Es ist eine der kuriosesten Personalien des Fußball-Sommers: Carlos Queiroz ist wieder Nationaltrainer Ghanas. Zwei Monate nach dem WM-Aus und einer viel beachteten Abschiedsbotschaft hat der ghanaische Verband die Rückkehr des 73-jährigen Portugiesen verkündet.
Der Rücktritt, der offenbar keiner war
Um die Wendung zu verstehen, muss man zurück in den Juli. Ghana war bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada im Sechzehntelfinale an Kolumbien gescheitert – 0:1 in Kansas City. Danach veröffentlichte Queiroz eine Stellungnahme, die praktisch alle Medien als Rücktritt lasen. Er bedankte sich beim Verband, den Spielern und seinem Trainerteam und formulierte einen deutlichen Appell: Der Erfolg der Black Stars müsse abseits des Platzes beginnen, mit besseren Rahmenbedingungen für Ghanas Talente.
Eine Woche später kam die Überraschung. Von einem Fan auf der Straße auf die Gründe seines Rücktritts angesprochen, entgegnete Queiroz schlicht, er sei gar nicht zurückgetreten. Der Facebook-Post sei eine Dankesbotschaft gewesen, mehr nicht. Der „Rückzieher“, von dem nun berichtet wird, ist aus seiner Sicht also nie einer gewesen.
Was der Verband sagt
Die Ghana Football Association teilte mit, man habe sich mit Queiroz auf dessen Ernennung zum Cheftrainer der Black Stars für die nächste Phase geeinigt. Begründet wurde die Entscheidung mit seiner internationalen Erfahrung, seiner fachlichen Kompetenz und seiner Kenntnis der Mannschaft.
Zur Vertragslaufzeit machte der Verband keine Angaben – ein Detail, das aufhorchen lässt. Denn schon Queiroz‘ erste Anstellung war explizit als Kurzzeitlösung angelegt.
Erst im April gekommen
Queiroz hatte den Posten im April 2026 übernommen, gut zwei Monate vor WM-Beginn. Vorgänger Otto Addo, früher Bundesligaprofi und zuletzt in Dortmund als Trainer tätig, war nach einer 1:2-Testspielniederlage gegen Deutschland freigestellt worden. Ghana suchte damals unter Zeitdruck – neben Queiroz galt Landsmann Paulo Bento als Kandidat.
Für Queiroz war das Turnier in Nordamerika die fünfte Weltmeisterschaft als Cheftrainer in Serie. Zuvor hatte er Südafrika (2002), Portugal (2010) sowie den Iran (2014, 2018, 2022) zu WM-Turnieren geführt. Nach Angaben mehrerer Agenturen war Ghana seine achte Station als Nationaltrainer; gezählt werden dabei unter anderem Portugal, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südafrika, Iran, Kolumbien, Ägypten, Katar und Oman.
Der nächste Prüfstein: Afrika-Cup-Qualifikation
Sportlich geht es jetzt um die Qualifikation zum Afrika-Cup 2027. Ghana trifft dort auf die Elfenbeinküste, Gambia und Somalia – eine Gruppe, in der der Elfenbeinküste die Favoritenrolle zufällt. Der genaue Spielplan stand zuletzt noch aus.
Für einen Verband, der in diesem Jahr bereits einen Trainerwechsel unter Zeitdruck und einen missverstandenen Rücktritt verkraften musste, wäre ein reibungsloser Qualifikationsstart eine willkommene Abwechslung. Queiroz kennt die Mannschaft – und, wie er im Juli deutlich machte, auch die Baustellen abseits des Rasens.

