Rund 10.000 Zuschauer, ein Klub ohne einen einzigen Europapokal-Auftritt in 119 Jahren, ein Gegner mit jahrelanger Königsklassen-Routine. Und nach 90 Minuten stand es 4:1 – für die Debütanten.
Ein Abend, den Como nie wieder vergisst
Das Stadio Giuseppe Sinigaglia, direkt am Comer See gelegen, musste für die Champions League umgebaut werden und fasste an diesem Abend nur rund 10.000 bis 11.000 Menschen. Der Klub hatte die Europapokal-Tickets bereits ausverkauft, ehe Präsident Mirwan Suwarso und mehrere Direktoren ankündigten, ihre eigenen Plätze an ältere Anhänger abzugeben.
Martin Baturina traf nach 15 Minuten – der erste Champions-League-Treffer der Vereinsgeschichte. Tasos Douvikas erhöhte nach Baturina-Steilpass (38.), Assane Diao aus spitzem Winkel nach Vorarbeit von Nico Paz (54.). Máximo Perrone setzte in der Schlussminute den Schlusspunkt. Como ist damit erst der vierte italienische Klub, der sein Debüt im Europapokal der Landesmeister beziehungsweise in der Champions League gewinnt – nach Juventus, Milan und Udinese.
Die Zahlen relativieren das Debakel
Vier Tore klingen nach Überlegenheit von der ersten bis zur letzten Minute. Die Erwartungswerte sagen etwas anderes: 2,30 zu 1,42. Leipzig hatte Chancen, die erste davon schon in der elften Minute durch Antonio Nusa nach Zuspiel von Christopher Nkunku. Andrija Maksimović verkürzte in der 58. Minute mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze.
Man kann diesen Abend also als taktische Demontage lesen. Man kann ihn auch als das lesen, was er eher war: ein Effizienzunterschied. Como nutzte vier von wenigen Gelegenheiten. Leipzig eine von mehreren.
| Como | RB Leipzig | |
|---|---|---|
| Tore | 4 | 1 |
| Erwartete Tore (xG) | 2,30 | 1,42 |
| Tabellenplatz nach Spieltag 1 | 5. | 32. |
Was bei Leipzig fehlte
Marco Rose hatte sein Team im 4-2-3-1 aufgestellt, mit Vandevoordt im Tor und Nkunku hinter Guiu. Der erste Gegentreffer entstand aus einem Abwehrfehler, der zweite aus einem simplen Steilpass hinter die Kette, der dritte, weil Diao Willi Orbán im Laufduell davonzog. Drei Tore, drei unterschiedliche Wege in dieselbe Lücke. Nach dem 0:3 stellte Leipzig um, baute mit Dreierkette plus Sechser auf, wurde körperlicher – und kam dadurch tatsächlich besser ins Spiel. Nur war das Spiel da bereits entschieden.
Fàbregas bremst selbst
Bemerkenswert war, wie wenig Euphorie der Trainer zuließ. Cesc Fàbregas erklärte hinterher, nach dem 3:0 habe er bewusst kontrolliert statt nachgelegt, weil man in der Champions League beim 3:1 eben noch nicht fertig sei. Wer den Spanier auf der Linie beobachtet, weiß: Das ist keine Koketterie, sondern der Kern seiner Arbeit. Alle vier Torschützen gehörten bereits im Vorjahr zum Kader – die Mannschaft, die sich diese Bühne erspielt hat, bespielt sie auch.
Zwei Klubs, zwei Richtungen
Como kam 2024 nach drei Aufstiegen in sechs Jahren zurück in die Serie A und qualifizierte sich als Vierter für Europa. Am 14. Oktober geht es nach Rotterdam zu Feyenoord. Leipzig empfängt einen Tag später PSV Eindhoven.
Eine Ligaphase über acht Spiele verzeiht einen schwachen Auftakt. Was sie nicht verzeiht, ist ein Muster. Leipzig hat jetzt fünf Wochen Zeit, aus drei sehr ähnlichen Gegentoren drei sehr unterschiedliche Lehren zu ziehen.

