Linus Güther feierte am vergangenen Samstag sein Bundesliga Debüt für Union Berlin und wurde mit 16 Jahren und drei Tagen zum zweitjüngsten Spieler der Ligageschichte. Nur wenige Tage später stand das Wunderkind für die U19 der Eisernen auf dem Platz und zerlegte Stadtrivale Hertha BSC mit einem Tor und drei Vorlagen beinahe im Alleingang.
Im Halbfinale des Nike-Youth-Cups setzte sich Union vor 5.067 Zuschauern in der Alten Försterei mit 4:2 gegen Hertha durch. Auf der Tribüne verfolgten Sportchef Horst Heldt, Präsident Dirk Zingler und Cheftrainerin Marie Louise Eta die Partie. Ein prominent besetztes Publikum, das sich an diesem Nachmittag einmal mehr bestätigt fühlen durfte, welches Ausnahmetalent in den eigenen Reihen heranwächst.
Güther an allen Toren beteiligt
Güther war an allen vier Treffern direkt beteiligt. Nach nicht einmal vier Minuten brachte der 16 Jährige seine Farben in Führung. Dmytro Bogdanov, ebenfalls bereits mit Bundesliga-Minuten gesegnet, legte den Ball von der rechten Seite zurück. Güther bewegte sich clever in den Rückraum, nahm den Ball sauber an und traf per abgefälschtem Schuss zur frühen Führung.

Rund eine halbe Stunde später legte er nach. Mit einem Dribbling durch das Zentrum band er gleich zwei Hertha Spieler und entschied sich dann für einen feinen Lupfer über die Abwehr. Suheib Ali nahm den Ball im Strafraum direkt und vollendete sehenswert per Volley zum 2:0.
Noch vor der Pause fiel die Vorentscheidung und wieder war Güther maßgeblich beteiligt. Bogdanov schickte ihn mit einem Pass in die Tiefe. Güther verschaffte sich mit seinem explosiven Antritt den entscheidenden Meter Vorsprung auf die Hertha Innenverteidigung, umkurvte den Keeper und legte in der Mitte quer auf Yann Megaptche, der nur noch einschieben musste.
Als Hertha nach dem 1:3 Anschluss durch Yunus Ünal in der 56. Minute kurz Hoffnung schöpfte, sorgte Güther wenig später mit einer überragenden Aktion endgültig für klare Verhältnisse. Unter höchstem Gegnerdruck behauptete er den Ball, drehte sich um die eigene Achse, ließ einen Gegenspieler mit einer Ballrolle aussteigen und spielte dann im besten Michael-Olise-Style einen präzisen Pass durch die Schnittstelle auf Theodor Sakoufakis, der ins linke untere Eck traf. Der Schlusspunkt zum 2:4 durch Elyas Bagci in der 89. Minute hatte da nur noch statistischen Wert.
Unions U19-Trainer Daniel Schulz fasste es nach dem Spiel passend zusammen: „Die Jungs haben sich verdientermaßen ins Finale gespielt. Linus war einer der besten Spieler, er hat gezeigt, warum er schon ein Bundesligaspiel gemacht hat.“

Das Debüt war keine Geste – Rückenwind für Wolfsburg?
Zu diesem einen Bundesligaspiel dürfte in dieser Saison noch das eine oder andere hinzukommen. Güther unterstrich, dass sein Debüt nicht dem Rekord und dem damit verbundenen PR-Effekt geschuldet, sondern sportlich hergeleitet war. Wer in der U19 auf diese Weise dominiert und im Profibereich sofort Präsenz zeigt, hat eine volle Alte Försterei als Bühne verdient. Vielleicht ja schon am kommenden Samstag?
Marie-Louise Eta wird auf der Tribüne ganz genau hingeschaut haben. Die Union-Cheftrainerin, die bis vor Kurzem selbst die U19 betreute und Güther dort über Monate förderte, feiert am Samstag ihr erstes Bundesligaspiel als Cheftrainerin auf dem Programm. Der VfL Wolfsburg gastiert in der Alten Försterei. Ein Sieg würde Union dem Klassenerhalt wohl einen entscheidenden Schritt näherbringen. Eine Niederlage könnte die Lage im Tabellenkeller dagegen wieder deutlich verschärfen.
Gerade deshalb ist Güther so spannend. Gegen Hertha zeigte er genau jene Qualitäten, die im Union Profikader zuletzt schmerzlich vermisst wurden. Ein schneller Offensivspieler, trickreich, mit Flair. Einer, der offensiv die richtigen Entscheidungen trifft, seine Mitspieler bedient und auch selbst das Tor trifft. Kurzum: Ein Unterschiedsspieler.
Ob er am Samstag erneut im Kader steht, ist offen. Nach seiner Leistung am vergangenen Mittwoch wäre eine Nicht-Berücksichtigung jedoch fahrlässig.

Eine Woche zum Einrahmen
Unabhängig davon dürften die kommenden Wochen in jedem Fall spannend werden. Das Finale des Nike-Youth-Cups ist für den 13. Mai angesetzt. Dort trifft Union auf den Berliner SC. Bis dahin warten auf Güther möglicherweise weitere Bundesliga-Minuten, definitiv aber Schulklausuren und die Frage, wie Union in den kommenden Monaten mit diesem außergewöhnlichen Talent umgeht.
Schon jetzt steht jedoch fest, dass die vergangenen Tage für den 16 Jährigen außergewöhnlich waren. Erst das Bundesliga-Debüt am Samstag, dazu der Status als zweitjüngster Spieler der Ligageschichte. U19-Halbfinale gegen den Stadtrivalen am Mittwoch, ein Tor und drei Vorlagen und der klar auffälligste Spieler auf dem Platz, während die komplette Union-Führung auf der Tribüne saß. Und am kommenden Wochenende vermutlich die nächste Chance, sich im Profibereich zu zeigen.
Eine Woche zum Einrahmen.

