Der Klub, der aus dem DFB-Pokal in den vergangenen Jahren eine eigene Disziplin gemacht hat, ist in der ersten Runde raus – und zwar so, wie man es sich als Bielefelder nicht ausmalen möchte. Arminia Bielefeld verlor am Samstagabend beim Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach nach einem 2:2 nach Verlängerung mit 0:3 im Elfmeterschießen. Drei Schützen, drei Fehlversuche. Es ist die bislang größte Überraschung dieser Pokalrunde.
Das Elfmeterschießen: null von drei
Zum Helden des Abends wurde Großaspachs Torhüter Maximilian Reule. Er parierte zunächst den Versuch von Maximilian Bauer, dann den von Tim Handwerker. Als Robert Uldrikis den dritten Bielefelder Elfmeter über das Tor setzte, war die Partie vorzeitig entschieden.
| # | Schütze | Verein | Ergebnis | Stand |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Arbnor Nuraj | Großaspach | ✅ | 1:0 |
| 2 | Maximilian Bauer | Bielefeld | ❌ Reule pariert | 1:0 |
| 3 | Luca Molinari | Großaspach | ✅ | 2:0 |
| 4 | Tim Handwerker | Bielefeld | ❌ Reule pariert | 2:0 |
| 5 | Franz Xaver Bleicher | Großaspach | ✅ | 3:0 |
| 6 | Robert Uldrikis | Bielefeld | ❌ über das Tor | Endstand 3:0 |
Großaspach verwandelte alle drei Versuche, Bielefeld keinen einzigen. Für die SG ist es der erste Einzug in die zweite Pokalrunde der Vereinsgeschichte.
Führung nach Standard, Doppelschlag nach Slapstick
Dabei hatte die reguläre Spielzeit alles geboten. Die Gastgeber gingen in der 12. Minute in Führung: Nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld und einer Kopfballablage entstand Chaos im Bielefelder Strafraum, zwei Abschlüsse wurden noch geblockt, der dritte von Elias Rahn schlug links oben ein – Jonas Kersken kam mit den Fingerspitzen noch dran, aber nicht mehr entscheidend.
Kurz vor der Pause drehte die Arminia die Partie binnen zwei Minuten. Nach einer Ecke von Sicker gewann Maximilian Bauer das Kopfballduell, am zweiten Pfosten nickte Stefano Russo zum 1:1 ein (40.). Beim 1:2 half Großaspach kräftig mit: Luca Molinari blieb mit zwei Befreiungsschlägen hängen, dann behinderte Arbnor Nuraj seinen Teamkollegen Fabian Eisele beim Klärungsversuch – der Ball landete vor den Füßen von Joel Grodowski, der ihn verwertete (42.). Für Grodowski war es der vierte Treffer binnen einer Woche, nachdem er beim 3:0 gegen Cottbus dreifach getroffen hatte.
Der gebrauchte Tag des Joel Felix
Die Wende hielt zehn Minuten. In einem Zweikampf bekam Bielefelds Joel Felix den Ball aus kurzer Distanz auf Kopfhöhe an den angewinkelten Unterarm – Handelfmeter. Ein Kann-Elfmeter, bei dem ein Video-Assistent vermutlich nicht eingeschritten wäre. Nur: In der ersten Pokalrunde gibt es keinen. Eisele verwandelte sicher zum 2:2 (55.).
Felix‘ Abend wurde in der Nachspielzeit endgültig bitter. Bei einer versuchten Rettungsaktion verfehlte er den Ball und traf stattdessen den heranrauschenden Marlon Faß. Gelb-Rot (90.+2). Die Verlängerung musste Bielefeld in Unterzahl bestreiten.
Innenpfosten statt Entscheidung
In den zusätzlichen 30 Minuten beschränkte sich die Arminia zunächst aufs Verteidigen. Großaspach kam zu einigen Abschlüssen, ohne wirklich zwingend zu werden. Die wildeste Szene bot die 111. Minute: Erst setzte Marius Wörl einen Distanzschuss an den Innenpfosten, dann parierte Kersken stark gegen Faß.
Bemerkenswert war die Kulisse. Unter den 5.719 Zuschauern im nur etwa halbvollen Stadion befanden sich rund 2.000 Arminia-Anhänger – ein gefühltes Heimspiel im 500 Kilometer entfernten Baden-Württemberg.
Das Ende einer Pokalära
Für Bielefeld ist das Aus mehr als eine verpasste Runde. Erstmals seit sechs Jahren findet die zweite Pokalrunde ohne die Arminia statt. 2025 hatte der Klub als Drittligist ein Märchen geschrieben, auf dem Weg ins Finale Union Berlin, den SC Freiburg und Werder Bremen ausgeschaltet und sich damit den Ruf als Pokalschreck erarbeitet.
Diesmal war die Arminia erstmals seit Langem selbst der Favorit – und scheiterte in genau dieser Rolle. In der Liga hatte sie nach der 1:2-Auftaktniederlage in Karlsruhe zuletzt mit dem 3:0 gegen Cottbus überzeugt.
Großaspach dagegen, in der 3. Liga zuletzt mit einer 0:2-Niederlage in Meppen, hat den größten Pokalabend der Vereinsgeschichte hinter sich.

