Vorbereitungsstart in der Bundesliga: Vorhang auf für die neuen Trainer

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Spotlight | Die 18 Teams in der Bundesliga starten derzeit in die Vorbereitung. Die obligatorischen Leistungstests stehen an, auch wenn noch einige Nationalspieler fehlen. Eine besondere Saison steht an, denn viele Klubs in der Bundesliga starten mit einem neuen Trainer.

Interessant ist, dass sieben der acht Teams, die mit einem neuen Trainer in die kommende Spielzeit gehen, die Saison 2020/21 in der oberen Tabellenhälfte abschlossen. Die ersten sechs der Tabelle haben allesamt mehr oder weniger freiwillig ihren Trainer gewechselt. Das bedeutet, dass die neue Saison enorm spannend werden kann. Doch was wartet im Einzelnen auf die neuen Übungsleiter?

FC Bayern: Julian Nagelsmann (33, vorher RB Leipzig)

Julian Nagelsmann war der absolute Wunschtrainer des FC Bayern. Ein Abgang aus Leipzig war für den jungen Trainer nur für diesen Verein vorstellbar. Und in München hat Nagelsmann einiges zu tun. David Alaba (29) ist nicht mehr da, der Kader ist noch nicht optimal besetzt und es gibt noch die ein oder andere Baustelle. Finanzielle Ressourcen sind nach der Ablösesumme für Nagelsmann und Dayot Upamecano (22) auch nicht mehr in Hülle und Fülle vorhanden. Beim Rekordmeister dürfte es lediglich noch kleinere Ergänzungen für die Breite geben. 

nagelsmann bayern

Foto: John Walton / IMAGO

Der neue Trainer in Diensten des FC Bayern muss die Defensive, die in der Vorsaison nicht selten instabil war, verbessern. Zudem dürfte der Fokus darauf liegen, mehr Variabilität in das Spiel des Rekordmeisters zu bekommen. Das zeichnete Nagelsmann schon bei seinen Stationen in Leipzig und Hoffenheim aus. Auch die Förderung junger Spieler, sei es Jamal Musiala (18), der sich schon einen Namen im Profigeschäft machte, oder aber Youngster, die aus der Jugend oder zweiten Mannschaft nachrücken, ist aufgrund der eben nicht unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten ein wichtiges Thema. Immerhin: Durch das frühe EM-Aus der Bayernspieler steht der Kader früher als gedacht komplett auf dem Trainingsplatz. 

RB Leipzig: Jesse Marsch (47, vorher RB Salzburg)

Der Nachfolger von Julian Nagelsmann in Leipzig heißt Jesse Marsch. Seine Bilanz in Salzburg war gut, RB Leipzig kennt er schon von seinem Dasein als Co-Trainer in der Saison 2018/19. Marsch hat klare Vorstellungen und findet bereits zu Beginn einen Kader vor, der zu seinem Fußball passen sollte. Fragezeichen ergeben sich aber in der Defensive. Neben Upamecano hat auch Ibrahima Konate (22) RB Leipzig verlassen, zwei junge Neuzugänge stehen aber schon in den Startlöchern. Marsch muss versuchen, schnellstmöglich Automatismen in den Defensivabläufen herzustellen. 

Außerdem fehlte RB Leipzig in der vergangenen Saison häufig die Effizienz in der Offensive. Da könnte Andre Silva (25) von Eintracht Frankfurt Abhilfe schaffen, die Klubs befinden sich derzeit in intensiven Gesprächen. Ansonsten dürften lediglich noch kleine Anpassungen im Kader folgen, der Poker um Verteidiger Maxence Lacroix (21, Wolfsburg) scheint zuletzt etwas abgekühlt zu sein. 

Borussia Dortmund: Marco Rose (44, vorher Mönchengladbach)

Es war kein ruhiger Wechsel, den Marco Rose im Verlauf der Saison 2020/21 vollzogen hat. Aufgrund einer Ausstiegsklausel wechselte er von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund, bekannt gegeben wurde dies mitten in der Saison. Es folgten eher enttäuschende Wochen. Nun richtet sich der Blick nach vorne, auf die neue Aufgabe in Dortmund. Rose bringt, das ist zunächst einmal ein entscheidender Faktor, einen klaren Plan und jede Menge Fachwissen mit. Zudem ist er in Mönchengladbach gereift, konnte an sich selbst und möglichen Fehlern arbeiten. 

Doch was sind die Primäraufgaben für Rose in Dortmund? Eine Mannschaft, die 2020/21 zwar nicht schlecht, aber auch nicht ideal performt hat, zu verbessern. Die grundsätzliche Spielidee sollte schon auch zu diesem Kader passen. Interessant wird zu sehen sein, wie Jadon Sancho (21) ersetzt wird. Es deutet sich an, dass dessen Qualitäten durch mehrere Neuzugänge ersetzt werden sollen. Mehr Flexibilität im Spiel nach vorne ist für Rose sicher ein Gewinn. 

VfL Wolfsburg: Mark van Bommel (44, vorher vereinslos)

Der VfL Wolfsburg bediente sich bei der Trainersuche nicht bei einem anderen Klub. Mark van Bommel, der in seiner aktiven Karriere unter anderem beim FC Bayern spielte, war seit Ende 2019 vereinslos. Seine letzte Station war die PSV Eindhoven, dort gab es Licht und Schatten. Nun kehrt der Niederländer auf die Trainerbank zurück und hat gleich einiges zu tun. Der VfL Wolfsburg spielt in der kommenden Saison nämlich in der Champions League.

