14.000 im Leuna-Chemie-Stadion, ein Regionalligist in Führung, ein Bundesligist ohne Ideen. Erst nach 117 Minuten stand ein Ergebnis auf der Anzeigetafel, das nach Klassenunterschied aussah. Bis dahin sah es nach etwas anderem aus.
Drei Ligen Abstand, kaum sichtbar
Der Hallesche FC spielt in der Regionalliga, Schalke seit dem Sommer wieder in der Bundesliga. Auf dem Platz war davon lange nichts zu erkennen. Halle verteidigte kompakt, ließ kaum Räume und ging kurz vor der Pause sogar in Führung: Nach einer Ecke brachten die Schalker den Ball nicht weg, Niclas Stierlin köpfte auf Vin Kastull, der kompromisslos abschloss (45.).
Die Gäste hatten den Ball, die Gastgeber hatten den Plan. Ungenauigkeiten im Passspiel zogen sich durch die gesamte erste Hälfte. Miron Muslić hatte vorher betont, seine Mannschaft sei absolut klar und fokussiert auf die Aufgabe
. Auf dem Rasen war das eine Weile lang eine reine Absichtserklärung.
Der lange Weg zurück
Dejan Ljubičić glich nach 62 Minuten aus, nach einem Traumpass des eingewechselten Junior Adamu auf Adil Aouchiche. Kurz darauf kamen Edin Džeko und Robin Gosens, der damit sein Schalke-Debüt gab. Džeko verwandelte in der 81. Minute einen umstrittenen Foulelfmeter zur Führung.
Das hätte reichen sollen. Es reichte nicht. In der ersten Minute der Nachspielzeit traf Stierlin doch noch zum 2:2 und zwang den Aufsteiger in die Verlängerung.
Die Verlängerung gehörte Džeko
In der Verlängerung fing sich Schalke – und das hatte vor allem einen Namen. Eine Flanke von links ließ Džeko in der 98. Minute für Moussa Sylla abtropfen, der die Führung zurückholte. Beim 4:2 durch Junior Adamu (105.+1) stand er am Beginn der Aktion, den Schlusspunkt zum 5:2 setzte er in der 117. Minute selbst.
Unter dem Strich: zwei eigene Treffer, eine Vorlage, ein eingeleitetes Tor. An allen drei Schalker Toren nach dem Ende der regulären Spielzeit war ein Spieler beteiligt, der in der 62. Minute eingewechselt wurde. Wer erklären will, warum der Aufsteiger nicht als erster Bundesligist dieser Runde ausgeschieden ist, kommt an ihm nicht vorbei.
Und damit an der Zahl 40. So alt ist der Bosnier, der im Januar ablösefrei aus Florenz kam, mit sechs Toren in elf Spielen den Aufstieg mitentschied, im Sommer seinen Vertrag bis 2027 verlängerte und im Juni sein Land bei dessen erster Weltmeisterschaft anführte. Ein Pokalabend gegen einen Regionalligisten ist kein Karrieredenkmal. Aber er erklärt, warum ein Klub mit Klassenerhaltsauftrag seinen Angriff um einen Jahrgang 1986 herum baut.
Sechs Tage bis zum Ernstfall
Für Halle endet die Pokalreise zum vierten Mal nacheinander in Runde eins – die zweite Runde erreichten die Hallenser zuletzt 2016. Sie werden diesen Abend trotzdem behalten. Für Schalke beginnt am kommenden Wochenende beim FC Augsburg die Bundesliga, und diese Generalprobe hat mehr Fragen geöffnet als beantwortet.
Weiterkommen ist Weiterkommen. Nur schreibt der Pokal die Statistik, während die Liga das Gedächtnis führt.

