Das Südwest-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1 n.V.) endete nicht mit dem Abpfiff. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz kam es zu Szenen, die den ohnehin aus dem Ruder gelaufenen Pokalabend endgültig zum Politikum machten: Waldhof-Trainer Rui Mota hatte seinem Gegenüber Torsten Lieberknecht den Handschlag verweigert – und begründete das anschließend mit einer schweren Anschuldigung.
Mota: „Ich habe nur ein Gesicht“
Auf den ausgebliebenen Händedruck angesprochen, erklärte der 47-jährige Portugiese, er habe sich während der Partie bedroht gefühlt. Wer ihn im Spiel bedrohe und danach mit einem Glückwunsch auf ihn zukomme, bekomme von ihm keine Hand: „Ich habe keine zwei Gesichter. Ich habe nur ein Gesicht.“ Er respektiere jeden, der für sein Team einstehe – aber nicht, wer mit Drohungen arbeite. Und weiter: „Ich bin kein Heuchler.“
Bemerkenswert war der Rahmen dieser Ausführungen. Mota sprach, während Lieberknecht rund zwei Meter neben ihm auf demselben Podium saß und sichtlich irritiert reagierte. Konkreter wurde der Waldhof-Coach nicht: Wen genau er meinte – Lieberknecht selbst, dessen Trainerteam oder Lauterer Spieler –, ließ er offen.
Lieberknecht und Ritter kontern
Der FCK-Trainer wählte den entgegengesetzten Ton. Beide Mannschaften hätten emotional, aber fair gekämpft, sagte Lieberknecht, das Spiel sei „eines Derbys wirklich würdig“ gewesen. Beide Teams hätten es verdient, dass über den Fußball gesprochen werde.
Deutlicher wurde Lauterns Kapitän Marlon Ritter, der bei der entscheidenden Rudelbildung mittendrin war. Es sei „wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen Beteiligten“, räumte er ein – auf die Mannheimer Vorwürfe angesprochen, konterte er allerdings mit dem Hinweis, die Waldhof-Bank gehe auch nicht jeden Sonntag in die Kirche. Von dort seien ebenfalls Sprüche gekommen, das sei ihm aber egal: Man habe gewonnen, das zähle.
Was dem Eklat vorausging
Der Handschlag-Streit war nur die Fortsetzung dessen, was in der achten Minute der Nachspielzeit begonnen hatte. Nach einer Auseinandersetzung zwischen Ritter und Goncalo Gregorio kam es beim Stand von 0:0 zur Rudelbildung, mehrere Spieler gerieten aneinander, unter anderem griff Fabian Kunze Thijmen Nijhuis an den Hals.
Von den Rängen flogen Gegenstände auf den Rasen, in beiden Blöcken wurde massiv Pyrotechnik gezündet, aus dem Gästebereich wurden Raketen in Richtung der Sitzplätze geschossen. Schiedsrichter Robert Schröder schickte beide Teams in die Kabine, aus dem Waldhof-Block stürmten Fans das Feld. Die Polizei rückte auf den Rasen vor – teils beritten. Nach gut 30 Minuten Unterbrechung wurde die Verlängerung angepfiffen, in der Ibrahim Kanaté in der 120. Minute traf. Schröder sprach später davon, die Partie habe sehr nah am Abbruch gestanden.
Polizeibilanz: 35 verletzte Beamte
Die Zahlen, die das Polizeipräsidium Mannheim am Tag danach vorlegte, machen die Dimension deutlich. 35 Beamte wurden leicht verletzt, davon 33 von der Bundespolizei. 85 Personen mussten medizinisch betreut werden, acht kamen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Rund 1.400 Einsatzkräfte waren rund um das mit 23.500 Zuschauern ausverkaufte Carl-Benz-Stadion im Einsatz. Es gab mehrere Festnahmen; ermittelt wird unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzungsdelikten, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) sprach von einem Hochrisikospiel mit Ansage und stellte sich hinter die Einsatzkräfte. Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbrauche, sei kein Fan, sondern ein Krimineller, so der Minister.
DFB kündigt umfassende Aufarbeitung an
Der Deutsche Fußball-Bund reagierte noch am Abend und kündigte an, die Vorfälle umfassend aufzuarbeiten. Die Berichte würden ausgewertet und den zuständigen Gremien zugeleitet – für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fußball kein Platz. Beide Klubs müssen mit Konsequenzen rechnen; über mögliche Sanktionen entscheidet am Ende das DFB-Sportgericht.
Für Mota, der erst im Juni die Nachfolge von Luc Holtz antrat, war es die erste große Bewährungsprobe im deutschen Fußball – und sie endete mit einer Aussage, die den Verband nun zusätzlich beschäftigen dürfte. Denn eine Drohung gegen einen Cheftrainer wäre kein Randthema der Aufarbeitung, sondern ein eigener Vorgang. Solange Mota nicht konkretisiert, wen er meint, bleibt der Vorwurf allerdings genau das: ein Vorwurf ohne Adressat.

