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Deutschlands stärkster Widersacher? Spanien!

21. Juni 2024 | Spotlight | BY Michael Bojkov

Beim 1:0-Sieg im Kracherspiel gegen Italien legte Spanien einen Auftritt nahe der Perfektion hin. Spätestens jetzt ist die Furia Roja der Titelfavorit schlechthin – und damit auch für die DFB-Elf der Gegner, den es zu schlagen gilt, wenn große Träume wahr werden wollen. Ein Kommentar.

Aus Gelsenkirchen berichtet Michael Bojkov.

Spanien ist jetzt der Topfavorit

Was ein furioser Auftritt der Furia! Im “Reality Check” gegen Italien lieferte die spanische Elf in der Arena auf Schalke eine Performance ab, die Erinnerungen an die goldene Siegergeneration um Xavi, Iniesta und Co weckt. 20:4 Schüsse, 2,02 zu 0,16 expected Goals, eine Passgenauigkeit von 86 Prozent im gegnerischen Drittel – und das gegen den amtierenden Europameister Italien.



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Die noch deutlichere Sprache spricht aber der Eye Check: Die Iberer dominierten Italien nach Belieben, waren extrem griffig im Gegenpressing, variabel im Spielaufbau und scharf in der Offensive. Der Auftritt der Italiener – so pomadig er teils von außen wirkte – war im Kern nicht einmal schlecht. Viel mehr war es die pure Klasse der Spanier, die nahezu jede gegnerische Pressingsequenz stilvoll umschifften und sich entweder über Dirigent Rodri fein über das Zentrum zwischen die Linien kombinierten oder per punktgenauem langem Ball aus der der eigenen Defensive heraus die Flügel in Szene setzten.

Dort machte insbesondere Nico Williams auf seiner linken Seite einen herausragenden Job. Der Angreifer von Athletic schaffte es, praktisch jedes noch so technisch anspruchsvolle Zuspiel festzumachen, um im Anschluss forsch das Eins-gegen-eins zu suchen und den Italienern damit allerhand Probleme zu bereiten. Der 21-Jährige war es auch, der den entscheidenden Treffer – letztlich durch ein unglückliches Eigentor von Riccardo Calafiori – per starkem Solo einleitete und damit zurecht zum Man of the Match gekürt wurde, wenngleich ihm das Aluminium noch am eigenen Treffer gehindert hatte.

War für die Italiener kaum zu greifen: Nico Williams führte Spanien gegen Italien zum Sieg.

War für die Italiener kaum zu greifen: Nico Williams. (Photo by OZAN KOSE / AFP) (Photo by OZAN KOSE/AFP via Getty Images)

„Wir haben gezeigt, wie gut wir wirklich sind“, sagte Williams im Anschluss der Partie. „Jetzt wollen wir natürlich Europameister werden.“ Ansage. Und das zurecht. Denn eines ist klar: Schafft es die Selección, die Überzeugung aus dem Italien-Spiel für die kommenden Partien zu konservieren, führt bei der Titelfrage kein Weg an ihr vorbei.

Vor allem England, aber auch Frankreich – die auf dem Papier stärksten Teilnehmer – haben ihre individuelle Klasse bislang nicht auf den Platz bringen können. Natürlich geht bei einer Europameisterschaft vieles auch über einzelne Momente und das nötige Spielglück. Aber: Das Momentum und die Überzeugung, die Spanien sowohl zum Auftakt, insbesondere aber gegen Italien auf den Platz brachte, machen die Mannschaft von Luis de la Fuente zum Team, das es zu schlagen gilt

Auch die DFB-Elf, die bis gestern Abend überzeugendste Mannschaft bei dieser Europameisterschaft, wird diese Hürde nehmen müssen. Sollten beide Nationen Gruppenerster werden, wovon stark auszugehen ist, kommt es bereits im Viertelfinale zum direkten Duell. Wenngleich Prognosen bei einer Europameisterschaft immer mit einer besonderen Vorsicht zu genießen sind, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der kommende Europameister bereits am 5. Juli in Stuttgart entschieden wird.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Michael Bojkov

Lahm & Schweinsteiger haben ihn einst zum Fußball überredet – mit schwerwiegenden Folgen: Von Newcastle über Frankfurt bis Cádiz saugt Micha mittlerweile alles auf, was der europäische Vereinsfußball hergibt. Seit 2021 bei 90PLUS und vorwiegend in Spanien unterwegs.


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