Uli Hoeneß tobte auf der Tribüne, unten am Platz stand die komplette Bank des FC Bayern und schimpfte. Hand! Schon wieder! Doch Schiedsrichter João Pinheiro verweigerte dem FC Bayern beim Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris Saint-Germain einen möglichen Elfmeter ebenso wie kurz zuvor Gelb-Rot gegen PSG-Verteidiger Nuno Mendes. Wurden die Münchner um ihren großen Triple-Traum betrogen?
„Es ist mindestens erstaunlich“, sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, „dass ein Schiedsrichter ein Halbfinale pfeift, der auf seiner Haben-Liste nur 15 Champions-League-Spiele stehen hat. Das ist ungewöhnlich, und vielleicht erklärt das auch manchen Pfiff“ von Pinheiro.
Der Portugiese, seit 2016 FIFA-Schiedsrichter, zog den Unmut der Bayern schon in der 23. Minute erstmals auf sich, als er Harry Kane wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung einen aussichtsreichen Angriff abpfiff. Ein Fehler, wie Schiedsrichterlehrwart Lutz Wagner der Sportschau bestätigte, „da es eine torgefährliche Angriffssituation ist“. Die Szene hätte im Nachhinein immer noch geprüft werden können.
Bayern fühlt sich benachteiligt
Schwerer wogen aus Bayern-Sicht aber die beiden Hand-Szenen. In der ersten (29.) sah nicht nur der frühere Weltmeister Sami Khedira den Rekordmeister „krass benachteiligt“. Der bereits verwarnte Mendes unterband einen Konter mit dem Arm, die Bayern forderten Freistoß und Gelb-Rot. Pinheiro aber wollte auf Hinweis seines Assistenten unmittelbar zuvor ein Handspiel von Konrad Laimer erkannt haben – und pfiff Freistoß für PSG.
„Es war ganz deutlich“, sagte Bayern-Coach Vincent Kompany, dass Laimer den Ball „mit seiner Hüfte“ mitgenommen hatte. Die TV-Bilder scheinen diese Sicht zu stützen. Oder war es doch Hand? „Ich hätte gesagt: 100 Prozent nein“, meinte Laimer bei DAZN: „Aber manchmal fühlt man das auch nicht so.“
Zwei Minuten später verloren die Münchner endgültig die Fassung. PSG-Verteidiger João Neves lenkte den Ball nach einem Befreiungsschlag seines Kollegen Vitinha im eigenen Strafraum mit der Hand ab. Dass Pinheiro keinen Strafstoß verhängte, war jedoch korrekt. In seinen Erläuterungen zur Handspielregel schreibt das International Football Association Board (IFAB), dass kein Vergehen vorliegt, wenn der Ball vom Mitspieler kommt.
Wagner bekräftigt, dies sei „in der UEFA und auch beim DFB gängige Regelauslegung“. Kompany hielt dem entgegen: „Das ist ein bisschen Quatsch, das ist Blödsinn.“ Und der Münchner Sportvorstand Max Eberl ergänzte, auch eingedenk des strittigen Handelfmeters gegen Alphonso Davies im Hinspiel (4:5): „Durch meine Brille ist es ein Handspiel im Strafraum.“
Es half nichts, die Bayern sind raus. Und Pinheiro? Der feiert im Sommer Premiere: Die WM wird das erste große Turnier für den 38-Jährigen. (sid)

