Vier Siege in 14 Bundesliga-Spielen, ein Kader, aus dem er nach eigener Auskunft niemanden mitnehmen würde: Albert Riera verließ Frankfurt als teures Missverständnis. Roter Stern Belgrad stellt ihn trotzdem ein – und lässt ihm keine Woche.
Ein Rücktritt in der Nacht, ein Vertrag am Freitag
Der Auslöser lag im Marakana. Roter Stern verlor das Rückspiel der dritten Champions-League-Qualifikationsrunde gegen Hapoel Beer Sheva mit 0:2, nach dem 0:1 im Hinspiel stand am Ende ein 0:3 über zwei Partien. Beim Stand von 0:0 verweigerte Schiedsrichter Glenn Nyberg einen Elfmeter, Dejan Stanković protestierte lautstark und sah in der 57. Minute die Ampelkarte. Was folgte, kannte man aus Belgrad zuletzt selten: keine Pressekonferenz, stattdessen eine Ansprache in der Kabine – und der Rücktritt noch in derselben Nacht.
Klubpräsident Zvezdan Terzić bestätigte die Trennung am Mittwoch und sparte nicht mit Kritik: Eine solche Rote Karte beim Stand von 0:0 dürfe sich ein Trainer nicht erlauben. Für Stanković war es bereits das zweite Mal, dass er den Verein nach einer verpassten Königsklassen-Qualifikation verließ. Danach lief die Uhr, denn die UEFA verlangt eine fristgerechte Meldung des Nachfolgers. Am Freitagmittag stand sie auf der Klub-Website: Albert Riera, Zweijahresvertrag.
104 Tage Frankfurt – und was davon hängen blieb
Der 44-jährige Mallorquiner hatte die Eintracht Anfang Februar nach der Freistellung von Dino Toppmöller übernommen. Was als Stabilisierung gedacht war, endete nach dreieinhalb Monaten. Rieras Bilanz: 14 Spiele, vier Siege, fünf Remis, fünf Niederlagen, 1,21 Punkte pro Partie. Platz acht, verpasste Europapokal-Qualifikation – erstmals seit 2020.
Die Zahlen erzählen dabei nur die Hälfte. Mario Götze setzte Riera auf die Tribüne, kurz bevor dessen Vertragsverlängerung offiziell wurde. Can Uzun kam phasenweise kaum zum Einsatz, begründet mit Defiziten gegen den Ball. Und Jonathan Burkardt, mit 13 Toren bester Eintracht-Schütze der Saison, wurde beim Saisonfinale erst nach einer Stunde eingewechselt – und traf doppelt. Anschließend erklärte er vor dem ARD-Mikrofon, das System habe „nicht zur Eintracht gepasst“. Riera hatte Berichte über den Konflikt zuvor als Bullshit abgetan.
Im Juni legte er nach. Frankfurt habe keine schlechten Spieler, sagte er – aber keinen einzigen, den er in sein nächstes Projekt mitnehmen würde. Das nächste Projekt heißt jetzt Roter Stern.
Was Belgrad sieht, wenn Deutschland nur die Eskalation sah
Die Bundesliga hat Riera als Exzentriker abgespeichert. Die Vita davor liest sich anders.
| Station | Zeitraum | Ertrag |
|---|---|---|
| Olimpija Ljubljana | 2022–2023 | Meisterschaft und Pokal in derselben Saison |
| Girondins Bordeaux | ab Oktober 2023 | Episode ohne Titel |
| NK Celje | ab Juli 2024 | Slowenischer Pokal, Conference-League-Viertelfinale |
| Eintracht Frankfurt | Februar–Mai 2026 | Platz acht, kein Europapokal |
Ein Trainer also, der auf mittlerer Ebene Titel holt und international überperformt – und der an einem Bundesliga-Kader mit gewachsenen Hierarchien scheiterte. Belgrad ist strukturell näher an Ljubljana als an Frankfurt: nationaler Dauerfavorit, europäischer Herausforderer, Kabine mit klarer Rangordnung. Ob das reicht, hängt weniger an der Spielidee als an der Frage, ob Riera diesmal die Führungsspieler mitnimmt statt gegen sie zu arbeiten.
Donnerstag, Plzeň, kein Warmlaufen
Zeit für Feinschliff gibt es nicht. Am 20. August empfängt Roter Stern den FC Viktoria Plzeň zum Hinspiel der Europa-League-Playoffs, das Rückspiel folgt eine Woche später. Der Klub hat das Ligaspiel gegen Železničar verlegt, damit der neue Trainer die Mannschaft überhaupt kennenlernt. Die offizielle Vorstellung samt erstem Training ist für Sonntag angesetzt.
Der Kader gibt ihm Substanz – Roter Stern stellt seit Jahren das mit Abstand teuerste Aufgebot der Super Liga, mit Marko Arnautović und Muhammed Cham auch zwei Namen mit Bundesliga-Vergangenheit. Aber ein Kader, der gerade an Hapoel Beer Sheva gescheitert ist, braucht keine neue Spielphilosophie. Er braucht innerhalb von sechs Tagen ein Ergebnis.
Laut sein darf, wer gewinnt
Zwei Jahre Vertrag klingen nach Zeit. In Belgrad sind sie eine Absichtserklärung, die beim ersten europäischen Aus zur Diskussion steht – Stanković hat das gerade zum zweiten Mal vorgeführt. Riera bekommt einen Klub, der ihn seit längerem wollte, und eine Aufgabe, die nichts verzeiht. Wer in Belgrad gewinnt, darf laut sein. Wer verliert, war es zu früh.

