Jamie Vardy hat sich nach seinem Karriereende bei US Cremonese ein ungewöhnliches neues Betätigungsfeld gesichert: Der 39-jährige frühere englische Nationalstürmer hat eine Vereinbarung geschlossen, nach der sein YouTube-Kanal „Jamie Vardy’s Having a Party“ in Großbritannien und Irland sieben Freitagsspiele der Bundesliga in dieser Saison als offizieller Rechtehalter überträgt. Den Anfang macht ausgerechnet der Saisonauftakt zwischen Meister FC Bayern München und dem VfB Stuttgart.
Die Vereinbarung im Detail
Wie die Bundesliga am Freitag mitteilte, moderiert und überträgt Vardy künftig als Broadcaster deutschen Live-Fußball. Den Auftakt bildet das Eröffnungsspiel zwischen Bayern und Stuttgart am Freitagabend, das um 20.30 Uhr auch bei Sky und Sat.1 zu sehen ist. Insgesamt umfasst der Vertrag die Liveübertragung von sieben Partien, ausschließlich Freitagsspiele.
Zustande kam die Zusammenarbeit im Rahmen einer umfassenderen Partnerschaft mit der Medien- und Unterhaltungsgruppe Banijay Entertainment, die die Live-Show produziert. Vardy führt den Kanal seit Juni, Banijay produziert die Inhalte und besitzt den Kanal. Welche konkrete Rolle Vardy dabei übernimmt – etwa als reiner Gastgeber oder mit eigener Expertenanalyse – ist derzeit noch offen.
Vardys Situation abseits des Rasens
Vardy ist nach einem einjährigen Engagement beim italienischen Klub US Cremonese derzeit vereinslos, sein Vertrag lief im Sommer nach dem Abstieg des Teams aus der Serie A aus. International bekannt wurde er vor allem als Schlüsselfigur beim sensationellen Meistertitel von Leicester City in der Saison 2015/16. Für die englische Nationalmannschaft absolvierte er 26 Länderspiele und erzielte dabei sieben Tore. Mit dem neuen Engagement als Broadcaster erschließt sich Vardy offenbar ein zweites berufliches Standbein neben einer möglichen weiteren Spielerkarriere.
Bundesliga setzt auf Creator-Vermarktung
Der Deal mit Vardy reiht sich in eine größere Strategie der Liga ein: Die Bundesliga verfolgt damit ihre Linie weiter, über neue digitale Formate zusätzliche Zielgruppen anzusprechen. Dazu erklärte die Liga: „Die Hinzunahme von Vardy bringt ein anderes, von Spielern geführtes Format in die Creator-Distribution der Bundesliga und verbindet Live-Fußball mit der Perspektive und Persönlichkeit eines der bekanntesten Premier-League-Spieler der vergangenen Jahre.“
Vardy ist dabei nicht der einzige britische Creator mit Bundesliga-Rechten: Bereits seit 2025 ist der britische Podcaster Mark Goldbridge offizieller Partner der Liga und überträgt in der Saison 2026/27 sogar 15 Freitagsspiele live auf seinem Kanal „That’s Football“ – mehr als doppelt so viele wie Vardy. Wie bei Vardy handelt es sich dabei um Live-Übertragungen im Format des „Watch-along“, bei dem Moderatoren das Spiel gemeinsam mit dem Publikum kommentieren; Goldbridges Paket ist also nicht andersartig ausgerichtet, sondern schlicht umfangreicher.
Für deutsche Fans dürfte das neue Angebot ohne Bedeutung bleiben: Die Liveübertragungen sind für Nutzer in Deutschland voraussichtlich blockiert, da sich die Rechte ausschließlich auf das Vereinigte Königreich und Irland beziehen. Für die Bundesliga ist der Schritt dennoch bemerkenswert, weil sie mit einem ehemaligen Profi als Gesicht eines eigenen Übertragungsformats einen für deutsche Ligaverhältnisse ungewöhnlichen Weg der internationalen Vermarktung geht. Ob das Format bei britischen und irischen Fans über die Neuheit hinaus auf Dauer Anklang findet, wird sich erst im Saisonverlauf zeigen.