Van Bommel Trainer Bundesliga

Photo by Imago

Van Bommel muss dem Team also möglichst schnell seine ganz eigenen Vorstellungen vom Fußball vermitteln. Eine große Runderneuerung im Kader wird es nicht geben, auch wenn wie bereits angedeutet Maxence Lacroix den Verein noch verlassen könnte. Das Grundgerüst in Wolfsburg ist stabil, die Breite im Kader könnte noch verbessert werden. Viel vorwerfen konnte man dem Team in der letzten Saison nicht und auch intern scheint es in der Mannschaft zu stimmen. Van Bommel muss bei seinem neuen Job als Trainer in der Bundesliga also vor allem versuchen, die gute Basis weiterzuentwickeln.

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Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner (46,  vorher VfL Wolfsburg)

Dass Oliver Glasner nun Eintracht Frankfurt trainiert und nicht mehr den VfL Wolfsburg, den er in die Königsklasse geführt hat, liegt auch an internen Missstimmungen bei den Niedersachsen. Glasner ist offensichtlich ein Trainer, dem viel an einer gewissen Harmonie liegt. Und diese findet er möglicherweise in Frankfurt, wo sich einiges verändert hat. Folglich ist es für Glasner wichtig, zunächst zu klären, wie die Aufgabenbereiche verteilt werden. Zudem muss sich intern alles einspielen.

Die Frage, welchen Fußball Glasner spielen will, ist recht leicht zu beantworten. Er liebt es, wenn seine Mannschaft kompakt steht, gegen den Ball sehr gut arbeitet. Frankfurt stand zuletzt häufig für Wucht im Spiel nach vorne, zuweilen sorgte die Ausrichtung auch für wilde Spiele. Glasner muss den Hessen also mehr Balance verleihen, um seine Ideen umsetzen und seine Schemata gewinnbringend implementieren zu können.

Bayer Leverkusen: Gerardo Seoane (42, vorher Young Boys)

Der Schweizer Trainer Gerardo Seoane machte sich bei den Young Boys in Bern einen Namen, denn den Status als Branchenprimus in der Schweiz hat dieser Klub nun inne – und nicht mehr der FC Basel. Seoane führte die Arbeit von Vorgänger Hütter weiter und verbesserte diese Mannschaft noch einmal. Er lässt seine Mannschaften generell am liebsten offensiv Spielen mit einem Fokus auf das aggressive Pressing. In Leverkusen soll er nun mithelfen, ein Team mit zahlreichen sehr guten Individualisten dazu zu bewegen, das Optimum herauszuholen.

Zu Seoanes Aufgaben gehört also, dass die Mannschaft nicht nur präziser nach vorne spielt, sondern möglichst auch noch effizienter ist. All das soll in Verbindung mit einer besseren Balance geschehen. Und die jungen Spieler sollen sich auch noch entsprechend weiterentwickeln. Sieht man diesen Aufgabenkatalog für den neuen Trainer in der Bundesliga, dann ist es wohl ideal, dass die Werkself zunächst nicht in der Champions League antritt. Das reduziert den Druck.

Borussia Mönchengladbach: Adi Hütter (51, vorher Eintracht Frankfurt)

Wie Marco Rose gab auch Adi Hütter seinen Abschied von Eintracht Frankfurt vor dem Endspurt der Saison begannt. Hütter will nun in Mönchengladbach einen neuen Weg einschlagen und zusammen mit Sportdirektor Max Eberl (47) dafür sorgen, dass sich die Fohlen im oberen Segment der Bundesliga etablieren. Dabei wird entscheidend sein, inwieweit der Kader zusammengehalten werden kann. Eberl sprach bereits davon, dass ein kompletter Ausverkauf nicht passieren wird, einzelne Abgänge sind aber nicht ausgeschlossen.

Photo by Imago

Das Konstrukt der Fohlen wirkte in der Rückrunde – möglicherweise auch durch den Rose-Wechsel – nicht sehr stabil. Gladbach ließ die eigene Klasse zwar mehrfach aufblitzen, aber konstant guten Fußball spielte diese Mannschaft nicht mehr. Vielleicht ist es für Hütter nun sogar ein Vorteil, dass die Mehrfachbelastung keine Rolle spielt. Er muss in jedem Fall versuchen, so früh wie möglich einen Stamm zu finden, damit sich die Mannschaft einspielen kann. Eine hohe Qualität findet Hütter in jedem Fall vor.

1.FC Köln: Steffen Baumgart (49, vorher SC Paderborn)

Nach der geglückten Relegation gegen Holstein Kiel war klar, dass der 1. FC Köln erstklassig bleibt. Mit Steffen Baumgart wechselt nun ein neuer Trainer zum Effzeh. Baumgart, der in Paderborn mit seiner Mannschaft vorwiegend für einen sehr dynamischen und flexiblen Offensivfußball stand, will einige dieser Grundprinzipien auch in Köln auf das Feld bringen. Zunächst einmal müssen die wichtigsten Personalien geklärt werden, damit der Kader möglichst frühzeitig steht.

Dann ist es die Hauptaufgabe für Baumgart, die Schlüsse aus der letzten Saison zu ziehen. Es war kein Zufall, dass der 1. FC Köln am Ende nur knapp in der Liga blieb. Die Abläufe im Offensivspiel sowie in der Defensive müssen verbessert werden. Vielleicht ist auch ein neues System eine Möglichkeit, um einen Schritt nach vorne zu machen. Für den neuen Trainer gibt es in jedem Fall sehr viele Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, um die Domstädter in der Bundesliga zu halten und sich tabellarisch zu verbessern.

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Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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