90PLUS - Aktuelle Fußball News90PLUS - Aktuelle Fußball News90PLUS - Aktuelle Fußball News
  • Fußball News
  • Transfer News
  • Bundesliga
  • Premier League
  • Sportwetten
    • Wetten ohne LUGAS
    • Wetten ohne OASIS
    • Neue Wettanbieter
    • Wetten ohne Steuer
  • Guides
90PLUS - Aktuelle Fußball News90PLUS - Aktuelle Fußball News
  • Sportwetten
    • Wetten ohne LUGAS
    • Wetten ohne OASIS
    • Neue Wettanbieter
    • Wetten ohne Steuer
  • Transfer News
  • Bundesliga
  • Premier League
90PLUS » Pyro als Produkt: Was die Reaktionen auf Mannheim über den deutschen Fußball verraten
90PLUSDFB-Pokal

Pyro als Produkt: Was die Reaktionen auf Mannheim über den deutschen Fußball verraten

90PLUS Redaktion
22.08.26, 12:59
90PLUS Redaktion
TEILEN
Kommentare
(Photo by Andreas Schlichter/Getty Images for DFB)

Ein Kommentar von 90Plus

Ibrahim Kanaté hat in der 120. Minute getroffen. Ein Schlenzer, ein Last-Minute-Sieg im Südwest-Derby, für den 1. FC Kaiserslautern der Einzug in die zweite Pokalrunde. Man muss diesen Satz eigens hinschreiben, weil er seit Freitagabend praktisch nicht mehr vorkommt. Das Ergebnis ist zur Fußnote geworden. Geblieben sind 35 verletzte Polizisten, 85 medizinisch versorgte Menschen, acht Krankenhauseinweisungen und ein Schiedsrichter, der später sagte, das Spiel sei sehr nah am Abbruch gewesen.

Interessanter als die Empörung selbst ist ihre Choreografie. Wer sich anschaut, was in den Stunden danach auf X passierte, findet nicht eine Debatte, sondern drei – die aneinander vorbeilaufen und von denen jede einen wahren Kern hat.

Erstens: Die Ironie, die als Argument durchgeht

Bild-Kolumnist Alfred Draxler kommentierte die Bilder mit den Worten, das sei „gelebte, deutsche Fan-Kultur“, und man lasse sie sich niemals nehmen. Das ist erkennbar sarkastisch gemeint – Draxler gehört seit Jahren zu den schärfsten Kritikern der Ultra-Szenen, und der Post funktioniert als Spott über ein Selbstbild, das er für Schutzbehauptung hält.

Der Spott sitzt, und er trifft eine echte Schwachstelle. Zwischen einem Bengalo, das in der Kurve brennt, und einer Rakete, die in einen Sitzplatzblock geschossen wird, liegt kein gradueller, sondern ein kategorialer Unterschied. Das eine ist ein Verstoß mit Brandrisiko, über den man streiten kann – es gibt europäische Modelle für kontrolliertes Abbrennen, es gibt eine seit Jahren verschleppte Pilotprojekt-Debatte. Das andere ist ein Geschoss, das auf Menschen zielt. An dem Punkt, an dem Beamte laut Polizeiangaben mit Raketen beschossen werden, ist „Fankultur“ keine Beschreibung mehr.

Nur: Ironie erklärt nichts. Sie stellt die Szene bloß und macht sie damit unangreifbar für jede Differenzierung, die man von ihr einfordern müsste. Wer alles unter „die Chaoten“ verbucht, muss keine unbequeme Frage mehr beantworten – etwa, warum ausgerechnet dieses Spiel, in dieser Konstellation, mit dieser Verlässlichkeit eskaliert, und warum die Beteiligten fast ausnahmslos junge Männer sind. Die Fanforschung hat für dieses Muster längst eine Beschreibung: Rivalität, Revierverteidigung, körperliche Bewährung vor einer Gruppe, die zusieht. Das Derby ist die Bühne, nicht die Ursache. Man muss dieses Erklärungsmuster nicht überdehnen – wer Gewalt vollständig in Soziologie auflöst, entsorgt die individuelle Verantwortung gleich mit. Aber ganz ohne kommt man auch nicht aus.

Zweitens: Der unbequemste Post des Abends

Ein Nutzer schrieb sinngemäß, ein Großteil des Publikums schaue Mannheim gegen Kaiserslautern gerade wegen der Pyrotechnik – und ausgerechnet bei Sky habe man das nach über zwanzig Jahren Berichterstattung noch nicht verstanden. Über 2.000 Likes, über 40.000 Aufrufe. Der Post ist zynisch. Er ist auch nicht falsch.

