Robin Meißner hatte für fünf Minuten die Hoffnung am Leben gehalten. Sein Volleyschuss aus 30 Metern in den Winkel brachte den VfL Osnabrück gegen den FC Bayern in Führung – ein Tor, das an der Bremer Brücke noch lange erzählt werden wird. Am Ende stand ein 4:1 für den Titelverteidiger, und mit ihm eine Bilanz, die es seit 18 Jahren nicht mehr gegeben hat: Alle 18 Bundesligisten stehen in der zweiten Runde des DFB-Pokals.
Zum ersten Mal seit 2008/09
Die erste Pokalrunde lebt von ihren Überraschungen – in diesem Jahr blieben sie auf Seiten der Bundesliga komplett aus. Zuletzt hatten in der Saison 2008/09 alle Erstligisten die erste Hürde übersprungen. Seitdem war jedes Jahr mindestens ein Klub gescheitert: 2012 gleich sechs, 2014 fünf, im Vorjahr nur Werder Bremen mit dem 0:1 bei Arminia Bielefeld. Der Negativrekord stammt aus den Spielzeiten 1967/68 und 1970/71, als jeweils sieben Erstligisten in der ersten Runde ausschieden – allerdings zu einer Zeit, in der Bundesligisten von Beginn an gegeneinander gelost werden konnten.
Ganz ohne Zittern ging es nicht. Schalke 04 brauchte beim Regionalligisten Hallescher FC die Verlängerung (5:2), der Hamburger SV kam beim Drittligisten SC Verl erst nach einer halben Stunde ins Spiel. Und die Bayern selbst hatten in Osnabrück nach dem frühen Rückstand mehr Mühe als der Endstand vermuten lässt.
Bayern: Rückstand, Wende, Routine
Vincent Kompany hatte fünf Tage nach dem 5:1 gegen Stuttgart rotiert: Manuel Neuer, Dayot Upamecano, Alphonso Davies, Konrad Laimer und Aleksandar Pavlović saßen zunächst auf der Bank, Jonas Urbig stand im Tor. Nach Meißners Traumtor (5.) glich Harry Kane aus (18.), Tom Bischof drehte die Partie (24.). Lange blieb es beim 2:1, ehe der eingewechselte Lennart Karl im Gegenpressing einen Ball abfing und Michael Olise bediente, der Torwart Krumrey überlupfte (73.). Kane setzte per Foulelfmeter den Schlusspunkt (86.).
„Wir wussten, dass Osnabrück echt guten Fußball spielt, das haben sie heute bewiesen“, sagte Bischof. „Dann kommt das Stadion mit, aber wir sind ruhig geblieben und haben das Spiel unter Kontrolle gehabt.“
Die Überraschungen fanden eine Etage tiefer statt
Dass die erste Runde trotzdem ihre Geschichten hatte, lag an den Zweitligisten. Drei von ihnen scheiterten an unterklassigen Gegnern: Der FC St. Pauli verlor bei Drittligist Rot-Weiss Essen, Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim ging beim Regionalligisten SSV Jeddeloh II mit 2:5 unter. Und Arminia Bielefeld, im Vorjahr noch sensationell im Pokalfinale, unterlag bei Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach nach 2:2 in der Verlängerung mit 0:3 im Elfmeterschießen – Torwart Maximilian Reule parierte zwei Strafstöße, der dritte Bielefelder ging über das Tor. Für Großaspach ist es der erste Einzug in die zweite Runde der Vereinsgeschichte. Der VfL Wolfsburg überstand das Elfmeterschießen bei der VSG Altglienicke (6:5).
Diese drei Außenseiter bilden nun den kompletten Amateurtopf für die Auslosung – so klein wie selten.
Wer in der zweiten Runde dabei ist
Aus der Bundesliga (18):
- FC Bayern München
- Borussia Dortmund
- Bayer 04 Leverkusen
- RB Leipzig
- Eintracht Frankfurt
- VfB Stuttgart
- SC Freiburg
- Borussia Mönchengladbach
- 1. FSV Mainz 05
- TSG 1899 Hoffenheim
- FC Augsburg
- SV Werder Bremen
- 1. FC Union Berlin
- 1. FC Köln
- Hamburger SV
- FC Schalke 04
- SC Paderborn 07
- SV 07 Elversberg
Aus der 2. Bundesliga (11):
- VfL Wolfsburg
- Hertha BSC
- 1. FC Kaiserslautern
- Hannover 96
- 1. FC Nürnberg
- Holstein Kiel
- VfL Bochum
- Karlsruher SC
- SV Darmstadt 98
- 1. FC Magdeburg
- Dynamo Dresden
Amateurtopf (3):
- Rot-Weiss Essen (3. Liga)
- SG Sonnenhof Großaspach (3. Liga)
- SSV Jeddeloh II (Regionalliga)
So wird ausgelost
Die Ziehung findet am Samstag, 5. September, ab 17.45 Uhr im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund statt und wird live in der ARD übertragen. Zuerst werden die drei Klubs aus dem Amateurtopf gezogen – sie haben in jedem Fall Heimrecht und bekommen einen Gegner aus dem Profitopf. Danach wird nur noch aus dem Profitopf gelost, ohne Setzliste. Duelle zwischen zwei Bundesligisten sind damit ab sofort möglich. Bei 29 Profiklubs auf 32 Plätze ist die Wahrscheinlichkeit dafür hoch.
Gespielt wird die zweite Runde am 27. und 28. Oktober. Neu in dieser Saison: Der Videoassistent kommt bereits ab Runde zwei zum Einsatz, bisher erst ab dem Achtelfinale. Finanziell hat sich der Erstrundensieg bereits gelohnt – jeder Klub der zweiten Runde hat 456.377 Euro Prämie sicher, der Einzug ins Achtelfinale bringt 912.755 Euro. Der Pokalsieger nimmt am Ende rund 13 Millionen Euro mit.
Die weiteren Termine
- Achtelfinale: 1./2. Dezember 2026
- Viertelfinale: 2./3. und 9./10. Februar 2027
- Halbfinale: 20./21. April 2027
- Finale in Berlin: 29. Mai 2027
Ob die Bundesliga ihre makellose Bilanz auch in die dritte Runde rettet, ist ab Oktober fast ausgeschlossen – dann werden Erstligisten zwangsläufig gegeneinander spielen. Die erste Runde bleibt damit die einzige, in der sich alle 18 Klubs gemeinsam feiern lassen können. Zum ersten Mal seit 2009.

