Startelf nach vier Tagen. Gelbe Karte nach 44 Minuten. Tor nach 53. Und in der 60. war Schluss. Niclas Füllkrugs Werder-Comeback lieferte alles, was eine Schlagzeile braucht – nur eben nicht das, was überall darübersteht.
Die Rückkehr, die keine Heimkehr war
Der Rahmen zuerst, weil er in den meisten Versionen dieser Geschichte falsch erzählt wird: Füllkrug traf nicht an der Weser. Werder gastierte in der ersten DFB-Pokalrunde beim Oberligisten Lüneburger SK Hansa, und weil dessen Stadion für ein solches Los nicht taugt, wurde die Partie ins ausverkaufte Millerntor-Stadion nach Hamburg verlegt. 29.330 Zuschauer, Samstagnachmittag, 3:0. Die Weser-Premiere steht dem Publikumsliebling erst noch bevor.
Sportlich war das eine Pflichtaufgabe mit Ansage. 72 Prozent Ballbesitz, 24:2 Torschüsse – und trotzdem lange kein Zugriff auf das Ergebnis. Jens Stage köpfte nach einer Deman-Ecke früh ein (11.), danach verflachte die Partie. Ludovit Reis, ebenfalls Neuzugang, machte spät den Deckel drauf (76.).
Elfmeter, kein Freudentaumel
Füllkrugs Treffer fiel nach einem Foul von Muhlack an Stage. Schiedsrichterin Fabienne Michel zeigte sofort auf den Punkt, Füllkrug schob flach links ein, Torhüter Exner ging in die falsche Ecke. Es war die Vorentscheidung gegen einen Fünftligisten, der bis dahin keinen einzigen Abschluss verzeichnet hatte – und es war ein Elfmeter, keine Sturmtat.
Neun Minuten vor dem Treffer hatte er Gelb gesehen. Sieben Minuten danach nahm ihn Daniel Thioune für Cedric Itten vom Feld. Wer daraus eine Traumnacht baut, hat den Abend nicht gesehen.
Verzicht? Da widerspricht der Stürmer selbst
Sky hatte vor der Leihe von einem Gehaltsverzicht berichtet, Werder sprach von wirtschaftlichen Abstrichen. Füllkrug selbst formulierte es bei seiner Vorstellung anders: Er werde in einer anderen Währung bezahlt
. Emotion und Wertschätzung, sagt er. Ein Verzicht sei das nicht.
Die harte Zahl steht daneben: 33 Jahre, 157 Bundesliga-Spiele mit 56 Toren, 135 Zweitliga-Partien mit 47 Treffern, dazu 24 Länderspiele. Die letzten beiden Jahre – West Ham, Leihe zum AC Mailand – brachten davon fast nichts hinzu. Werder holt einen Torjäger, dessen Torjägerdaten aus einer anderen Epoche stammen.
Marvin Ducksch, sein früherer Sturmpartner, sagte der Bild, Fülle und Bremen – das gehört einfach zusammen
. Stimmt emotional. Über die Saison sagt es nichts.
Die Rechnung: risikoarm für Werder, riskant für Füllkrug
Eine einjährige Leihe, ein reduziertes Gehalt, keine Ablöse – für Werder ist der Deal kaufmännisch fast folgenlos. Für Füllkrug nicht. Er hat öffentlich erklärt, er sei nicht gekommen, um auszulaufen, sondern um Erwartungen zu übertreffen. Damit hat er die Messlatte selbst gesetzt, und zwar hoch. Am Sonntag beim SC Freiburg beginnt die Rechnung, die zählt.
Ein Elfmeter gegen einen Oberligisten ist ein Anfang. Er ist auch nicht mehr als das. Wer nach drei Jahren zurückkommt, wird nicht am ersten Tor gemessen, sondern am zwanzigsten.

