Ein Oberligist, ein 57.000-Plätze-Stadion, mehr als 40.000 verkaufte Karten – und ein Gegner, dessen Sportchefs lieber zu Hause bleiben. Der BVB reist zum Pokal-Auftakt nach Hamburg, während in Dortmund bis 20 Uhr die Telefone laufen.
Die Ausgangslage: 91 Jahre Pause
Der Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Club, Oberliga Hamburg, fünfte Liga, spielte zuletzt 1935 im DFB-Pokal – bei der allerersten Austragung. 91 Jahre später steht das größte Spiel der 115-jährigen Vereinsgeschichte an, verlegt vom Sportplatz ins Volksparkstadion des HSV. Das Los hatte Deniz Aytekin im Juni gezogen; gespielt wird erst jetzt, weil Dortmund am regulären Pokalwochenende den Supercup gegen Bayern bestritt (1:2). Die beiden Klubs treffen zum ersten Mal überhaupt aufeinander.
Kovac rotiert – aus Not und aus Absicht
Ramy Bensebaini fehlt: zwei Spiele Pokalsperre nach seiner Roten Karte im Supercup. Emre Can und Nico Schlotterbeck sind langzeitverletzt. Und Giannis Konstantelias, der beim 2:0 gegen den HSV am Samstag in seinem ersten Bundesliga-Spiel traf, riss sich in der zweiten Halbzeit das Kreuzband im linken Knie. Niko Kovac hat deshalb über die Torwartposition hinaus Wechsel in der Startelf angekündigt – er wolle sehen, wie sich die Spieler vom Wochenende fühlen.
Die eigentliche Nachricht des Tages fällt aber 45 Minuten vor dem Anpfiff: Um 20 Uhr schließt das Transferfenster. Sportchef Lars Ricken und Sportdirektor Ole Book bleiben in Dortmund, um einen Konstantelias-Ersatz zu finden. Kovac: „Wir haben einige Eisen im Feuer gehabt.“ Ob eins davon rechtzeitig geschmiedet wird, entscheidet sich, während der Mannschaftsbus noch im Hamburger Verkehr steht.
Stolpergefahr? Seit 2005 nicht mehr
Die Statistik ist eindeutig: Seit 2006 hat der BVB jedes Erstrundenspiel gewonnen. Das letzte Aus in Runde eins liegt 21 Jahre zurück – 1:2 bei Zweitligist Eintracht Braunschweig. Der HEBC bringt zwar 40.000 Zuschauer und violett-weiße Trikots mit, aber eben auch Spieler, die tagsüber arbeiten gehen.
Trotzdem lohnt ein Blick auf den Pokal-August: Jeddeloh II hat Absteiger Heidenheim mit 5:2 abgeschossen, Großaspach warf Bielefeld im Elfmeterschießen raus, Rot-Weiss Essen schlug St. Pauli. Alles Zweitligisten – die 16 bisher angetretenen Bundesligisten sind ausnahmslos weiter. Aber die Botschaft ist angekommen.
- Anstoß: Dienstag, 1. September, 20:45 Uhr
- Ort: Volksparkstadion, Hamburg
- TV: RTL und Sky, Audiostream in der Sportschau
- Schiedsrichter: Tom Bauer
- Nicht dabei (BVB): Bensebaini (gesperrt), Can, Schlotterbeck, Konstantelias (verletzt)
Pflicht mit Nebengeräusch
Pflichtaufgabe also, ja. Aber eine, die der BVB mit halbem Kader, gesperrtem Linksverteidiger und einem Trainer bestreitet, dessen Handy in der Kabine nicht stumm sein wird. Für den HEBC ist es der Abend seines Jahrhunderts. Für Dortmund ist es der Abend, an dem sich zeigt, ob eine Mannschaft fokussiert bleibt, wenn die wichtigere Nachricht aus einem anderen Gebäude kommt. Der Pokal fragt nicht nach dem Deadline Day. Er fragt nur, wer um 22:30 Uhr in der zweiten Runde steht.

