“Die Magie des besten Wettbewerbs der Welt” – Expertenrunde zur Champions League 2021/22

26. Mai 2022 | Trending | BY Michael Bojkov

Spotlight | Am Samstagabend stehen sich der FC Liverpool und Real Madrid im Finale der Champions League gegenüber. Sie krönen eine Königklassen-Saison, die jede Menge Spektakel, Überraschungen und Dramen bot.

Wir sprachen mit Martin Schneider (SZ) und Zach Lowy (u.a. Breaking The Lines und talkSPORT) rückblickend über die abgelaufene Saison und das anstehende Finale.

“Ich erwarte ein phänomenales Spiel” – Liverpool und Real Madrid im Finale der Champions League

90PLUS: Die Champions League hielt einmal mehr jede Menge Spannung, Spektakel und Wendungen bereit. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt in der abgelaufenen Saison?

Martin Schneider: Die Aufholjagden von Real Madrid zu nennen, wäre vielleicht die offensichtlichste Antwort, aber wenn ich mich auf ein Spiel festlegen muss, dann vielleicht doch das Hinspiel des FC Bayern beim FC Villarreal. Weil es symbolisch für die Münchner Saison steht, viel klarer war, als es das Ergebnis suggeriert – und weil es vor allem (zusammen mit den Siegen von Villarreal gegen Juventus und dem Rückspiel gegen Liverpool) dafür steht, dass man auch als “kleiner” Verein in der Champions League weit kommen kann und den Wettbewerb bereichert. Stichwort Super League.

Zach Lowy: Mein Highlight der Saison ist das ganze Spektakel der Champions League. Sie haben gesehen, wie Villarreal trotz der Schwierigkeiten in der Liga und trotz eines viel geringeren Budgets in der Lage war, zwei Schwergewichte wie Juventus und Bayern zu besiegen und Geschichte zu schreiben. Sie haben gesehen, wie Real Madrid trotz aller Widrigkeiten zurückkam und PSG, Chelsea und City schlagen konnte. Das ist die Magie des besten Wettbewerbs der Welt.



90PLUS: Es gab Mannschaften, aber auch einzelne Spieler und Trainer, die (deutlich) unter ihrem Leistungslimit blieben, teilweise frustrierten. Wer war aus Ihrer Sicht die größte Enttäuschung?

MS: Auf unterschiedliche Art und Weise der FC Barcelona, Borussia Dortmund und Manchester City. Barcelona, weil sie verdient aus der Gruppenphase raus sind und man an den sechs Spielen das Missmanagement der vergangenen Jahre sieht. Dortmund, weil sie zumindest eine Mannschaft wie Sporting packen müssen. Und Manchester City, weil Pep Guardiola mit den Mitteln, die er zur Verfügung hat, den Pokal vor allem auf lange Sicht gesehen mal gewinnen müsste.

ZL: Ich denke, die größten Enttäuschungen in der Gruppenphase waren Borussia Dortmund und Barcelona. Beide Vereine sind es gewohnt, in Europa weit zu kommen, und beide hatten die Mittel, um die Gruppe zu überstehen. Was die K.o.-Runde betrifft, so würde ich sagen, dass Paris Saint-Germain die größte Enttäuschung war. Das Team hatte sich mit einer riesigen Transferorgie einen Kader von Weltklasse zusammengestellt und schaffte es nicht einmal bis ins Viertelfinale.

Champions League

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

90PLUS: Auf der anderen Seite: Gab es einen Klub oder einen Spieler, den Sie überhaupt nicht auf dem Zettel hatten und der Sie positiv überrascht hat?

MS: Der FC Villarreal und speziell Trainer Unai Emery, siehe oben. Wobei man von Emery eigentlich nicht überrascht sein sollte. Und Karim Benzema. Wobei man von Karim Benzema eigentlich auch nicht mehr überrascht sein sollte.

ZL: Die größte Überraschung unter den Vereinen war Villarreal, aber was die Spieler angeht, gibt es viele Möglichkeiten. Christopher Nkunku zeigte trotz des Ausscheidens in der Gruppenphase eine phänomenale Leistung, Arnaut Danjuma zeigte, wozu er in der Mannschaft von Unai Emery fähig ist, während Darwin Nunez bei Benfica auf dem Weg ins Viertelfinale ebenfalls sein Potenzial und seine Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt hat.

90PLUS: Welche Lehren ziehen Sie aus der abgelaufenen Saison?

MS: Dass wettkampfspezifische Erfahrung und Gelassenheit, wie sie in der Mannschaft von Real Madrid auf faszinierende Weise kumulieren, enorm wertvoll sind und im sogenannten modernen Fußball vielleicht ein wenig unterschätzt werden.

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ZL: Eine Schlussfolgerung ist, dass es in der Champions League nur um Momente geht. Man muss nicht immer die beste Mannschaft sein, man muss nur die richtigen Entscheidungen treffen und in den entscheidenden Momenten auftauchen. Wir haben Spiele gesehen, in denen Benfica, Villarreal und Real Madrid über 180 Minuten hinweg nicht unbedingt die bessere Mannschaft waren, aber sie waren da, wo es darauf ankam. Es gibt keinen Spielraum für Fehler, und deshalb ist es der Wettbewerb mit dem größten Druck, den es gibt.

90PLUS: Ein Vorausblick aufs Finale: Was erwarten Sie sich vom Match-up und wie lautet Ihre Prognose?

MS: Selbstverständlich wird Real Madrid das Spiel nach Rückstand durch zwei Tore nach der 88. Minute drehen. Was sonst.

ZL: Ich erwarte einen Kampf bis zum Schluss. Beide Mannschaften wissen, wie man unter hohem Druck spielt, und ich erwarte ein phänomenales Spiel.

Photo by Getty Images

Michael Bojkov

Michael Bojkov

Lahm & Schweinsteiger haben ihn einst zum Fußball überredet – mit schwerwiegenden Folgen: Von Newcastle über Frankfurt bis Cádiz saugt Micha mittlerweile alles auf, was der europäische Vereinsfußball hergibt. Seit 2021 bei 90PLUS und vorwiegend in Spanien unterwegs.


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