten etwas überperformt. Deswegen steht die Mannschaft vor dem Spieltag auch auf Platz eins der Tabelle, auch wenn der FC Bayern zur Konstanz findet und allmählich Druck macht. Am vergangenen Spieltag gab es in Bochum (1:2) die zweite Bundesliga-Niederlage der Saison.

 



Die Frage ist nun: Kann Union sofort wieder eine Reaktion zeigen? Die Mannschaft wirkt in jedem Fall stabil und sehr gut strukturiert. Auch Wechsel machen dem Team nicht viel aus, sie sorgen dafür, dass die Köpenicker auf einem hohen Niveau bleiben und ausgeruhte Spieler auf dem Feld stehen. Doch nach einer Europapokalwoche gegen ein ausgeruhtes Gladbach zu Spielen, muss kein großer Vorteil sein. An der Alten Försterei gab es noch keine Niederlage, aber selbst ein Remis würde bei einem Sieg des FC Bayern am Samstag zu einem Verlust der Tabellenspitze sorgen. Und es kommen noch weitere unangenehme Gegner bis zur WM-Pause. Droht eine Mini-Ergebniskrise?

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Union droht die erste Ergebniskrise der Saison

Von einer drohenden Krise beim FC Union zu schreiben, wenn der Klub noch immer an der Tabellenspitze der Bundesliga liegt, wirkt verblendet. Denn selbst wenn die Köpenicker am Ende der Saison Sechster werden und sich erneut für die europäischen Wettbewerbe qualifizieren, ist die Spielzeit ein riesiger Erfolg. Wer allerdings höhere Erwartungen an den FC Union anlegt, gar erwartet, dass sie ein ernsthafter Meisterschaftskandidat sind, der wird in den kommenden Wochen enttäuscht werden.

Understat misst anhand der Schussposition, Gegnerdruck und weiteren Parametern, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Schuss im Tor landet und errechnet dadurch einen Expected-Goals-Wert. Dieser liegt bei Union in dieser Saison bei 10,2. Die Qualität der Chancen hätte bei durchschnittlicher Chancenverwertung also zu 10 Toren geführt und nicht zu den 19 Toren, die sie tatsächlich erzielen konnten. Eine Statistik, die schon im Vakuum beeindruckend wirkt, aber noch beeindruckender ist, wenn man sie mit Kontext anreichert. Denn bei keinem einzigen Team der Bundesliga ist die Qualität der bisher erspielten Torchancen niedriger, als beim FC Union. Selbst die strauchelten Bochumer (10,45) und Schalker (11,85) haben haben höhere Expected-Goals-Werte als der Tabellenführer. Understat rechnet die Torwahrscheinlichkeiten auch in einen Expected-Points-Wert um, mit dem die Frage beantwortet wird, wie die Tabelle aussehen würde, wenn alle Teams eine durchschnittliche Chancenverwertung hätten. Dieser Wert liegt beim FC Union bei 14,56, also ebenfalls deutlich niedriger als die 23 Punkte, die sie tatsächlich auf dem Konto haben. In der Expected-Points-Tabelle liegen die Köpernicker auf dem elften Platz.

Natürlich wird der Expected-Goals-Wert auch davon beeinflusst, dass der FC Union viel häufiger als andere Mannschaften führt und sich in der Folge viel stärker als andere Mannschaften auf das Verteidigen konzentriert. Dadurch greifen die Köpernicker weniger druckvoll an und erspielen sich weniger Torchancen, einfach weil sie es nicht müssen. Trotzdem ist bei einem solch eklatanten Unterschied zwischen Chancenqualität und tatsächlich erzielten Toren zu erwarten, dass es sich um eine Anomalie handelt, die im Laufe der Saison immer weiter auflösen wird.

Florian Weber

Ausrutscher! Die Köpenicker bleiben vorne und auf Kurs

Klar, Union Berlin legte bei der 1:2-Niederlage in Bochum einen schwachen, da ideenlosen Auftritt hin. Gänzlich unerwartet trat dieser Rückschlag allerdings nicht ein, denn in der Favoritenrolle geriet der erst seit 2018 in der Bundesliga aktive FCU immer wieder Schwierigkeiten. Im eigenen Ballbesitz gegen einen abwartenden Kontrahenten mangelt es regelmäßig an spielerischen Lösungen auf engem Raum. Schon in der Europa League gegen Royal Union Saint-Gilloise und Sporting Braga (jeweils 0:1) sowie beim 0:2 in Frankfurt, obwohl ab der 68. Minute numerische Überlegenheit bestand, wurden die Köpenicker letztlich mit den eigenen Waffen geschlagen. Schon in der Vorsaison unterlagen sie daher – wie nun auch in Bochum – dem damaligen Tabellenletzten, der Spielvereinigung Greuther Fürth.

Die Spielidee von Trainer Urs Fischer richtet ihren Fokus nämlich zunächst auf die Defensive, mit vollem Erfolg, was lediglich acht Gegentore in elf Bundesliga-Partien unterstreichen. Offensiv wird vor allem über Umschaltsituationen sowie Standards Gefahr erzeugt. Der allseits bekannte, fast schon personalunabhängig von der Mannschaft nahezu perfekt umgesetzte Plan ging in der laufenden Saison selbst gegen Schwergewichte wie Leipzig (2:1), Borussia Dortmund (2:0) oder den FC Bayern München (1:1) auf. Am Samstag gastiert mit Borussia Mönchengladbach ebenfalls eine auf Spielkontrolle fokussierte Mannschaft an der Alten Försterei, die den Köpenickern individuell überlegen scheint, aber sich schon mehrfach an ihnen die Zähne ausbiss. In den bisherigen sechs Vergleichen setzten sich die Fohlen erst einmal durch.

Der FCU kann sich in diesen Begegnungen nämlich auf seine Tugenden besinnen, die insbesondere nach einer Führung drei Punkte fast schon garantieren. Achtmal erzielten die Köpenicker in der laufenden Saison das 1:0, siebenmal verließ sie das Spielfeld im Anschluss als Sieger. Im Anbetracht der in den Expected-Goals beschriebenen hohen Effizienz spricht vieles dafür, dass Union Berlin in den verbleibenden vier Partien gegen Mönchengladbach, den FC Augsburg, Bayer Leverkusen und den SC Freiburg reichlich Punkte einsammeln werden und die Winterpause zumindest nahe, wenn nicht sogar an der Spitze verbringen werden.

Yannick Lassmann

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

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