Es war der zweite Pokalabend des Freitags – und der deutlich unspektakulärere. Während in Mannheim das Derby zwischen Waldhof und dem FCK vor dem Abbruch stand, erledigte der VfB Stuttgart seine Aufgabe im Ostseestadion so routiniert, wie es das Kräfteverhältnis vorgab: 4:0 (2:0) beim Drittligisten Hansa Rostock, Einzug in die zweite Runde. Der Mann des Abends kostete 25 Millionen Euro und stand zum ersten Mal überhaupt in einem Pflichtspiel im Brustring-Trikot.
Bitterer Beginn für den Favoriten
Sebastian Hoeneß musste schon nach neun Minuten reagieren: Nikolas Nartey signalisierte ohne Gegnereinwirkung den Wechselwunsch, beim Verlassen des Platzes deutete er gegenüber Finn Jeltsch auf den Oberschenkel – augenscheinlich ein muskuläres Problem. Für ihn kam Josha Vagnoman. Eine genaue Diagnose stand am Abend noch aus.
Sportlich hinterließ der frühe Rückschlag keine Spuren. Rostock verteidigte von Beginn an extrem tief, Stuttgart ließ den Ball zirkulieren und kam allein in der ersten Hälfte auf ein Ballbesitzverhältnis von 71:29 – bei 362 gespielten Pässen gegenüber 144 der Gastgeber. Über 90 Minuten standen am Ende rund 75 Prozent Ballbesitz und 21 Torabschlüsse zu Buche.
Zwei Aufbaufehler, zwei Tore
Beide Treffer der ersten Hälfte gingen auf dasselbe Muster zurück: Rostock verlor den Ball im eigenen Spielaufbau, Dzenan Pejcinovic bestrafte es. Beim 1:0 setzte sich der Angreifer trotz vier Gegenspielern durch und schloss nach einem Dribbling flach mit links ab, beim 2:0 war die Hansa-Defensive nach erneutem Ballverlust nicht auf der Höhe.
Ganz einseitig war der erste Durchgang dennoch nicht. Chris Führich verpasste den schnellen Doppelschlag (20.), ehe Hansa die beste Gelegenheit des Abends liegen ließ: Andreas Voglsammer schickte Leon Dajaku steil, doch der frühere VfB-Jugendspieler wollte frei vor dem Tor noch einmal querlegen und vergab so die Ausgleichschance (22.). Kurz darauf lenkte Rostocks Keeper Luca Unbehaun einen Distanzschuss von Jeff Chabot an den Pfosten (25.).
Sieben Minuten Rauch – und der Faden war weg
Nach dem Wiederanpfiff wurde die Kogge zunächst forscher. Dann kam der Bruch, und er kam von den eigenen Rängen: Hansa-Fans begleiteten den Beginn der zweiten Hälfte mit mehreren Rauchtöpfen, der Qualm zog nicht ab, die Sichtverhältnisse ließen ein Weiterspielen nicht zu. Schiedsrichter Sascha Stegemann unterbrach die Partie für rund sieben Minuten. Danach lief bei Rostock offensiv praktisch nichts mehr. Am Ende gab es acht Minuten Nachspielzeit.
Tomás macht den Deckel drauf, Pejcinovic den Hattrick
Stuttgart verwaltete die Führung seriös und wartete geduldig ab. Tiago Tomás verwertete ein Zuspiel von Deniz Undav zum 3:0, ehe Pejcinovic den Schlusspunkt setzte: Nach einem Doppelpass auf rechts legte Vagnoman flach zurück, der Stürmer schloss aus sieben Metern direkt ins kurze Eck ab. Kurz darauf nahm ihn Hoeneß bei einem Dreifachwechsel vom Feld, Ermedin Demirovic kam für ihn.
Der Königstransfer liefert sofort
Für Pejcinovic ist es ein Einstand nach Maß. Der 21-Jährige war erst am 10. August vom Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg gekommen, für rund 25 Millionen Euro Ablöse und mit einem Vertrag bis 2031 – der teuerste Stuttgarter Sommertransfer. Angebote des FC Porto hatte er zuvor abgelehnt, auch RB Leipzig mischte kurzfristig mit. In Wolfsburg hatte er zuletzt in 39 Pflichtspielen zwölf Tore erzielt.
Kurios am Rande: Auch seine ersten drei Bundesliga-Tore hatte der deutsche U21-Nationalspieler in Form eines Dreierpacks erzielt. Der gebürtige Münchner durchlief die Jugend des FC Bayern und des FC Augsburg, ehe er 2022 nach Wolfsburg wechselte.
Wie es weitergeht
Für den Vorjahresfinalisten aus Stuttgart geht es direkt mit einem Kracher weiter: Am kommenden Freitag steht der Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern an, Anstoß ist um 20:30 Uhr. Hansa Rostock ist bereits am Sonntagmittag wieder im Einsatz, in der 3. Liga beim 1. FC Saarbrücken.
Die Erstrunden-Bilanz des VfB bleibt derweil beeindruckend: Seit der Jahrtausendwende haben die Schwaben 24 ihrer 26 Auftaktpartien im DFB-Pokal gewonnen. Es war bereits das vierte Erstrunden-Duell mit Rostock seit 2018 – und nach dem Hansa-Coup von 2018 sowie zwei knappen 1:0-Siegen der Stuttgarter 2019 und 2020 das mit Abstand deutlichste.

