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Das DFB-Team nach dem EM-Aus: Fünf Erkenntnisse für die Zukunft

6. Juli 2024 | Spotlight | BY Manuel Behlert

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Heim-EM im Viertelfinale denkbar knapp und bitter an Spanien gescheitert. Trotzdem schaffte es das vielgescholtene DFB-Team, für eine positive Stimmung rund um die Mannschaft zu sorgen. Das gab es lange nicht mehr und ist ein Fingerzeig für die Zukunft. 

Diese wird direkt eingeläutet. Schon im September finden die nächsten Länderspiele statt. Mit einigen Veränderungen im Kader, aber weiterhin mit einer klaren Linie. Das macht Mut für die kommenden Aufgaben. Die EM, so schmerzvoll das Ausscheiden jetzt auch war, lieferte wichtige Erkenntnisse. 

Julian Nagelsmann ist der richtige Trainer für die DFB-Elf

Als Julian Nagelsmann das DFB-Team übernahm, herrschte Krisenstimmung. Der deutsche Fußball war zwar nicht am Ende, Weltuntergangsstimmung war aber trotzdem vorhanden. Nagelsmann wusste um die Bedeutung der Aufgabe, die auf ihn zukommt. Und der DFB wusste, dass es ein Risiko sein kann, einen trotz seiner Erfahrung noch jungen Trainer in dieses Amt zu hieven. Einige Monate später bleibt als Fazit: Nagelsmann ist der richtige Trainer für diesen Job. Ja, nicht alle Entscheidungen stießen auf 100%iges Verständnis, aber bei welchem Coach ist das schon der Fall?



Was Nagelsmann geschafft hat: Er hat die Stimmung gedreht. Er hat für Stringenz gesorgt, seine Nominierungen und Aufstellungen deutlich und verständlich erklärt. Also quasi dem Fan in Deutschland das DFB-Team wieder etwas nähergebracht. Ganz zu schweigen davon, dass auch fußballerisch Fortschritte zur Zeit vor ihm zu erkennen waren. Und das in allen Mannschaftsteilen.

Die “nächste Generation” kommt in ein funktionierendes Gefüge

Der Bundestrainer entschied sich bewusst dafür, einige erfahrene Anker mit zu diesem Turnier zu nehmen. Spieler wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Toni Kroos, die schon alles erlebt haben. Die mit ihrem Führungsstil aber auch positiven Einfluss auf das Gesamtgefüge haben. Das war der DFB-Elf rund um das Turnier zweifelsohne anzumerken. Die Mischung passte, die Pressekonferenzen, Interviews und das Miteinander generell verliefen sehr harmonisch.

Ein größerer Teil der erfahrenen Spieler, sicher Kroos, sehr wahrscheinlich auch Müller, werden ab sofort Platz machen für die nächste Generation. Spieler wie Aleksandar Pavlovic scharren schon mit den Hufen, wollen sich ihrerseits einen Namen machen, den eigenen Platz im Team sichern. Sie kommen nicht etwa in eine verunsicherte Mannschaft, die auf der Suche nach sich selbst sucht. Nein, sie kommen in ein funktionierendes Team. Eines, das es in den letzten Wochen schaffte, deutlich näher zusammenzurücken. Das hilft enorm bei der Integration.

Viele Spieler erreichen den “Peak” erst in den nächsten Jahren

Klar, einige der erfahrenen Spieler standen im Mittelpunkt. Auch Ilkay Gündogan, Antonio Rüdiger oder sogar Niclas Füllkrug gehören schon zu den älteren Spielern im Kader. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass einige Spieler ihren Peak erst noch erreichen werden. Namen wie Jamal Musiala und Florian Wirtz liegen dabei auf der Hand, aber auch ein Nico Schlotterbeck, der noch etwas gegen die fehlende Konstanz kämpft, haben noch Zeit, einen großen Schritt nach vorne zu machen. Und das ausgehend von einer echt soliden bis sehr guten Basis.

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Defensiv muss sich noch etwas tun

Das Offensivpotenzial der Mannschaft ist ungebrochen groß. Musiala und Wirtz wurden schon angesprochen, auch Kai Havertz kann eine gute Rolle spielen. Maximilian Beier, Karim Adeyemi, Leroy Sané, Serge Gnabry, Julian Brandt, Deniz Undav, vielleicht in Zukunft auch noch der ein oder andere Emporkömmling: Hier hat die DFB-Elf keine großen Sorgen. Der Defensive fehlt es neben der Feinabstimmung in einigen Aspekten auch noch an der Breite.

Bis zur Weltmeisterschaft 2026 müssen hier Lösungen gefunden werden. Das ist eine der Hauptaufgaben für den Bundestrainer und sein Team. Extrem viel kommt aus den jungen Jahrgängen nämlich nicht nach, die vielversprechendsten Kandidaten mit Profierfahrung wären Armel Bella-Kotchap, Malick Thiaw und der junge Außenverteidiger Tom Rothe. Dieser Mannchaftsteil wird sehr spannend zu beobachten sein.

Zeit für neue Führungsspieler

Eine Erkenntnis liegt nun wirklich auf der Hand: Wenn die erfahrenen Spieler gehen, die die Mannschaft geführt haben, müssen neue Spieler in diese Rollen hineinwachsen. Das ist wichtig, denn Hierarchien entstehen, man legt sie nicht einfach fest. Es braucht Spieler, die in Zukunft Verantwortung übernehmen, eine tragende Rolle spielen können. Dabei sollen jetzt gar nicht potenzielle Namen genannt werden, diese ergeben sich schon von selbst: Durch Erfahrungen und Erfolge im Klub und den Status als Stammkraft im Nationalteam. Die Generation Neuer, Müller, Kroos gibt das Zepter nun weiter.

(Photo by Alex Livesey/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.


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