Ein Drittligist gegen einen Zweitligisten am Freitagabend im Free-TV, ausverkauft mit 23.500 Zuschauern, angesetzt als Hochrisikospiel mit Ansage: Die Brisanz war nicht die Nebenwirkung dieser Ansetzung, sie war ihr Verkaufsargument. Wochenlang liefen Vorschauen über Hass, Rivalität und Erzfeindschaft. Als die Rivalität dann tat, was Rivalität tut, wurde dieselbe Kamera zum Ankläger.

Das entschuldigt nichts. Aber es beantwortet die Frage, warum Sanktionen nie greifen. Solange Eskalationspotenzial ein Vermarktungsgut ist, ist der Fußball an dem Produkt beteiligt, über dessen Nebenwirkungen er sich anschließend empört. Vereine, Verband und Rechteinhaber verdienen an der Aufladung mit und stellen sich am Tag danach ans Mikrofon, um sie zu verurteilen. Diese Doppelrolle wird in der aktuellen Debatte von keiner Seite auch nur erwähnt.

Drittens: Die Polizeikritik – und ihre Grenze

Unter der Einsatzbilanz der Mannheimer Polizei stand der Vorwurf, ein derart schweres Aufgebot müsse zwangsläufig zum Einsatz kommen; deeskalierend sei anders. Rund 1.400 Einsatzkräfte, berittene Polizei auf dem Rasen, abgeriegelte Blöcke – das ist ein massives Aufgebot, und die Kritik daran ist nicht per se Reflex. Der Einsatz von Pferden in einem geschlossenen, mit Pyrotechnik gefüllten Raum ist taktisch wie tierschutzrechtlich diskutabel. Wer nach einem solchen Abend keine unabhängige Nachbetrachtung fordert, hat vom Verhältnis zwischen Polizei und Fanszenen der vergangenen zehn Jahre nichts verstanden.

Nur trägt die These in dieser Form nicht. Der Einsatzleiter sprach davon, das taktische Konzept sei aufgegangen – bei 35 verletzten Beamten eine bemerkenswerte Definition von Erfolg, die aber einen wahren Kern hat: kein Abbruch, keine Schwerverletzten, eine begrenzte Eskalation. Wer daraus einen Skandaleinsatz konstruiert, muss die Alternative benennen. Bei einer Lage, die der Schiedsrichter selbst als abbruchnah beschrieb, fällt die schwer.

Was jetzt kommt, und warum es nichts ändert

Der DFB hat eine umfassende Aufarbeitung angekündigt. Das Sportgericht wird Geldstrafen verhängen, wahrscheinlich Blocksperren – Instrumente, die vor allem diejenigen treffen, die nichts getan haben. In der Politik werden jetzt wieder personalisierte Tickets, Gesichtserkennung und Kollektivstrafen auf den Tisch kommen; dieselben Vorschläge, von denen die Innenministerkonferenz Ende 2025 nach massiven Fanprotesten und Widerspruch von DFB und DFL bereits abgerückt war.

Die Datenlage ist dabei sperriger, als es allen Beteiligten recht wäre. Der ZIS-Jahresbericht 2024/25 weist die Gewalt in deutschen Stadien insgesamt als rückläufig aus – und gleichzeitig einen deutlichen Anstieg der Pyrotechnik-Verstöße. Das ist kein Argument für Generalverdacht. Es ist aber auch keine Grundlage für die Erzählung, es sei alles halb so wild.

Die ehrliche Zwischenbilanz nach Mannheim lautet deshalb: Es gibt kein Fanproblem und kein Polizeiproblem. Es gibt ein kleines, hartnäckiges Gewaltproblem, das seit Jahren mit großen, unpräzisen Instrumenten bearbeitet wird – und ein Geschäftsmodell, das von genau der Aufladung lebt, die es hervorbringt. Solange niemand bereit ist, den zweiten Teil dieses Satzes auszusprechen, wird sich nach dem nächsten Hochrisikospiel exakt dieser Text wieder schreiben lassen.

Nur mit anderen Vereinsnamen. Und einem anderen Ergebnis, das wieder niemanden interessiert.

Teile diese News
Facebook Email Copy Link Print

Newsticker

14.09.
0:2 nach 16 Minuten, 5:3 am Ende: Inters wildeste 90 Minuten seit Madrid – und die Abwehr, die Chivu Sorgen macht
14.09.
Rangnick ohne Alaba, aber mit 14 Bundesliga-Profis: Österreichs Kader für vier Spiele in elf Tagen
14.09.
Sandro Wagner für Hannover ? Titz ist weg, Barlemann übernimmt: Hannover hat entschieden – nur noch nicht alles
14.09.
Klopps XXL-Kader: Der erste Test, ob „neu“ beim DFB mehr bedeutet als ein neuer Name auf der Bank
14.09.
Zehn Fragen an Laporta – fünf Tage vor der Abrechnung
90PLUS Logo 90PLUS Logo
  • Über 90PLUS
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
Copyright 2026
90PLUS Logo 90PLUS Logo
Welcome Back!

Sign in to your account

Username or Email Address
Password

Lost your password?