Der DFB-Pokal lebt doch eigentlich von genau einer Sache: dem Traum vom Wunder. Kreisligist gegen Bundesligist, Flutlicht auf dem Ascheplatz, einmal im Leben gegen die Großen ranmachen dürfen. Diese Saison? Fehlanzeige. Alle 18 Bundesligisten haben Runde eins überstanden – zum ersten Mal seit 18 Jahren. Pokalromantik? Diesmal eher Pokal-Langeweile. 😴
Die nackten Zahlen: Historisch selten
Mit dem 4:1-Sieg von Bayern München beim Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück war es am Dienstag amtlich: Kein einziger Erstligist ist in Runde eins gescheitert. Das letzte Mal, dass das passierte, war die Saison 2008/09 – seitdem hat es tatsächlich 18 Jahre gedauert. Und erst zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend überhaupt gelang den Bundesligisten dieses geschlossene Auftreten. Zum Vergleich, wie unwahrscheinlich das eigentlich ist: In den Saisons 1967/68 und 1970/71 flogen jeweils sieben Erstligisten schon in Runde eins raus. Selbst in den letzten Jahren gab es praktisch immer mindestens einen Aussetzer – zuletzt erwischte es Werder Bremen und den VfL Bochum in den vergangenen beiden Spielzeiten.
Wo es eng wurde – aber am Ende doch nicht reichte
Ganz ohne Zittern ging der Pokalauftakt trotzdem nicht über die Bühne. Der FC Schalke 04 musste bei Regionalligist Hallescher FC in die Verlängerung und rettete sich am Ende mühsam mit 5:2. Auch bei zwei Drittligisten war lange Zeit ein waschechter Coup drin: Sowohl Viktoria Köln (gegen den 1. FC Nürnberg) als auch der 1. FC Saarbrücken (gegen Hertha BSC) zwangen ihre höherklassigen Gegner ins Elfmeterschießen – und verloren dort hauchdünn mit 4:5 beziehungsweise 2:4. So nah dran, und am Ende doch wieder nichts. Immerhin für Schadenfreude sorgte die größte Überraschung des gesamten Wochenendes anderswo: Regionalligist SSV Jeddeloh II schoss den frisch abgestiegenen Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim mit 5:2 ab – nur zählt das eben nicht als Bundesliga-Blamage, weil Heidenheim in dieser Saison ja gar nicht mehr erstklassig ist.
Warum die Pokalromantik gerade so leidet
Klar, sportlich ist das für die 18 Bundesligisten natürlich erfreulich – niemand blamiert sich, niemand fliegt peinlich gegen den Kreisligisten raus. Aber seien wir ehrlich: Genau diese Momente sind es doch, wegen denen viele Fans den Pokal überhaupt einschalten. Der Amateurverein, der einmal im Rampenlicht steht. Die Chance, dass wirklich mal was Verrücktes passiert. Wenn am Ende trotzdem immer der Favorit gewinnt, bleibt vom besonderen Charme des Wettbewerbs nicht mehr allzu viel übrig – dann ist Runde eins im Grunde nur eine überteuerte Werbeveranstaltung mit Ergebnis, das man auch vorher schon erahnen konnte.
Ein Funke Trost: Wenigstens musste einer zittern
Wer trotzdem noch etwas Nervenkitzel sucht, hält sich am besten an Schalkes Verlängerungsdrama oder die beiden Elfmeterkrimis von Köln und Saarbrücken. Immerhin ein Trostpflaster in einer Runde, die sportlich gesehen ziemlich genau so verlief, wie es die Papierform vorhersagte.
Für die Bundesligisten ist das komplette Weiterkommen natürlich eine gute Nachricht – planbarer Kalender, kein Image-Schaden, keine unangenehmen Interviews nach einer Pokalklatsche. Für den Pokal als Wettbewerb ist es dagegen eher ein Rückschlag. Am Ende zeigt diese erste Runde ziemlich deutlich: Der finanzielle und sportliche Graben zwischen Bundesliga und Rest ist inzwischen so tief, dass selbst der DFB-Pokal, traditionell die letzte Bastion echter Überraschungen im deutschen Fußball, kaum noch Platz für Wunder lässt. Schade eigentlich.

