Mittwoch, September 30, 2020

DFB-Pokalfinale | Die Maschine RB Leipzig

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Julius Eid
Julius Eid
Redakteur

Spotlight | Heute Abend steht das DFB-Pokalfinale an. Aufeinander treffen der FC Bayern München und RB Leipzig. Zwei Vereine, die ihren Erfolg nicht unterschiedlicher erarbeitet haben könnten. Die alte Fußball-Elite gegen den aufmüpfigen Werbeverein.

Ein neues Kapitel für den Fußball

Spätestens mit dem Aufstieg der Rasenballer aus Leipzig in die erste Bundesliga sollte jedem Beobachter klar gewesen sein: Eine neue Zeit im Fußball bricht an. Natürlich gab es die Entwicklung zum kleinen, gut finanzierten Erfolgsklub auch schon in Sinsheim zu beobachten. Doch der Aufstieg eines Vereins der 2009 gegründet wurde, in die oberste deutsche Spielklasse, nur sieben Jahre nach dieser Gründung, war ein Paukenschlag ganz anderen Ausmaßes. Ein Großkonzern hatte beschlossen einen erfolgreichen Fußballklub in Deutschland positionieren zu wollen und hat sich diesen Klub dann innerhalb kürzester Zeit erschaffen. Es brauchte keine Tradition, keine hohen Mitgliederzahlen, kein überwältigendes Zuschauerinteresse. Nur Geld und den Willen möglichst schnell ein Produkt auf die große Bühne zu pushen. Eine Gewissheit, die vielen Traditionsklubs Angst machen sollte.

Photo by ERWIN SCHERIAU / AFP

Der Tod der Emotionen

Die großen Vorteile eines Konstrukts wie RB Leipzig liegen in den Strukturen. Gerade Traditionsvereine haben oft mit Emotionalität, Vergangenheitsbewältigung oder einfach Klüngeleien zu tun. Die Strukturen dieser Vereine sind teilweise über 100 Jahre alt, zahlreiche stimmberechtigte Mitglieder sorgen für unvorhersehbare Entscheidungen. Über Jahre eingerichtete Netzwerke innerhalb des Vereins bekämpfen sich gegenseitig. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Hamburger Sportverein. Nach Jahren des sportlichen Niedergangs wirkt der Verein immer noch wie gelähmt, unfähig zu reagieren. Stattdessen wird mit Bernd Hoffmann ein Mann aus der Vergangenheit zurückgeholt. Teilweise ist es schwer diese Vorgänge rational zu begründen. Auch der FC Bayern lebt in Teilen von Irrationalität, das “Mia san Mia” Gefühl, Entscheidungen wie die Verlängerung mit Robbery vor dieser Saison, sind nicht unbedingt sportlich zu begründen. RB Leipzig hingegen ist, zumindest im Innern, der Tod jeder Emotion. Die eiskalte Rationalität.

Eine Maschine mit nur einem Zweck

Der “Verein” für Rasenball wurde aus nur einem Zweck gegründet und von Anfang an auf diesen Zweck ausgerichtet. Maximaler sportlicher Erfolg um das Bullenlogo und das “RB” möglichst öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Dies führt zu einer Entscheidungsstruktur die vieles erleichtert. Nur wenige stimmberechtigte Mitglieder (17) die dem faktischen Besitzer Red Bull nahestehen und wohl kaum aus der Emotionalität eines Fans heraus eine ungewollte Entscheidung treffen. Es gibt keine Scharmützel vor Mitgliederversammlungen auszutragen. Der Plan, von einer handvoll Experten erstellt, wird abgenickt und weiter gehts. Die Maschine läuft. Diese Konzentration von Entscheidungsgewalt auf wenige, kompetente Schultern, hat maßgeblichen Anteil daran, dass RBs Weg nach oben vorgezeichnet war, während Vereine wie der FC Köln, der HSV, der VfB Stuttgart, sogar der FC Kaiserslautern und unzählige weitere Größen der Vergangenheit starken sportlichen Schwankungen unterliegen.

Auch abseits von der Hierarchie im Verein hat Red Bull mit dem Einstieg ins Fußballgeschäft neuartige Strukturen geschaffen. Es besteht faktisch eine Verbindung, eine Gruppierung aus verschiedenen Red Bull Vereinen, die in verschiedenen Teilen der Welt, auf verschiedenen Leistungsebenen agieren. Zwischen diesen Vereinen herrscht eine klare Hierarchie, aufgrund der Leistungsebene und der damit verbundenen Aufmerksamkeit. Die Speerspitze dieser Hierarchie ist Leipzig. Somit kann man im Osten Deutschlands auf ein perfekt organisiertes, weltweites Scouting- und Ausbildungsnetzwerk zurückgreifen. Dass dann ohne Wenn und Aber die wichtigsten Spieler der Vereine bis nach Leipzig durchgereicht werden, ist wiederum nur möglich, weil die Vereine keine eigenen Entscheidungen treffen, sondern von einem Konzern, einem Interesse gelenkt werden. Die Strukturen an sich nur durch sehr viel Investitionsmasse aufzubauen.

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Kein kurzzeitiges Phänomen

Diese strukturellen Vorteile und der damit verbundene Erfolg werden den Fußball nachhaltig und tiefgreifend verändern. Die Großvereine, die Traditionsklubs, sind gefordert in diesem knallharten Geschäft nachzuziehen, sich selber ähnliche Strukturen zu schaffen oder andere Lösungen zu finden um mit “Vereinen” wie RB Leipzig überhaupt konkurrieren zu können. In Leipzig hat man einen großen Vorsprung auf viele dieser Klubs.
RB Leipzig wird, unabhängig von dem Ergebnis im Pokalfinale, weiter oben mitspielen, die Champions League regelmäßig bestreiten, irgendwann auch Titel holen. Das Geld und der Konzern im Hintergrund, der Wille der Verantwortlichen hier etwas langfristiges zu schaffen, die Verpflichtung von Julian Nagelsmann, das Vereinsnetzwerk rund um den Globus. Leipzig wird sich nicht auflösen oder auch nur im sportlichen Mittelmaß versinken. Zusammengefasst vor allem aus einem Grund: Dafür wurde RB Leipzig nicht aus dem Boden gestampft.

Julius Eid

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